NGOs fordern höheres Budget für humanitäre Hilfe

Eine Verdreifachung des Auslandskatastrophenhilfefonds forderten die NGOs in der Wiener Innenstadt. Foto: AG Globale Verantwortung
Eine Verdreifachung des Auslandskatastrophenhilfefonds forderten die NGOs in der Wiener Innenstadt. Foto: AG Globale Verantwortung

Parteien bekommen dreimal mehr Geld als Auslandskatastrophenfonds

Wien (epdÖ) – Österreichs Hilfsorganisationen appellieren an die politisch Verantwortlichen, endlich die Budgetmittel für die humanitäre Hilfe deutlich zu erhöhen. 2018 betrugen diese lediglich 23 Millionen Euro. „Die nächste Bundesregierung muss im Regierungsprogramm die Mittel des Auslandskatastrophenfonds auf 60 Millionen erhöhen“, sagte Anneliese Vilim, Geschäftsführerin der AG Globale Verantwortung, am Montag, 19. August, bei einem gemeinsamen Pressetermin von NGOs in Wien. Die AG ist der Dachverband von 35 humanitären und entwicklungspolitischen Organisationen. Anlass für die Forderungen der Hilfsorganisationen war der Welttag der humanitären Hilfe 19. August.

Wie gering die Mittel der heimischen Bundesregierung ausfielen, verdeutlichten Vilim und weitere Vertreter der NGOs mit einem Vergleich: Die Ausgaben der Bundesregierung für Werbung betrugen im vergangenen Jahr 45 Millionen Euro und damit fast das Doppelte der humanitären Hilfe. Für Parteienfinanzierung wurde zudem beinahe das Dreifache (62 Millionen Euro) aufgewendet, so Michael Bubik von der Diakonie.

Wenig Geld, großer Unterschied

Rund 142 Millionen Menschen seien weltweit auf humanitäre Hilfe angewiesen, sagte Sabine Wartha von der Caritas Österreich. Die Katastrophen würden sich häufen und auch immer länger dauern. Als Beispiel nannte die Caritas-Expertin den Syrien-Krieg. Mehr als zehn Millionen Syrier seien auf humanitäre Hilfe angewiesen. Der Krieg dauere bereits acht Jahre. Nicht weniger dramatisch seien die vom Klimawandel hervorgerufenen Klimakatastrophen. Wartha: „Da sind etwa jene Menschen, die durch den Zyklon Idai in Mosambik ihre Lebensgrundlage verloren haben. Diejenigen, die den Klimawandel am wenigsten verursacht haben, leiden am meisten darunter.“ Schon zehn Euro reichten, um ein Kind im Kongo einen Monat lang zu ernähren: „Deshalb macht es einen großen Unterschied, ob Österreich 20 oder 60 Millionen Euro für humanitäre Hilfe ausgibt.“

Kein Thema im Wahlkampf

Andrea Barschdorf-Hager von Care Österreich wies darauf hin, dass andere Länder wesentlich mehr humanitäre Hilfe leisteten als Österreich. Die Schweiz habe 2018 etwa 293 Millionen Euro bereitgestellt, Dänemark 304 Millionen und Deutschland gar zwei Milliarden. Barschdorf-Hager kritisierte, dass im beginnenden Wahlkampf kein einziger Politiker das Thema humanitäre Hilfe aufgreife. „Machen Sie die humanitäre Hilfe endlich zum Thema!“, so ihr Appell an die Politik.

„Es gibt nur eines, das besser ist, als nach Katastrophen zu helfen: sie zu verhindern. Daher brauchen wir nicht nur mehr Mittel für die Katastrophenhilfe, sondern auch Mittel für Vorsorgemaßnahmen“, sagte Walter Hajek, Leiter der Internationalen Zusammenarbeit beim Österreichischen Roten Kreuz. „Wir wissen, dass aufgrund des Klimawandels wetterbedingte Katastrophen häufiger auftreten. Durch Vorsorgemaßnahmen – wie Hangverbauungen, Evakuierungspläne oder Frühwarnsysteme – können wir die Auswirkungen solcher Phänomene reduzieren.“ Sinnvoll wäre daher ein Fonds, aus dem Projekte zur Katastrophenvorsorge finanziert werden, analog zum Auslandskatastrophenfonds. Das sei nicht nur aus humanitärer Sicht wichtig, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Hilfsmaßnahmen würden nämlich das vier- bis achtfache von Prävention kosten, so Hajek.

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ISSN 2222-2464