Kirchliche Pädagogische Hochschule zieht mehr Studierende an

Rektorin Greiner: „Sind an Wendepunkt“ – Vizerektorin Miklas: Beruf des/der Religionslehrers/in “hoch anspruchsvoll und hoch attraktiv”

Wien (epd Ö) – Immer mehr Studierende interessieren sich für eine Ausbildung an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien/Krems. Dort verzeichnet man einen enormen Zuwachs bei den Voranmeldungen: Im Vergleich zum Studienjahr 2008/09 haben sich bisher um 80 Prozent mehr Personen für ein Studium zum Lehrer bzw. zur Lehrerin für Volks-, Sonder-, Haupt- oder Polytechnische Schule angemeldet, so Vizerektor Thomas Müller am Mittwoch, 2. September, bei einer Pressekonferenz in Wien. Nach 640 Voranmeldungen im Vorjahr gibt es heuer bereits mehr als 1000. Derzeit absolvieren an der größten privaten pädagogischen Hochschule Österreichs 1600 Studierende ihre Erstausbildung, weitere 9000 nutzen die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Drei Jahre nach ihrer Gründung befindet sich die KPH laut Rektorin Ulrike Greiner „an einem Wendepunkt“: Die „schwere Aufbauarbeit“ der Hochschule – ein von katholischer, evangelischer, orthodoxer und altkatholischer Kirche betriebener Zusammenschluss von acht ehemaligen Pädagogischen Akademien und Instituten – sei abgeschlossen. Durch ihren ökumenischen Charakter sei die KPH “einzigartig in Europa”. Schließlich ist die KPH auch für die Ausbildung der ReligionslehrerInnen der einzelnen Kirchen zuständig.

Von ihren Vorgängerinstitutionen beginne sich die KPH bereits „ganz stark zu unterscheiden“, betonte der Vizerektor für Ausbildung, Christian Matzka. Durch die neuen modularen Studienpläne seien die Lehrenden gezwungen, sich abzustimmen und darauf hinzuarbeiten, dass die Studierenden bestimmte Kompetenzen erreichen. Von den Studierenden werde unterdessen aufgrund der Bologna-Struktur deutlich mehr Eigenverantwortung gefordert. Zwischen 2009 und 2012 werde sich die KPH auf den Ausbau von Kooperationen und Vernetzung mit anderen Hochschulen und Universitäten konzentrieren und versuchen, auf die „ganz anderen Vorstellungen der Lehrerstudierenden“ zu reagieren, kündigte Greiner an.

Matzka plädierte beim Pressegespräch für eine „Klimaänderung“ im Bereich der Bildung in Österreich. Von allen gesellschaftlichen Kräften müsse Bildung wieder als „hohes Gut“ angesehen werden, zu dem alle Zugang haben sollen. Auch unter Jugendlichen sollte es nicht länger als „cool“ gelten, schulischen Minimalaufwand zu betreiben, sagte Matzka. In der heutigen Situation brauche es Lehrerpersönlichkeiten, die mit dem nötigen Fachwissen als Basis auch viele andere Kompetenzen im Bereich der Menschenführung und der Organisation mitbrächten. Lehrer und Lehrerinnen hätten eine große Verantwortung, so der Bildungs-Fachmann: „Wir machen ja Menschen kaputt, wenn wir nicht aufpassen.“

Dass gerade der Beruf des Religionslehrers bzw. der Religonslehrerin aufgeschlossene und konfliktfähige Lehrerpersönlichkeiten brauche, unterstrich die u.a. für die Ausbildung der evangelischen ReligionslehrerInnen und für Forschung zuständige Vizerektorin Helene Miklas. Obwohl sich hier die Zahl der Interessenten für den Religionsunterricht insgesamt verdoppelt habe, “brauchen wir dringend Studierende”, so Miklas. Die Ausbildung in der ökumenischen KPH verstecke Differenzen zwischen den Kirchen nicht, sondern artikuliere sie. Den Beruf des Religionslehrers bzw. der Religionslehrerin bezeichnete Miklas als “hoch anspruchsvoll und hoch attraktiv”.

ISSN 2222-2464