Bibelübersetzungen im Überblick

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Im deutschsprachigen Raum gibt es etwa fünfzig verschiedene Übersetzungen der Bibel oder zumindest von Teilen der Bibel. Alljährlich kommen neue hinzu. Die im Oktober 2006 erschienene „Bibel in gerechter Sprache“ hat die Diskussion über Bibelübersetzungen und ihre theologische Beurteilung heftig angefacht; im Juni 2007 ist die „Neue Zürcher Bibel“ erschienen. Nahezu unbemerkt erscheinen daneben andere Übersetzungen unterschiedlichster Qualität.

Heute werden praktisch alle Bibelübersetzungen aus dem Urtext, also dem hebräischen bzw. aramäischen Text des Alten und dem griechischen Text des Neuen Testamentes den jeweils aktuellen Urtextausgaben entsprechend erarbeitet.

Die Übersetzungen unterscheiden sich jedoch – abgesehen von ihrem Auftraggeber bzw. Herausgeber – vor allem in einer Hinsicht: Wie ist das Spannungsverhältnis Text – Leser gewichtet? Schleiermacher bemerkte einmal, dass es zwei Typen von Bibelübersetzungen gebe: Solche, die den Text zum Leser bewegen, und solche, die es nötig machen, dass der Leser sich zum Text bewegt. Ist die möglichst wortgetreue Übersetzung im Vordergrund oder soll die Übersetzung möglichst verständlich sein? Hier gibt es unterschiedliche Akzente, so dass für jeden Anlass und jede Zielgruppe die passende Übersetzung gefunden werden kann. Allerdings unterscheiden sich Bibelübersetzungen nicht nur hinsichtlich des Sprachniveaus, sondern auch hinsichtlich der Theologie, die hinter der jeweiligen Übersetzung steht.

Es gibt immer wieder Fragen nach den Unterschieden zwischen den gängigsten deutschen Bibelübersetzungen und Unsicherheiten, welche Übersetzungen für Gottesdienst, Unterricht und Gemeindearbeit sinnvoll und verantwortet eingesetzt werden können. Vorab sei jedoch bemerkt, dass diese Frage nur vordergründig allgemein beantwortet werden kann, es gilt auch hier einmal mehr 1. Thess 5,21!

 

1. „Klassiker“ – Bibelübersetzungen mit Wurzeln in der Reformationszeit

Traditionell „die“ evangelische Bibelausgabe ist die Lutherbibel.

Von Luther 1521 (Neues Testament) bzw. 1534 (Altes Testament) übersetzt, seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mehrfach an den deutschen Sprachgebrauch angeglichen und revidiert. Die Lutherbibel sollte über Jahrhunderte sprachprägend sein; viele Redewendungen „Licht unter den Scheffel stellen“ u.a. wurden sprichwörtlich.

Die heute in Gebrauch befindliche Lutherbibel geht auf die Revision von 1984 bzw. für das Alte Testament de facto auf die von 1964 zurück. Herausgegeben wird die Lutherbibel von der Deutschen Bibelgesellschaft im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Lutherbibel hat einen gehobenen Sprachstil, stellenweise wird das „Lutherdeutsch“ bewusst erhalten, die Übersetzung wirkt an einigen Stellen altertümlich, ist aber andererseits gerade was Einzelverse (Konfirmandenspruch, Trauspruch, Jahreslosung, …) angeht, sehr prägnant. Die Lutherbibel ist bis heute die klassische Bibelübersetzung ins Deutsche; keine andere deutsche Bibel kann sich an Bedeutung und Rang mit der Lutherbibel messen oder hat so die Sprache der evangelischen Frömmigkeit bestimmt. Obwohl die Formulierungen sehr einprägsam sind, ist die Lutherbibel für junge Menschen oft nicht immer leicht verständlich.

Geprägt ist Luthers Bibelübersetzung von seiner reformatorischen Grundeinsicht. Theologie und Bibelübersetzung bedingen einander aufs engste: Worte wie „Glaube“, „Gnade“, „Trost“, „predigen“ werden gerne verwendet.

Die Lutherbibel ist die offizielle Bibelübersetzung der Ev. Kirche in Deutschland für Gottesdienst und Unterricht. In Österreich ist die Lutherbibel die in der Ev. Kirche für den liturgischen Gebrauch vorgesehene Bibelausgabe; sie wird im Rahmen der Schulbuchaktion für den Ev. Religionsunterricht angeboten.

Die 2005 in Neuauflage erschienene „Stuttgarter Erklärungsbibel“ bringt den Luthertext mit Erklärungen auf dem neuesten Stand der Exegese.

Für Verunsicherung in Gemeinden sorgen (preiswerte) Ausgaben einer Lutherbibel des Schweizerischen Missionswerkes „La bona novella“. Diese Ausgaben bringen eine eigenwillige Revision des Textes der Lutherbibel von 1912 nach den mittelalterlichen Handschriften des „Mehrheitstextes“ – die Herausgeber lehnen das Urtextprinzip ab. Meist sind die Abweichungen zwar von geringer Bedeutung, aus theologischen Gründen sollten diese Ausgaben jedoch nicht verbreitet werden.

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Zürcher Bibel

Die Zürcher Bibel wird herausgegeben von der Reformierten Kirche in Zürich, welche die Übersetzung von Zwingli aus den Jahren 1524 bzw. 1531 mehrfach überarbeitete. Als vollständige Bibelausgabe lag bisher die Zürcher Bibel in der Neuübersetzung von 1931 vor. Diese Ausgabe der Zürcher Bibel ist eine sehr philologische Übersetzung in gehobener Sprache. Sie war bisher ebenfalls im Rahmen der Schulbuchaktion in Österreich für den Ev. Religionsunterricht angeboten, wurde allerdings kaum nachgefragt.

Im Juni 2007 erschienen ist die „Neue Zürcher Bibel“, die seit 1984 in Arbeit war.

Seit 1996 erschienene Testausgaben einzelner biblischer Bücher wurden weiter überarbeitet. So sollte sichergestellt werden, das nirgends durch die Übersetzung antijüdische oder frauendiskriminierende Akzente gesetzt würden. Die Übersetzung ist das Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit. Der sorgfältige Umgang mit der Textüberlieferung und die Worttreue sind hier charakteristisch für diese sprachlich anspruchsvolle Bibelübersetzung. Der biblische Text wird bewusst als Dokument einer vergangenen Zeit übersetzt, damit möglichst wenig interpretiert. Aktualisierungen werden bewusst vermieden. Die Sprache soll literarisch sein und die Bibel für den Gottesdienst verwendbar machen. Der Gottesname wird im Alten Testament mit „HERR“ wiedergegeben.

Verwendung findet die Zürcher Bibel im Raum der Reformierten Kirche und bei an möglichst großer Nähe zum Urtext Interessierten.

Zürcher Bibel online

 

2. Standard-Übersetzungen

Missverständlich ist der Titel der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, die eben nicht – wie der Titel nahe legen könnte, eine gemeinsame Übersetzung für die Evangelische und die Katholische Kirche ist. Vielmehr ist diese Übersetzung infolge des II. Vatikanischen Konzils von den deutschsprachigen Katholischen Bischofskonferenzen in Auftrag gegeben worden, um eine einheitliche katholische Bibelausgabe in allen Diözesen für Liturgie, Unterricht und private Frömmigkeit im Raum zu schaffen und frühere katholische Bibelübersetzungen abzulösen. Diese Bibelübersetzung wurde 1979 von der Katholischen Bibelanstalt herausgegeben.

Das Neue Testament und die Psalmen wurden in ökumenischer Zusammenarbeit auch im Auftrag des Rates der Ev. Kirche in Deutschland sowie der Deutschen Bibelgesellschaft erarbeitet; diese Teile der Einheitsübersetzung sind also ökumenisch verwendbar, beispielsweise auch bei ökumenischen Gottesdiensten, jedoch ist hier ihre Verwendung nicht zwingend. An der Übersetzung des Alten Testaments haben allerdings auch evangelische TheologInnen mitgewirkt.

Die Einheitsübersetzung folgt im Alten Testament der Reihenfolge der biblischen Bücher nach der Vulgata.

Die Einheitsübersetzung ist eine gehobene, solide deutsche Bibelübersetzung. In der Regel sind die einzelnen biblischen Bücher auch mit Einleitungen versehen. Da jedoch verschiedene biblische Bücher an verschiedene Übersetzerinnen und Übersetzer vergeben wurden, gibt es qualitative Unterschiede innerhalb der Einheitsübersetzung. Psalmen und hymnische Texte wurden bewusst für den responsorischen Gesang im Stundengebet übersetzt.

Eine Revision der Einheitsübersetzung (Anpassung an exegetische Einsichten seit der Erstausgabe, Berücksichtigung der verbesserten Textbasis, Anpassung an gewandelten Sprachgebrauch) unter Leitung des Exegeten Erich Zenger ist in Arbeit. Aufgrund des vatikanischen Dokuments „liturgiam authenticam“, das im Zweifelsfall die Priorität des lateinischen Textes über den griechisch-hebräischen Urtext vorsieht, ist die ursprünglich geplante ökumenische Zusammenarbeit im Herbst 2005 gescheitert; die EKD kann das Urtextprinzip nicht aufgeben. Die Fertigstellung der Revision – unter Mitarbeit namhafter katholischer Bibelwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ist bis 2010 vorgesehen.

Die Gute-Nachricht-Bibel wurde bewusst als dem Stand der Exegese verpflichtete, aber zugleich leicht verständliche, kommunikative Übersetzung konzipiert. Einer Probe-Ausgabe des Neuen Testamentes 1968 folgte die heftig umstrittene Ausgabe der gesamten Bibel unter dem Titel „Die Bibel in heutigem Deutsch“ im Jahr 1982. Das Image einer „freien“ (und damit wenig zuverlässigen) Übersetzung hängt der „Gute-Nachricht-Bibel“ in vielen Gemeinden bis heute nach.

Diese Ausgabe wurde von einer Revision im Jahr 1997 abgelöst, die sich um eine Balance zwischen Nähe zum Urtext und größtmögliche Verständlichkeit bemüht. Im Auftrag der Bibelgesellschaften und der Kath. Bibelwerke Deutschlands, Österreichs und der Schweiz wurde diese Übersetzung erarbeitet; herausgegeben wird sie von der Deutschen Bibelgesellschaft. Sie ist die einzige Bibelübersetzung, die durchgehend von einem Übersetzerteam aus den Ev. Kirchen, der Kath. Kirche sowie aus Freikirchen gemeinsam ökumenisch erarbeitet wurde. Die Gute-Nachricht-Bibel ist zudem, wo es der Urtext zulässt, um frauengerechte Sprache bemüht. Die Gute-Nachricht-Bibel ist bekannt dafür, schwer verständliche Begriffe zu umschreiben und zu erklären. Damit wird der Text freilich oft länger. Diese Übersetzung hat ihren Platz im Unterricht und in der Gemeinde- und Jugendarbeit gefunden; in Gottesdiensten findet sie bei Jugendgottesdiensten oder gelegentlich bei ökumenischen Veranstaltungen Verwendung. Auch diese Ausgabe ist im Rahmen der Schulbuchaktion in Österreich für den Ev. Religionsunterricht angeboten.

Die größte Medienaufmerksamkeit erlangte die im Herbst 2006 im Gütersloher Verlagshaus erschienene Bibel in gerechter Sprache.

53 Namhafte Theologinnen und Theologen haben diese Bibel nach Vorbild der Bibeltexte, die auf den Deutschen Evangelischen Kirchentagen Verwendung finden, übersetzt. Diese Bibelübersetzung soll nicht nur dem Urtext gerecht werden, sondern vor allem geschlechtergerecht übersetzen und gegenüber dem Judentum gerecht sein. Auch die soziale Gerechtigkeit ist ein Anliegen dieser heftig umstrittenen Übersetzung.

Die „Bibel in gerechter Sprache“ ist eine der wenigen Übersetzungen, die in einem umfangreichen Vorwort ihre theologischen Prämissen transparent darlegt. Die „Bibel in gerechter Sprache“ versteht sich bewusst als ergänzende Bibelausgabe. Sie möchte vor allem „die Diskussion anregen“. In Bibelrunden und Frauengruppen findet die Übersetzung Anklang. Exegeten und Kirchenvertreter in Deutschland haben die Übersetzung auf das schärfste kritisiert.

Eigenwilligkeiten der Bibel wie die Anordnung des Alten Testaments in der Reihenfolge der hebräischen Bibel oder die schillernde Wiedergabe des Gottesnamens mit maskulinen wie femininen Umschreibungen („GOTT“, „Schechina“, „die Ewige“, „der Ewige“, „Ich-bin-da“ u.a.) sowie die umfangreichen Register machen den Gebrauch dieser Bibel sehr anspruchsvoll.

Das Anliegen der Geschlechtergerechtigkeit wird bis ins Ahistorische durchgeführt (Priesterinnen am jüdischen Tempel gab es nicht und die Existenz „pharisäischer Frauen“ ist auch eher fragwürdig). Die Gerechtigkeit gegenüber dem Judentum verdunkelt die Messianität Jesu. Die theologischen Prämissen der Übersetzerinnen und Übersetzer überlagern immer wieder die Stimme des Urtextes.

Stellenweise hat die „Bibel in gerechter Sprache“ den Charakter einer interpretierenden Übertragung denn einer Übersetzung.

Die Bibel in gerechter Sprache ist für den liturgischen Gebrauch eher ungeeignet. Allerdings mag sie für das ergänzende Bibelstudium und für Bibelgesprächskreise anregend sein.

www.bibel-in-gerechter-sprache.de

Erwähnt werden soll der Vollständigkeit halber noch die Elberfelder Bibel.

Herausgegeben wird die Elberfelder Bibel vom Brockhaus Verlag in Wuppertal. Diese ist 1974 bzw. 1985 revidiert worden und möchte eine sehr wortgenaue, zuverlässige Übersetzung sein. Wo möglich, wurden biblische Begriffe „konkordant“, das heißt immer mit dem gleichen deutschen Wort wiedergegeben. Die Lesbarkeit leidet allerdings unter dem Anspruch der Worttreue. Wer eine möglichst dem Urtext nahe Übersetzung sucht, findet diese in der Elberfelder Bibel. Im Gegensatz zur früheren, unrevidierten Fassung findet sich bei der revidierten Elberfelder Bibel die Wiedergabe des Gottesnamens mit „Jehova“ nicht mehr. Im Jahr 2006 erschien eine neuerliche kleinere Revision, die vor allem die neue Rechtschreibung berücksichtigt.

 

3. Missionarische neuere Übersetzungen

Eine relativ neue Übersetzung kommt aus dem eher freikirchlichen Raum, die Hoffnung für alle.

Diese Bibelübersetzung ist die deutsche Fassung der englischen „Living Bible“, wurde aber aus dem Urtext übersetzt. Das Neue Testament erschien zunächst 1983, wurde dann 1987 korrigiert herausgegeben, die Psalmen erschienen 1991, die gesamte Bibel 1996. Die Hoffnung für alle wird herausgegeben vom Brunnen-Verlag in Gießen/Basel. Zielgruppe sind zum einen Jugendliche aus dem christlichen Bereich zum anderen aber Leute, die evangelistisch erreicht werden sollen und mit dem einfachen, modernen Deutsch wenig Schwierigkeiten haben. Theologische Schwächen bot die Übersetzung des Neuen Testaments an einigen Stellen im Rahmen der Briefe, vor allem hinsichtlich der Tauftheologie (Erwachsenentaufe!). Aufgrund der Kritik wurde die Hoffnung für alle bereits 2002 in einer revidierten Fassung herausgegeben, die immerhin die gröbsten Mängel behoben hat. Allerdings ist diese Übersetzung oft sehr frei und bringt immer wieder interpretierende und moralisierende Deutungen, die den Urtext schwer erkennen lassen.

Großer Beliebtheit erfreut sich die „Hoffnung für alle“ in den Freikirchen und bei evangelistischen Einrichtungen sowie bei missionarischen Veranstaltungen. Aufgrund ihres Charakters hat diese Übersetzung nichts im Evangelischen Gottesdienst verloren und ist auch für die Verwendung im Religionsunterricht nicht geeignet.

Immer wieder in Gemeinden zu finden ist die (preiswerte) Neues-Leben-Bibel, die 2002 (NT) bzw. 2005 (ganze Bibel) im Hänssler-Verlag erschienen ist. Es handelt sich um die deutsche Ausgabe der „New Living Bible“. Trotz einiger Fußnoten, die auf den Urtext verweisen, kann diese Bibelausgabe nicht verleugnen, dass sie aus dem Englischen übersetzt wurde. Theologische und sprachliche Unschärfen können die Beliebtheit im evangelikalen Raum jedoch nicht mindern.

 

4. Bibelübersetzungen für Jugendliche

Das Bemühen, die Bibel für Jugendliche zugänglich zu machen, führt immer wieder zu Übersetzungsversuchen, die letztlich jedoch die Zielgruppe nicht wirklich zu erreichen vermögen und der Bibel selbst nicht immer gerecht werden.

Als durchaus interessantes Projekt gestartet wurde die Jugendbibel BasisB, die von der Deutschen Bibelgesellschaft in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in der Bundesrepublik Deutschland e.V. und dem Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands e.V. sowie dem Bibellesebund Deutschland herausgegeben wird. Ein Nachteil ist das stückweise Erscheinen. Bisher sind lediglich das Markus-, das Matthäus- sowie das Lukasevangelium erhältlich, jeweils als Buch und CD sowie als Online-Portal mit Links zu Personen- und Sacherklärungen.

Die Übersetzung selbst unterscheidet sich jedoch kaum von der Gute-Nachricht-Bibel und bringt eigentlich nichts Neues. Es gelingt nur unzureichend, theologische Schlüsselbegriffe in moderne Sprache zu übersetzen; diese bleiben meist in der traditionellen Form und sind lediglich über den Worterklärungslink erschlossen. Von daher ist das Produkt enttäuschend, wie wohl das Online-Portal im Religionsunterricht genutzt werden kann.

www.basisbibel.de

Keine Bibelübersetzung im eigentlichen Sinn ist die VOLXBIBEL, von der 2005 das Neue Testament im „Volxbibel-Verlag“ erschienen ist; das Alte Testament ist in Vorbereitung. Ursprünglich kam diese Übersetzung aus dem evangelikalen Raum („Jesus Freaks“), der sich aber hinter dem „Volxbibel-Verlag“ etwas versteckt. Die Volxbibel versteht sich als Sprachexperiment; die Bibel wird in modernen Slang übersetzt. Weder sprachlich noch theologisch ist dieses Experiment jedoch gelungen.

Für den Religionsunterricht in Österreich ist diese Ausgabe selbst zum Zwecke der Verfremdung des Bibeltextes kaum verwendbar, da es sich um einen Slang, wie er im Ruhrgebiet gesprochen wird handelt. Wer die Verfremdung in Dialekt wünscht, mag noch zu „Da Jesus und seine Hawara“ greifen, dass wenigstens österreichischen Lokalkolorit hat!

 

5. Sonstige Übersetzungen

Aus der Fülle der Übersetzungen sollen hier einige genannt werden, die immer wieder als Ergänzung zu anderen Übersetzungen Verwendung in Gemeinden, für Predigt-/Unterrichtsvorbereitung oder die Gestaltung von Bibelgesprächen finden.

Hier ist an erster Stelle „Die Schrift“ verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig zu nennen. Diese deutsche Übersetzung der hebräischen Bibel aus den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts ist ein eindrückliches Zeugnis jüdischer Bibelübersetzung. Diese Ausgabe folgt der Reihenfolge der biblischen Bücher in der hebräischen Bibel. Sie ist nahe am hebräischen Text, jedes hebräische Wort wird mit dem gleichen deutschen Wort wiedergegeben. Der Gottesname wird durch Personalpronomen „Er“ / „Du“ wiedergegeben.

Diese anspruchsvolle Übersetzung in literarische Sprache führt nahe an den Urtext und zugleich in jüdische Spiritualität.

Sehr eigenwillig ist die Ausgabe Neues Testament und frühchristliche Schriften des nicht unumstrittenen Heidelberger Neutestamentlers Klaus Berger und seiner Frau, der Literaturwissenschaftlerin Christiane Nord, die erstmals 1999 im Insel-Verlag erschienen ist. Berger ordnet die Schriften des Neuen Testaments – und frühchristliche Schriften wie die Apostolischen Väter sowie die neutestamentlichen Apokryphen – in der nach Bergers Sicht korrekten Reihenfolge ein – älteste Schrift ist nach Berger der zweite Johannesbrief aus dem Jahre 50, ältestes Evangelium das Johannesevangelium (vor 70!). Diese Datierungen sind mit äußerster Vorsicht zu genießen. Sprachlich sind einige Stellen durchaus gelungen. Die Mischung aus biblischen und außerbiblischen Schriften ist jedoch verwirrend. Wer eine preiswerte Ausgabe frühchristlicher Schriften sucht, mag sie hier finden.

Nur das Neue Testament hat Ulrich Wilckens im Jahre 1970 übersetzt und kommentiert.

Die Bibelübersetzung von Jörg Zink, nach Vorstufen aus den 60er Jahren 1998 neu übersetzt, bringt nur eine Auswahl des Alten und das vollständige Neue Testament, ist stark persönlich geprägt und gelegentlich nacherzählend.

Sprachlich meisterhaft ist die Übersetzung der Evangelien, des Römerbriefes und der Offenbarung durch Walter Jens.

Noch immer in Gemeinden verbreitet ist die wiederholt revidierte Übersetzung mit Kommentar von Hans Bruns aus dem Jahr 1962, die stark erbaulich den Text übersetzt und interpretiert.

Die sehr worttreue Übersetzung von Hermann Menge aus dem Jahr 1926 ist unter Theologiestudierenden, die sich hier dem Urtext nähern, immer noch verbreitet.

 

(Text von Dr. Jutta Henner, Österreichische Bibelgesellschaft)