WAS ES BEDEUTET, GEISTLICHE ZU SEIN

Foto: epd/M.Uschmann

Geistliche zu sein bedeutet, eine Kerze anzuzünden. Es bedeutet, zu sagen: „Christus spricht …“ Und es bedeutet, ihn sprechen zu lassen. Nicht sich selbst. Es bedeutet, die Tür zu öffnen für die enorme Kraft des Rituals. Für die enorme Kraft der Worte. Des Wortes.

Es bedeutet, dass einem nichts selbst gehört. Nicht die Worte, die man spricht. Nicht die Wirkung, die sie haben. Es bedeutet, Platz zu machen. Beiseite zu treten. Für etwas, das durch will. Berühren.

Es bedeutet, auf einer Schwelle zu stehen. Zwischen zwei Räumen an der Tür. Im Wohnzimmer von Menschen, auf dem Weg zu einer Taufe, zu einer Hochzeit. Im Vorzimmer der Intensivstation. Zwischen dem, was noch nicht ist, aber schon da ist. Und dann – auch zum Friedhof.

Es bedeutet, Frieden Raum zu geben. Lachen seinen Lauf zu lassen, Gedanken Worte zu verleihen, Trauer Tränen zu schenken.

Es bedeutet, dass Menschen einen nicht mehr erkennen, wenn sie einem irgendwann wieder begegnen. Wenn wieder alles gut ist.

Denn es war eine Begegnung zwischen zwei Räumen. Auf der Schwelle.

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