Dantine: Kirchen gegen Antisemitismus und Menschenverachtung

Die "Halle der Namen" in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Foto: wikimedia/Adam Jones/cc-by-sa-2.0
Die "Halle der Namen" in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Foto: wikimedia/Adam Jones/cc-by-sa-2.0

Tiroler Delegation auf Gedenkreise in Israel

Jerusalem/Tel Aviv/Innsbruck (epdÖ) – Den gemeinsamen Auftrag von Gesellschaft und Kirchen, gegen Antisemitismus und Menschenverachtung aufzutreten, hat der Superintendent der evangelischen Diözese Salzburg und Tirol, Olivier Dantine, unterstrichen. Dantine hatte sich im Rahmen einer Gedenkreise mit einer offiziellen Delegation des Landes Tirol von 6. bis 9. November in Israel aufgehalten. Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst hob der Superintendent besonders den Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hervor. Die Gedenkstätte, so Dantine, versuche die historischen Fakten mit dem Erzählen persönlicher Schicksale zu verbinden: „Es gelingt so, dass Besucherinnen und Besucher berührt und bewegt werden. Aus diesem Gedenken erwächst der Auftrag, sich für eine Gesellschaft einzusetzen, die gegen Antisemitismus und Menschenverachtung auftritt. Ein Auftrag, der mit vielen anderen gesellschaftlichen Kräften auch den Kirchen gilt.“ Weitere Mitglieder der Delegation waren der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter, Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann, Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe, der römisch-katholische Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler und der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg, Günther Lieder.

„Christlicher Antijudaismus ist Abschneiden von der eigenen Wurzel“

Die Begegnung mit österreichischen Vertriebenen und Shoah-Überlebenden schildert Dantine als berührend. Der „herzliche Empfang“ der der Delegation bereitet worden sei, „ist für mich ein großes Geschenk und Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung“. In den direkten Gesprächen sei „keinerlei Groll zu spüren“ gewesen. Der Superintendent erinnert auch an die gemeinsamen Wurzeln von Judentum und Christentum. Als Christ seien diese Wurzeln in Jerusalem besonders deutlich zu spüren: „Christlicher Antijudaismus als eine der Ursachen für den Antisemitismus, und damit der Shoah, ist somit ein Abschneiden von der eigenen Wurzel.“

Glettler: „Kritisches Hinschauen auf die Gegenwart“

Der römisch-katholische Diözesanbischof Hermann Glettler hatte die gemeinsame Reise von Politik und Religionsgemeinschaften gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur Kathpress als positives Zeichen gewertet: „Das macht deutlich, dass wir uns gemeinsam für eine Gesellschaft einsetzen, die mit Pluralität umzugehen weiß und sich dem Frieden verpflichtet fühlt.“ Glettler unterstrich die Notwendigkeit, sich die Ereignisse von vor 80 Jahren immer wieder ins Gedächtnis zu rufen und die Ursachen und Entwicklungen zu bedenken, die zum Novemberpogrom und dem anschließenden Holocaust führten. „Es ist eine Reise zum Nachdenken und Bedenken der Vergangenheit, genauso aber auch ein kritisches Hinschauen auf die Gegenwart, in der es gefährliche Tendenzen von Polarisierungen gibt“, so Glettler.

Neben Yad Vashem und der Altstadt von Jerusalem standen bei der Reise unter anderem auch das Peres Center for Peace in Tel Aviv, ein Besuch am Grab des Zionisten Theodor Herzl sowie ein Gottesdienst in der Kapelle des Österreichischen Hospiz am Programm.

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ISSN 2222-2464