Meyer: „Vertreibungspolitik schafft neue Probleme“

Deutliche Kritik am Umgang der vorarlbergerischen Behörden mit den Roma übt der Pfarrer von Dornbirn Michael Meyer. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)
Deutliche Kritik am Umgang der vorarlbergerischen Behörden mit den Roma übt der Pfarrer von Dornbirn Michael Meyer. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)

Vorarlberger Städte wollen keine neuen Roma-Lager mehr dulden

In einer gemeinsamen Erklärung haben in der vergangenen Woche die Bürgermeister der fünf Vorarlberger Städte Bregenz, Dornbirn, Feldkirch, Hohenems und Bludenz angekündigt, keine weiteren Zeltlager von Roma-Familien mehr zu dulden. Man werde „umgehend reagieren“, sollten innerhalb ihrer Gemeindegrenzen neue Lager errichtet werden, so die Stadtchefs. Am Montag hat die Stadt Dornbirn die wilden Zeltlager an der Dornbirner Ach geräumt und sich kompromisslos gezeigt. „Sie werden gehen müssen“, sagte Bürgermeisterin Andrea Kaufmann. Auf heftige Kritik stößt diese Politik beim Dornbirner Pfarrer Michael Meyer: „Wir erleben eine Vertreibungspolitik, die neue Probleme schafft, denn die Menschen wissen nicht, wohin. Die Adresse in ihrem EU-Pass ist doch nur in den seltensten Fällen eine Wohnanschrift!“ Meyer teilt die Ansicht, wonach die Zustände rund um die Zelte an der Dornbirner Ach unhaltbar sind. „Aber warum wird nicht mit Caritas, Volkshilfe, Rotem Kreuz und Roma-Vereinen zuerst Kontakt aufgenommen, um dann ein soziales und humanitäres Vorgehen vorzubereiten? Stattdessen wird vom Bauhof der Stadt geräumt.“

Meyer zeigte sich darüber hinaus erschüttert, wie auf der offiziellen Homepage der Stadt Dornbirn über die Roma berichtet wird. „Wohnungslose werden hier nur aus dem Blickwinkel der Polizei als verdächtig, kriminell, unbotmäßig und vermüllt dargestellt.“ Notwendiger aber sei, nach den Gründen zu fragen, warum diese Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Und der Pfarrer betont: „Wer empfiehlt, Bettlern nichts mehr zu geben, sondern nur Hilfseinrichtungen in Rumänien zu unterstützen, verweigert den Menschen das Recht auf Betteln. Denn die Menschen leben von dem, was sie im Becher haben! Es handelt sich also um eine Menschenrechtsverletzung.“

ISSN 2222-2464