Was PfarrerInnen so machen

Iris Haidvogel ist Pfarrerin in Gols im Norden des Burgenlandes. Foto: epd/UschmannM
Iris Haidvogel ist Pfarrerin in Gols im Norden des Burgenlandes. Foto: epd/UschmannM

Blog: 2 Wochen im Leben von Iris Haidvogel

Iris Haidvogel …

… ist Pfarrerin geworden,
weil sie selbst eine tolle Pfarrerin erlebt hat, die sie gefördert und ihre Fragen ernst genommen hat.

… liebt
das warme Wasser, das bei Taufen durch ihre Hände läuft und den Kindern große Augen macht.

… schätzt
die tiefen Gedanken der Konfis und Jugendlichen und die viele Mühe der Frauen in der Pfarrgemeinde.

… hat viel Spaß
mit ihrer Kollegin Ingrid und ihrem Vikar Thorben.

… findet es cool,
dass Gott, Glaube und Kirche Menschen auch heute und hier so wichtig sind.

… genießt
die „Sternstunden*“ in ihrer Gemeinde im Burgenland und den jungen Wein.

… hat keine Ahnung
von Instagram und postet doch (die JugendmitarbeiterInnen wollten das!).

… will Pfarrerin sein,
bis sie alt und grau ist und die nächste Generation sie von der Kanzel jagt.

… freut sich
über Fragen und Kontakt auf instagram (@evangols), twitter (@IHaidvogel), facebook (Iris Haidvogel) per Mail (vevf.unvqibtry@rinat-tbyf.ng) oder gern auch telefonisch (0699/188 77 116).


Iris Haidvogel
– 37
– verheiratet
– 2 Kinder
– seit bald 10 Jahren Pfarrerin in Gols
(Burgenland) auf einer halben Pfarrstelle

Mein Montag beginnt ganz untypisch: mit Arbeit. Viele PfarrerInnen haben am Montag ihren freien Tag. Nachdem wir am Sonntag oft Gottesdienste feiern und am Samstag bei Konferenzen, Taufen oder Hochzeiten beschäftigt sind, bleibt uns ein freier Tag unter der Woche. Meinen freien Tag verschiebe ich diese Woche aber auf Samstag. Ein enger Freund meiner Familie ist verstorben und die Witwe wünscht sich, dass ich die Ansprache bei seiner Verabschiedung in der Feuerhalle in Graz halte. Der Verstorbene ist katholisch, aber das ist gar kein Problem. Der Diakon, der die Beerdigung macht, ist total nett und freut sich über die persönliche Ansprache, die ich ihm nachher noch per Mail schicken soll. Na klar, das ist gelebte Ökumene. Feuerbestattungen gibt’s bei mir am Land eher selten, Beerdigungen aber viele. Oft werde ich gefragt, ob das nicht schwer ist, so eine Beerdigung zu machen. In vielen Fällen finde ich es sogar schön, erfüllend. Die Angehörigen sind dankbar über feste Rituale, klare Abläufe und wohlüberlegte und ganz persönliche Worte. Sie sehnen sich nach biblischen Hoffnungsbildern und einem Ort, wo Trauer und Dankbarkeit über gelebtes Leben zusammenkommen dürfen. Natürlich gibt’s da auch die Beerdigungen, die mir an die Nieren gehen – selten, aber dann richtig. Dann müssen wir miteinander weinen und fragen, aushalten und klagen.

Nach einem kurzen Leichenschmaus bin ich am Nachmittag wieder in Gols im Burgenland gelandet. Dort erwartet mich gleich ein Mann zum Beerdigungsgespräch, sein Vater ist verstorben, die Beerdigung wird am Donnerstag sein.

Am Abend treffe ich mich mit den ehrenamtlichen MitarbeiterInnen für die „Sternstunde*“, unseren Abendgottesdienst. Wir trinken den eigenen jungen Wein der Gastgeberin, besprechen das Thema, die Lieder, den Ablauf. Plaudern über dies und das, lachen, essen frisch gebackenes Brot. Gemeinde ist auch Gemeinschaft. Was für ein Segen. Zuhause checke ich noch schnell, ob für meine Schulstunden morgen alles klar ist, ob die Materialien und Abläufe passen. Geschafft falle ich ins Bett.

Der Dienstag beginnt fast jede Woche gleich mit einer Dienstbesprechung mit meiner Kollegin Ingrid. Wir sitzen in ihrer Küche, trinken Kaffee und gehen die Woche durch. Sie macht zwei Beerdigungen, ich eine. Am Wochenende ist Martiniloben, das große Weinfest in Gols. Da macht sie die Segensfeier in unserem Gemeindezentrum. Wir tauschen uns auch aus über die Erlebnisse der letzten Woche, erzählen, hören zu.

Dann geht’s unmittelbar weiter in die Dienstbesprechung im Pfarramt mit unserer Pfarramtssekretärin. Normalerweise ist auch Thorben, unser Vikar – das heißt Pfarrer in Ausbildung – dabei, aber er ist momentan in Wien im Predigerseminar. Die Dienstbesprechung ist der Dreh- und Angelpunkt unserer Arbeit: ein geistiger Einstieg mit einem Bibeltext, einem Gebet, ein Rückblick und Feedback, Termine, Öffentlichkeitsarbeit, Gottesdienste, Taufen, Buchhaltung und Rechnungen, Unterschriften und ein Blick in die nächsten Wochen – gehört alles dazu.

Schnell drucke ich noch ein, zwei Seiten aus und fahre mit dem Auto nach Frauenkirchen in die HAK. Dort unterrichte ich in der sechsten Stunde die 1. Klassen und dann in einer Doppelstunde die 3., 4. und 5. Klassen. Zwei Schülerinnen aus der 5. Klasse möchten gerne in Religion maturieren, wir besprechen die Themenbereiche und ihre Aufgaben.

Ich unterrichte sehr gerne Religion und freue mich auf die Schule – die kleinen Gruppen, die spannenden Themen, die immer neuen Ideen meiner SchülerInnen lassen es nie langweilig werden. Ich finde, es ist ein toller Ausgleich zur Arbeit in der Gemeinde, auch wenn die vielen zusätzlichen Konferenzen, Feiern und Herausforderungen, die Schule halt mit sich bringt, durchaus anstrengend werden können.

Am Mittwoch sitze ich am Schreibtisch. Ich aktualisiere die Homepage der Pfarrgemeinde, schreibe den Ablauf des Abendgottesdienstes auf und verschicke ihn per Mail an die Mitwirkenden, ich beantworte meine Mails, mache ein Plakat für den Laternenumzug und den Abendgottesdienst, poste es auf Facebook und Instagram. Ich lese mich ein in die Mondlandung und die Raumfahrt vor 50 Jahren (das Thema unserer „Sternstunde*“), suche passende Bibelstellen aus.

Dann schreibe ich die Beerdigung für morgen: Meine Notizen aus dem Gespräch helfen mir, ein Bild von einem Menschen zu zeichnen, den ich nur vom Sehen kannte. Ich suche einen passenden Psalm und einen Predigttext aus, überarbeite meine Gebete und überlege, an welcher Stelle die Lieder des Kirchenchores am besten passen. Auch nach vielen Jahren ist jede Beerdigung, jede Taufe oder Hochzeit etwas Besonderes, ich bin vorher ein wenig unruhig, manchmal positiv gespannt. Viele Menschen werden mir zuhören und zusehen. Schließlich bin ich der Profi, aber für die Menschen meiner Gemeinde ist es eben nur die eine Beerdigung des Vaters, die eigene Hochzeit, die Taufe des ersten Kindes. Da frage ich mich: Werden meine Worte für die Betroffenen stimmig sein? Ist die Ansprache nicht zu lang oder zu kurz? Kann ich die gute Nachricht vermitteln und gleichzeitig eine kurzweilige, schöne Taufe oder eine romantische Trauung feiern?

Am Donnerstag habe ich ein Eintrittsgespräch. Die Frau möchte im Sommer in Neusiedl heiraten, ihr Mann und das kleine Kind sind schon evangelisch, jetzt will sie auch evangelisch werden. Wir treffen uns gleich in der Kirche in Neusiedl, das auch zur Pfarrgemeinde Gols gehört. Sie schauen sich die Kirche an, wir plaudern und tauschen uns aus, sie hat viele Fragen, die ich versuche zu beantworten. Ich nehme ihre Unterlagen mit, schenke dem Kind ein Pixi-Buch zur Bibel und freue mich sehr über das neue Gemeindemitglied und die Hochzeit im Sommer. Ist das nicht ein Geschenk, wenn sich Menschen entscheiden, wieder oder zum ersten Mal einer Kirche anzugehören? Ich finde schon, hoffentlich habe ich mir auch genug Zeit für alle Fragen genommen! Im Büro gebe ich die Unterlagen ab, dort wird alles für den Eintritt fertig gemacht. Viele PfarrerInnen in kleineren Gemeinden machen das selbst, was hier in Gols von unserer Sekretärin erledigt wird.

Am Nachmittag dann die Beerdigung ins Gols. Wir ziehen mit Kreuzträger, Konfis und Kirchenchor vom Evangelischen Gemeindezentrum zum Friedhof im Ort. Der Kirchenchor singt, die Familie trauert, alles folgt seinem gewohnten Ablauf. Am Rückweg plaudere ich mit den Konfis, die bei uns seit Jahren auf die Beerdigungen mitgehen. Sie freuen sich schon auf die Konfi-Freizeit in zwei Wochen in Wien. Ich auch. Da denke ich dran, dass ich noch die genaue Anzahl der Konfis und Jugendmitarbeiterinnen bei der Jugendherberge angeben und die Rechnung ans Sekretariat weiterleiten muss. Ach ja, und den Besuch von „Dialog im Dunkeln“ muss ich auch organisieren …

Freitag, Samstag und Sonntag ist das große Weinfest in unserer Pfarrgemeinde. Viele unserer Gemeindemitglieder sind Winzer und Winzerinnen oder gehören zu einer Winzerfamilie. Unser Gemeindezentrum wird an diesem Wochenende zum Treffpunkt für WeinliebhaberInnen aus nah und fern. Ich nütze die Tage zu Hause für Vorbereitungen und gehe natürlich auch in den einen oder anderen Keller. Am Land ist der Besuch der Pfarrerin immer noch etwas Besonderes, ich muss mir überlegen, wo ich überall hingehe … Auf jeden Fall zu dem Paar, das ich letztes Jahr getraut habe – sie haben die Weinbaubetriebe der Eltern übernommen und zusammengelegt. Ihr Jungwein mit neuem Etikett trägt den schönen Namen „Sunday“. Na, da muss ich wohl zuschlagen!  ;-)

Sonntag ist der 10. November, und an diesem Tag gibt es in Gols eine jahrelange Tradition: den Laternenumzug zu Martin Luthers Geburtstag. Die Konfis warten an 5 Orten mit Laternen auf die Kinder aus dem ganzen Ort und ziehen dann mit den Kindern sternförmig zur Kirche. Dort singen wir gemeinsam, und zum Abschluss gibt’s für jedes Kind einen Striezel. Natürlich sind meine eigenen Kinder mit von der Partie – schließlich gehören sie ja auch dazu. Manchmal kommen sie gerne mit und freuen sich schon auf den Familiengottesdienst, manchmal finden sie meinen Beruf auch blöd, wenn ich am Abend auf eine Sitzung oder am Wochenende weg muss. Da geht’s Eltern mit anderen Berufen aber nicht anders. Ich setzte mich auch im Pfarrerverein dafür ein, dass für uns PfarrerInnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer einfacher wird – eine individuelle Herausforderung bleibt es!

Montags hab ich frei. Wirklich. Am Abend schau ich natürlich trotzdem in meine Schulunterlagen, was ich für den nächsten Tag brauche. Wir PfarrerInnen können uns unsere Zeit ja ziemlich frei einteilen, was ich echt fein finde. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass wir gut auf unsere freien Tage aufpassen müssen! Also verbringe ich den Tag gern mit meinen Kindern, gehe mit ihnen ins Schwimmbad, gehe Montagvormittag shoppen (leere Geschäfte!!!) oder genieße, während die Kinder in der Schule sind, eine Netflix-Folge auf der Couch.

Den Dienstag kennt ihr ja jetzt schon: Besprechung mit meiner Kollegin Ingrid, Dienstbesprechung mit der Sekretärin und der Vikar ist auch wieder da. Dann ab in die Schule, dieses Mal mit den 1. Klassen zu den 10 Geboten. Mit den 2. Klassen mache ich einen Stationenlauf zur Bibel und schleppe sicher 20 verschiedene Bibeln mit in die Schule. Ich find’s ja wichtig, dass meine SchülerInnen was zum Angreifen und Anschauen haben.

Gerade beim Nachmittagsunterricht muss ich schon ein bisschen „zaubern“, damit nicht Schlafstimmung auftritt. Aber Frontalunterricht ist sowieso von gestern, also versuche ich möglichst interaktiv zu unterrichten, mit digitalen Elementen (Kennt ihr schon kahoot?), aber gleichzeitig auch klassisch, mal ein Gebet, ein Psalm (Kennt ihr den Lego-Psalm 139?), Mazzen-Essen zum Thema Judentum oder Jenga-Spielen mit den 10 großen Freiheiten.

Mein Lehrvikar ist nun seit über einem Jahr in der Pfarrgemeinde, und Mittwochvormittag ist meist unsere Zeit. Wir lesen die Tageslosung, blicken zurück auf die Woche, ich gebe Feedback zu seinen Gottesdiensten oder anderen Arbeitsbereichen und höre gespannt, wie er manches erlebt und sieht. Es ist Zeit für Fragen und Koordination. An diesem Mittwoch erzählt er über seinen Gottesdienstkurs, wir planen die Konfi-Freizeit und seine Aufgaben.

Ich hab meine eigene Vikariatszeit sehr genossen und empfinde es als Privileg, dass wir so individuell und persönlich ausgebildet werden. In unserer Kirche ist man wirklich keine Nummer, sondern sollte darauf vertrauen können, dass man gesehen und ernst genommen wird. Herausfordernd finde ich natürlich, gutes Feedback und sinnvolle Anleitungen zu geben. Dabei bleiben bei mir selbst viele Fragen offen: Wie betet man „richtig“? Was ist eine „gute“ Predigt? Wie lernt oder lehrt man Seelsorge? Es ist auf jeden Fall eine Reise, die wir gemeinsam unternehmen, und am Schluss haben wir sicherliche beide viel gelernt.

Einmal im Monat treffen sich immer donnerstags die PfarrerInnen des Bezirks bei uns im Besprechungsraum. Wir reden über Aktuelles in unseren Pfarrgemeinden, tauschen Termine aus, koordinieren Gottesdienste und Urlaube. Wir plaudern natürlich auch, trinken Kaffee und Tee. Dieser Termin ist für mich unglaublich wichtig. So schnell verliert man KollegInnen und ihre Bedürfnisse aus den Augen, so schnell glaubt Pfarrerin, die eigene Gemeinde sei der einzige Maßstab – da ist so ein Austausch immer wieder gut: Wie geht’s dir, was gibt’s Neues, was ist in deiner Kirche grad wichtig, für die Menschen deiner Gemeinde und für dich grad dran. Viele tolle Ideen und neue Projekte haben wir so schon ganz beiläufig aus der Wiege gehoben. Auch wenn mir der Termin im Vorhinein oft nicht ins Konzept passt (Ahhhh – ich muss noch die Konfi-Stunde vorbereiten UND die Predigt für Sonntag schreiben!), so freu ich mich dann trotzdem immer auf diese Zeit mit anderen PfarrerInnen. Aber jetzt muss ich dann doch …

Es gibt dieses Jahr in Gols und Neusiedl fast 30 Konfirmandinnen und Konfirmanden. Die Konfis gehören übrigens mir. Mir allein. Nein, Scherz beiseite – die Konfi-Nachmittage, -Freizeiten, -Projekte und -Gottesdienste sind ein Arbeitsbereich, für den ich hauptverantwortlich bin. Ich bin also jedes Jahr für diese 30 bis 40 13-Jährigen zuständig, fahre mit ihnen ein paar Tage weg, bereite Konfi-Gottesdienste und die Konfirmation mit ihnen vor und verbringe ganz viele Freitagnachmittage mit Spielen, Nachdenken, Singen oder wie heute mit Himmelskisten bauen.

Viele Menschen sprechen mich darauf an, wie anstrengend das doch sein muss mit so vielen Jugendlichen. Ich selbst mach das für mein Leben gern und finde oft andere Arbeitsbereiche viel mühevoller. Natürlich hab ich jetzt nach 10 Jahren auch schon einiges an Erfahrung, ich lasse mich nicht mehr aus dem Konzept bringen, weiß, wann ich trösten und wann ich streng sein muss. Ich bin entspannt, wenn die Dusche auf der Konfi-Freizeit übergeht und das Zimmer flutet oder wenn die Jugendmitarbeiter bei der Fackelwanderung beschließen, die Konfis mit gruseliger Musik aus der Boom-Box zu erschrecken. Mit 30 Konfis wird’s nie langweilig, und wenn sie dann geschniegelt und gestriegelt in ihren schönen Kleidern und eleganten Anzügen bei der Konfirmation zum Segen vor dem Altar knien, dann bin ich so stolz, dass ich ihre Pfarrerin sein darf und den Segen Gottes an sie weitergeben kann.

Nach der Konfi-Stunde gehe ich mit meinen JugendmitarbeiterInnen, die mir auch bei der Konfi-Stunde helfen, Pizza essen. Wir plaudern über die neuen Schulen – viele haben ja erst im Herbst gewechselt – und besprechen die Konfi-Freizeit in zwei Wochen. Ich möchte auch Tipps haben, was sie gerne beim Gustav-Adolf-Fest, das wir im Juni 2020 in Gols feiern, beim Jugendprogramm machen wollen. Tolle Vorschläge haben sie: Escape-Room, Laser-Tag, Bubble-Soccer, Bogenschießen und Foodtruck landen auf meiner Wunschliste.

Der ganze Samstag ist dann dem großen Fest gewidmet, das wir nächstes Jahr in Gols feiern. Das Gustav-Adolf-Fest findet immer zu Fronleichnam statt und ist riesig. An die 2000 Evangelische aus dem ganzen Burgenland kommen zusammen – für einen Gottesdienst, ein gemeinsames Mittagessen und ein buntes Nachmittags-, Kinder- und Jugendprogramm! Es ist also so etwas wie ein Kirchentag, und 2020 werden wir in Gols feiern.

Zur Vorbereitung haben wir an diesem Samstag einen Referenten eingeladen, der mit unseren GemeindevertreterInnen und uns einige Ideen und Programmpunkte entwickelt. Es soll ein „Green Event“ werden. Das Thema „Hell und weit“ steht schon länger; ein Familiengottesdienst am Anfang und eine Schlussandacht, bei der die Konfis 2021 sich vorstellen, runden das Programm ab.

Alle ehrenamtlichen MitarbeiterInnen sind mit viel Elan und Freude dabei. Ich schätze und liebe das sehr – diese Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen. Ohne sie geht gar nix in unserer Pfarrgemeinde, in der ganzen Kirche. Ich hab ja selbst so begonnen und bin jetzt froh, dass ich mit ganz viel Lob und Unterstützung, mit guter Zusammenarbeit und Leitung etwas zurückgeben kann, was meine Pfarrerin damals für mich als Jugendmitarbeiterin getan hat: Sie hat mich gesehen und geschätzt, mich gefördert und gefordert, sich einfach gefreut, dass es mich gibt und ich meine Zeit der Kirche schenke.

Diesen Sonntag feiere ich Familiengottesdienst in unserer Tochtergemeinde in Neusiedl am See. Die Religionslehrerin erzählt die Geschichte „Purzelbäume für den lieben Gott“ und hat die Kinder in den Volksschulen gefragt, was sie denn machen würden, wenn plötzlich Gott bei ihnen auf Besuch käme. Meine Lieblingsantwort: „Ich würde ihn fragen, wie es ihm geht!“ Die baue ich natürlich gleich in die Predigt ein. Gottesdienste, die Menschen jeglichen Alters und sogar unterschiedlicher Herkunft verbinden, sind immer eine große Herausforderung, aber auch besonders schön. In diesem Gottesdienst war die Jüngste 1½ (das weiß ich, weil ich sie letztes Jahr taufen durfte!), die Älteste sicher über 80. Auch die drei vor über einem Jahr getauften Asylwerber kommen jedes Mal, um mit uns und den Familien zu feiern.

Das buntgemischte Bild, wenn alle beim Abendmahl um den Altar stehen, ist für mich ein Sinnbild für einladende Kirche. Ein besonderer Moment, denn ich weiß: Durch meine Arbeit trage ich zu dieser Gemeinschaft bei. Auch toll: Der Kaffeeduft zieht schon durch die Kirche und der Kuchen steht schon bereit, um im Anschluss von vielen kleinen hungrigen Mäuler verspeist zu werden. Das Plaudern und Tratschen bei Kaffee und Kuchen gehören dabei genauso zu meiner Arbeit wie das Gottesdienstfeiern und Predigtschreiben, das Liedblattlayouten, mit der Organistin die Lieder auszusuchen und den Konfirmanden anzuleiten, wie er den Psalm im Gottesdienst lesen kann. Ach ja, und einen Kuchen hab ich mit meinen Kindern für den Gottesdienst auch gebacken! ;-)


Diese Vielfalt – an Menschen und Tätigkeiten – ist der größte Segen und gleichzeitig die größte Herausforderung meines Berufs. Er ist, wie ich finde, übrigens der tollste Beruf der Welt, davon bin ich auch nach 10 Jahren noch überzeugt, und ich freue mich auf alle KollegInnen, die in Zukunft mit mir arbeiten, feiern und unsere Kirchen mit Leben füllen!

ISSN 2222-2464