Philosophin Baatz: „Es geht um das Ankommen in der Gegenwart“

Künstlerisch gestaltet wurde die Ausstellung in Fresach von Gregor Esra Sauer. Foto: evang Forum Fresach
Künstlerisch gestaltet wurde die Ausstellung in Fresach von Gregor Esra Sauer. Foto: evang Forum Fresach

Sonderausstellung „Paradise Lost“ in Fresach eröffnet

Fresach (epdÖ) – Auf die Suche nach dem verlorenen Paradies begibt sich das Kärntner Evangelische Diözesanmuseum in Fresach. Am Samstag, 28. April, wurde die aktuelle Sonderausstellung „Paradise Lost – Vom Reisen, Glauben und Suchen“ feierlich eröffnet.

Reisen – freiwillig oder unfreiwillig?

„Die Sehnsucht, hinter den Horizont zu wandern und zu schauen, was ‚hinter den Bergen liegt‘, ist vermutlich so alt wie das Menschengeschlecht“, konstatierte die Philosophin und langjährige Ö1-Redakteurin Ursula Baatz in ihrer Festansprache zur Ausstellungseröffnung. Über erste Ausbreitungsbewegungen des Homo Sapiens aus Afrika schlug Baatz den Bogen zu heutigen Migrationsströmen: „UN-Statistiken zeigen: 250 Millionen Menschen leben nicht in dem Land, in dem sie geboren wurden. 150 Millionen sind Arbeitsmigranten und rund 22 Millionen Menschen sind Flüchtlinge.“ Im Unterschied zu ihnen reisten 1,3 Milliarden Menschen pro Jahr freiwillig: als TouristInnen. Den Massentourismus sieht Baatz durchaus kritisch: „Aufbrüche ins Unbekannte sind die Sache der Touristen nicht.“ Einem regelrechten Aufbruch käme eine Pilgerwanderung schon näher.

„Schwierigkeiten mit Gott und den Menschen sind Teil des Weges“

Letztlich sei aber das ganze Leben eine Reise „zu dauernder Glückseligkeit“; aus der Tradition verweist Baatz dabei auf das Beispiel des biblischen Abraham: „Kein Reiseführer beschreibt ihm vorweg, wo er hingehen muss. Schwierigkeiten mit Gott und den Menschen sind Teil des Weges. Es geht nicht um das Ankommen in einer vorgestellten Zukunft, sondern um die Bewegung des Gehens und das Ankommen in einer Gegenwart, die aus der Unendlichkeit erwächst.“

Kuratiert wurde die Ausstellung von Alexander Hanisch-Wolfram und Anita Ernst, die Gestaltung verantwortet Gregor Esra Sauer. Am Sonntag, 6. Mai (15.30 Uhr), bietet Kuratorin Anita Ernst eine Themenführung unter dem Titel „Frauen auf Reisen“ durch das Museum. Im Anschluss referiert die Kultur- und Sozialanthropologin Gabriele Habinger über die Geschichte reisender Europäerinnen im 19. Jahrhundert.

Informationen zu Öffnungszeiten und Preisen unter www.evangforumfresach.at

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ISSN 2222-2464