VEPPÖ: Schumann will Debatte über PfarrerInnen-Arbeitszeit

Auch wenn die Zahl der PfarrerInnen rückläufig sei dürfe das nicht mehr Arbeit für die geistlichen AmtsträgerInnen bedeuten, so VEPPÖ-Obmann Schumann. Foto: pixnio
Auch wenn die Zahl der PfarrerInnen rückläufig sei dürfe das nicht mehr Arbeit für die geistlichen AmtsträgerInnen bedeuten, so VEPPÖ-Obmann Schumann. Foto: pixnio

Arbeit müsse in Einklang mit Familienleben stehen

Keutschach (epdÖ) – Anlässlich der im Frühsommer beschlossenen Ausdehnung der gesetzlich möglichen Arbeitszeit auf 12 Stunden pro Tag hat der Obmann des Vereins evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Österreich (VEPPÖ), Stefan Schumann, eine Diskussion über Arbeitszeitregelungen für PfarrerInnen eingefordert. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung des VEPPÖ in Keutschach (Kärnten) meinte Schumann am Dienstagabend, 28. August: „Gerade junge Kolleginnen und Kollegen sind nicht mehr bereit, eine Arbeitszeitstruktur zu leben und zu akzeptieren, die nicht in Einklang mit einem notwendigen Familienleben zu bringen ist.“ Die Frage der Arbeitszeit müsse vor dem Hintergrund eines Wandels im Berufsbild der Pfarrerin und des Pfarrers betrachtet werden, die „nicht zuletzt auch dadurch bedingt ist, dass wir immer weniger werden und so immer größere Verantwortungsbereiche entstehen.“

„Wunsch und Möglichkeit zusammenführen“

Schumann verweist auf Ansätze aus Deutschland, wo die rheinische Landeskirche unter dem Titel „Zeit fürs Wesentliche“ Überlegungen zum Umgang mit diesem Wandel angestellt haben: „Arbeitszeitregelungen werden überlegt, angeregt wird, mit den Gemeinden Begrenzungen zu suchen, Stellenausschreibungen nicht als Wunschzettel zu verstehen. Gemeinden und PfarrerInnen sind aufgerufen, zu ordnen, zu sichten und zu gewichten, um so Wunsch und Möglichkeit zusammenzuführen.“ Ein Rückgang in der Gesamtzahl der PfarrerInnen – auch durch vermehrte Pensionierungen – dürfe nicht noch mehr Arbeit bedeuten, da dies eine negative Kettenreaktion zur Folge hätte. Vielmehr gelte es, Aufgabenbereiche aufzugeben oder Umorganisationen durchzuführen.

PfarrerInnenausbildung: Zwei Master fordern neue Berufswirklichkeit

Ein weiterer Kritikpunkt Schumanns betrifft die neu universitären Regelungen, nach der jede Person, die zum Vikariat zugelassen werden will, ein Theologie- und ein Religionspädagogikstudium nachweisen muss. „Zwei Master, eine Ausbildungsdauer von realistisch insgesamt zehn bis zwölf Jahren, fordern eine Berufswirklichkeit, die sich eben nicht nur damit beruhigt, dass es sich sowieso um den schönsten Beruf der Welt handelt, sondern die existentielle Absicherung immer im Auge behält und die Frage nach der Familienfreundlichkeit zum Hauptthema der nächsten Zeit werden lässt.“ An die Kirchenleitung und die kirchlichen Gremien appelliert Schumann, „sich partnerschaftlich den verschiedenen Fragestellungen gemeinsam mit uns“ zu widmen.

Stefan Schumann ist Leiter des Evangelischen Studentenheimes Wilhelm-Dantine-Haus in Wien, Verantwortlicher für die Künstler-, Circus und Schaustellerseelsorge und seit 1998 Obmann des VEPPÖ.

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ISSN 2222-2464