Gustav-Adolf-Feste im Zeichen des Reformationsjubiläums

Mehrere Tausend Evangelische feierten zu Fronleichnam die Gustav-Adolf-Feste. In Linz lud die Evangelische Kirche zum Kirchentag ins Stadtzentrum. Im Bild die Feier des Abendmahls am Domplatz. Foto: epd / M. Uschmann
Mehrere Tausend Evangelische feierten zu Fronleichnam die Gustav-Adolf-Feste. In Linz lud die Evangelische Kirche zum Kirchentag ins Stadtzentrum. Im Bild die Feier des Abendmahls am Domplatz. Foto: epd / M. Uschmann

Kirchentage im Zentrum von Graz und Linz – Ökumenische Akzente prägten Feierlichkeiten

Wien (epdÖ) – Im Zeichen des Reformationsjubiläums standen die diesjährigen Gustav-Adolf-Feste und Evangelischen Kirchentage am 15. Juni. Dabei wurden bemerkenswerte ökumenische Akzente gesetzt und das Gemeinsame der christlichen Kirchen in den Mittelpunkt gerückt.

An die 2000 Menschen waren auf dem Linzer Domplatz versammelt, um den Oberösterreichischen Kirchentag am 15. Juni zu feiern. Noch während des Festgottesdienstes kam die Fronleichnamsprozession mit Diözesanbischof Manfred Scheuer dazu. „Es ist das, wovon wir geträumt haben in diesem Land, gemeinsam das Reformationsjubiläum zu feiern“ – mit diesen Worten hatte der oberösterreichische Superintendent Gerold Lehner den Gottesdienst bereits eröffnet. „Mit dem Braven und Gewohnten kommen wir in der Ökumene nicht weiter, wir wollen Grenzen überschreiten und wir wollen neue Bilder schaffen.“ Bischof Scheuer und Superintendent Lehner tauschten in einem symbolischen Akt die neue Lutherübersetzung 2017 und die neue Einheitsübersetzung der Bibel aus. Es gehe nicht um eine Selbstinszenierung einer Kirche oder um konfessionelle Identität, betonte Scheuer. „Wir feiern heute Danksagung: die Danksagung der großen Gabe Gottes in seinem Sohn.“

Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger hob seine „große Freude“ hervor, dass bei dem Kirchentag das Gemeinsame gefeiert werde: „Dieses Gemeinsame ist das, wofür ich mich bei den Kirchen persönlich bedanke.“ Landeshauptmann Thomas Stelzer dankte für die gute Zusammenarbeit in Oberösterreich: „Wir haben hier ein gutes Miteinander.“ Stelzer bedankte sich bei „den vielen Gläubigen, die so vieles leisten in diesem Land, sei es in der Pflege, sei es im Bereich der Kultur oder der gelebten Nächstenliebe ihres Glaubens“.

Evangelischer Kirchentag in Graz

Gemeinsam über konfessionelle Grenzen hinweg erlebten mehr als 1000 Menschen den steirischen Kirchentag in Graz. Unter dem Motto „Du gibst meinen Schritten weiten Raum“ feierten sie in Gemeinschaft Gottesdienst, lauschten Konzerten, besuchten Ausstellungen, nahmen an Stadtführungen und am ökumenischen Festakt teil.

Sichtbar bewegt sprach Superintendent Hermann Miklas von „einem historischen Datum des Kirchentages, schon allein wegen des Ortes; die Feier findet auf dem Gelände des Minoritenklosters, eines barocken Prachtbaus, der ursprünglich als anti-protestantisches Zeichen gesetzt wurde, statt. Aber auch wegen der ökumenischen Ausrichtung und der gemeinsamen Feier der Evangelischen und Katholischen Kirche.“

Superintendentialkurator Michael Axmann eröffnete gemeinsam mit Pfarrerin Ulrike Frank-Schlamberger den Festgottesdienst. „Die Steiermark ist Vorreiter, das zeigt sich auch im gemeinschaftlichen Handeln in der gelebten Ökumene“, sagte er in seiner Ansprache. Wichtig sei es, im Dialog zu stehen, einander zuzuhören und vor allem aufeinander zuzugehen, besonders in einer Zeit, in der Menschen verbalen Provokationen und Angriffen ausgesetzt seien. Ein Höhepunkt des Festes war die Enthüllung eines Gedenksteines. Dieser wird ab Herbst den Landhaushof zieren. In seinem Grußwort unterstrich Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer die Wichtigkeit des Zusammenhalts der christlichen Kirchen und das Wohl der Menschen.

„Im entscheidenden Moment ‚Ja‘ zu ihrem Glauben gesagt“

„Gottes Wort wirkt einen neuen Anfang“, meinte Pfarrerin Birgit Lusche in ihrer Predigt beim niederösterreichischen Gustav-Adolf-Fest, das in der Toleranzgemeinde Mitterbach gefeiert wurde. Gottes Wort, so Lusche vor den rund 600 Besucherinnen und Besuchern, inspiriere zu neuen Aufbrüchen und Perspektiven. Auf diesem historischen Boden, dem Entstehungsort der Evangelischen in Niederösterreich, hätten die Vorfahren „im entscheidenden Moment ‚Ja‘ zu ihrem Glauben gesagt“, erinnerte die Pfarrerin beim Festgottesdienst, der vom 500-Jahr-Jubiläum der Reformation geprägt war. „Wie dieses Fest gefeiert wird, ist auch Ausdruck einer ganz tiefen Partnerschaft zwischen der Evangelischen Kirche und dem Land Niederösterreich, weil wir einen partnerschaftlichen und freundschaftlichen Umgang miteinander pflegen“, betonte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner in ihrem Grußwort. Die Evangelische Kirche habe für Niederösterreich eine ganz besondere Bedeutung, weil das Land auch von der evangelischen Gemeinschaft geprägt worden sei, so die Landeshauptfrau weiter. Superintendent Lars Müller-Marienburg nahm Bezug auf die „evangelischen Wurzeln“, die in der bergigen Region um Mitterbach sichtbar seien: Hier habe sich das evangelische Leben seinerzeit über sieben Generationen erhalten, ohne Pfarrer und Pfarrgemeinde.

Aufbruchsstimmung im Burgenland

„Das Erste, was das Evangelium macht, ist: Es befreit uns.“ Das sagte der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, Michael Bünker, in seiner Predigt beim burgenländischen Gustav-Adolf-Fest in Oberschützen. Im überfüllten Festzelt erinnerte der Bischof an Martin Luthers Entdeckung des Evangeliums als „mitreißende Kraft, die uns aus allen Ängsten herausruft“. Bünker forderte die GottesdienstteilnehmerInnen auf: „Springen wir mitten hinein in die Hände Gottes, die uns zum Guten befähigen!“ Die Freiheit des Evangeliums werde durch Verantwortung verwirklicht.

In seinem Grußwort betonte der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl, seine Landesregierung sei „in vielen Fragen mit der Evangelischen Kirche sehr gut abgestimmt“. Auch für die Zukunft kündigte Niessl an: „Wir werden mit beiden Kirchen eine gute Zusammenarbeit haben und für die Burgenländerinnen und Burgenländer da sein.“ Der Landeshauptmann hob das Engagement der Kirchen und zahlreicher NGOs bei der Bewältigung der Migrationsfrage hervor, erklärte aber: „Es gibt eine Grenze des Möglichen.“

Von einer „Aufbruchsstimmung in allen Gemeinden und Regionen des Landes“ sprach der burgenländische Superintendent Manfred Koch im Blick auf das Reformations-Jubiläumsjahr 2017 und meinte: „Wir werden von der Römisch-katholischen Schwesterkirche mitgetragen und unterstützt.“ Auch der Landesregierung dankte Koch für ihre Unterstützung.

Schwedische Botschafterin beim Evangelischen Kirchentag in Wien

Helen Eduards weiß, wie es ist, fremd in einem Land zu sein. Sie ist die schwedische Botschafterin in Österreich und lebt seit 2015 in Wien. Auf dem „Evangelischen Kirchentag Wien“ in der lutherischen Stadtkirche forderte die Diplomatin, Zufluchtsorte in Europa besser auszubauen und geflohene, schutzbedürftige Menschen „vollständig an der Gesellschaft teilhaben zu lassen“.

„Wir, Frauen und Männer, müssen unsere Stärken in der Gesellschaft zusammenlegen und dürfen niemanden ausschließen. Und wir müssen damit fortfahren, Inspiration von außen einzuholen“, sagte Eduards in der evangelisch-lutherischen Stadtkirche vor den rund 200 Festgästen. „Gut organisiert, ist Migration eine Quelle zum Reichtum. Es ist wichtig, dass unsere Länder, gemeinsam mit anderen, für ein System arbeiten, das Menschen auf der Flucht einen Zufluchtsort in Europa bietet.“ Die Festgemeinde unterstrich die Worte der Botschafterin mit lang anhaltendem Applaus.

Eduards war auf Einladung von Pfarrerin Ines Knoll und Pfarrer Wilfried Fussenegger in den Festgottesdienst zum „Evangelischen Kirchentag Wien“ gekommen, den die Evangelischen der Pfarrgemeinde Wien-Innere Stadt gemeinsam mit der evangelischen Schwedischen Gemeinde organisierten.

Das Gustav-Adolf-Fest der Diözese Salzburg und Tirol begann mit einem Festgottesdienst in Hallein, es predigte Oberkirchenrätin Ingrid Bachler. Zu dem Gottesdienst, der musikalisch vom Chor der evangelischen Kirche Hallein gestaltet wurde, konnte Landeshauptmann Wilfried Haslauer begrüßt werden. Die Clownin Petra Riffel, Volkstanz, ein offenes Singen und vielfältige Angebote für Kinder prägten das Nachmittagsprogramm. Den Abschluss bildete eine ökumenische Andacht mit Erzbischof Franz Lackner.

Das Kärntner Gustav-Adolf-Fest fand heuer in Ferndorf statt. Höhepunkt des diesjährigen Festes war die Uraufführung des Theaterstücks „Hundskirche“ von Peter Wassertheurer. In dem Stück geht es um die Geschichte der Protestanten in Kärnten. Es stehe „für religiöse Toleranz, das Festhalten am eigenen Glauben und das Recht auf Gewissensfreiheit im historischen Umfeld des Geheimprotestantismus des 18. Jahrhunderts“, so der Autor.

Fotos vom Oberösterreichischen Kirchentag finden Sie hier.

ISSN 2222-2464