Synode gibt Naßwalder Modell als Diskussionsgrundlage für die Gemeinden frei

Grundlegende Änderung der gesamten kirchlichen Aufbauorganisation

Wien (epd Ö) – Über mehrere Stunden kontrovers diskutiert hat die Synode A.B. am 30. Oktober das so genannte Naßwalder Modell, das weitgehende strukturelle Veränderungen in der lutherischen Kirche Österreichs vorschlägt. Mit den abschließenden Anträgen haben die Mitglieder der Synode das Naßwalder Modell allen Superintendentialgemeinden, Pfarrgemeinden und Werken der Evangelischen Kirche A.B. als Diskussionsgrundlage freigegeben. Stellungnahmen zu dem Strukturentwicklungsmodell sollen bis zum 31. Oktober 2008 an das Synodenbüro übermittelt werden. Im ursprünglichen Antrag war diese Frist mit 31. Mai 2008 fixiert gewesen. Abgelehnt wurde ein Antrag, das Naßwalder Modell zu überarbeiten, ebenso fand der Antrag, auch andere Kirchenentwicklungsmodelle zu beraten, keine Mehrheit.

 

Nabelschau oder optimale Sicherstellung für Verkündigung

 

„Auch wenn wir kleiner werden, haben wir den Auftrag zu wachsen“, betonte Synodenpräsident Dr. Peter Krömer zu Beginn der Verhandlungen. Es gehe darum, „optimal“ sicherzustellen, dass das Wort Gottes verkündet werde. Strukturfragen in der Kirche müssten „von der Kirche getragen werden“. Der Kärntner Superintendent Mag. Manfred Sauer hielt dagegen, dass das Naßwalder Modell eine „Nabelschau“ sei, die zu einem „massiven Angriff auf das presbyterial-synodale Modell führt, auf das wir so stolz sind“. Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker: „Gestaltung ist eine ständige Aufgabe der Evangelischen Kirchen, und es herrscht Konsens, dass wir nicht mehr nichts tun können.“ Der designierte Bischof betonte, dass „wir derzeit nicht sehr gut synchronisiert sind. Daher ist es mein Anliegen, dass es für das Naßwalder Modell als Diskussionsgrundlage für die Gemeinden grünes Licht gibt.“ Die vorliegende Problematik sei nicht durch eine „neue Struktur zu lösen“, erklärte die geistliche Oberkirchenrätin Dr. Hannelore Reiner. „Wenn das Naßwalder Modell zehn Referate im Kirchenamt vorsieht, muss auch über die Finanzierung gesprochen werden.“ Das geschehe aber nicht im Naßwalder Modell. „Wir brauchen ein Instrument um die geistliche Situation unserer Kirche wahrzunehmen, zu beurteilen und auch danach zu handeln“, gab Bischof Mag. Herwig Sturm zu bedenken. Das Naßwalder Modell biete dafür „geeignete Ansätze“.

 

Kirchenversammlung statt Synode

 

Das Naßwalder Modell ist der Synode A.B. von der Projektgruppe Kirchenentwicklung als Zwischenbericht vorgelegt worden. Es handelt sich dabei um eine grundlegende Änderung der gesamten kirchlichen Aufbauorganisation. So soll der Oberkirchenrat etwa durch einen Bischofsrat und einen Synodalrat ersetzt werden, die Synode weicht einer Kirchenversammlung. Diese Kirchenversammlung setzt sich aus je zwei Abgeordneten aus den Pfarrgemeinden zusammen. Die Projektgruppe Kirchenentwicklung hat den Auftrag, den Gesamtprozess von Offen Evangelisch II zu koordinieren und zu steuern. Diese Projektgruppe soll auch Konsequenzen und Änderungsvorschläge, die aus den Ergebnissen der fünf Projektgruppen entstehen, erarbeiten. Dies ist mit dem Naßwalder Modell geschehen.

Offen Evangelisch II ist die Organisationsentwicklung der Evangelischen Kirche in Österreich seit 2005.

ISSN 2222-2464