Fresach: Sonderausstellung zu Migration und Flucht

Mit der Ausstellung in Fresach möchte man Verständnis für Menschen auf der Flucht schaffen, betont Superintendent Manfred Sauer. Darüber hinaus soll an den christlichen Auftrag erinnert werden, Menschen auf der Flucht zu helfen und mit ihnen zu teilen. (Foto: Kleine Zeitung/H. Weichselbraun)
Mit der Ausstellung in Fresach möchte man Verständnis für Menschen auf der Flucht schaffen, betont Superintendent Manfred Sauer. Darüber hinaus soll an den christlichen Auftrag erinnert werden, Menschen auf der Flucht zu helfen und mit ihnen zu teilen. (Foto: Kleine Zeitung/H. Weichselbraun)

Migration hat Leben der österreichischen ProtestantInnen entscheidend mitbestimmt

Fresach (epdÖ) – „Zuflucht – Migration in unserer Geschichte“ lautet der Titel der Sonderausstellung 2016 im Evangelischen Diözesanmuseum in Fresach. Am 29. April wurde sie unter Anwesenheit des Kärntner Superintendenten Manfred Sauer, der Journalistin Susanne Scholl und des syrischen Künstlers Thaer Maarouf u.a. feierlich eröffnet. Über 250 Besucherinnen und Besucher waren zur Eröffnung in das Kärntner Bergdorf gekommen, „ein überwältigender Erfolg“, freut sich die Geschäftsführerin des Diözesanmuseums, Hilde Schaumberger.

„Das Neue Museum in Fresach ist etwas Besonderes – es ist ein Haus, in dem Vergangenheit und Gegenwart sich in die Augen schauen, wo Geschichte sich mit Zukunft verbindet. Wo die vergangenen Jahrhunderte gemeinsam mit dem Jetzt einhergehen. Wo ausgeliehene besondere Exponate zu sehen sind und Kunstwerke entstehen“, betont Schaumberger. Die Gestalterin der Ausstellung, Nicoletta Hibler, hat den aus Syrien stammenden Künstler Thaer Maarouf nach Fresach geholt, der für die Ausstellung eigene Werke geschaffen hat. „Damit stellt unser Museum einen besonderen künstlerischen Kontrapunkt zu den historischen Exponaten her“, ist Schaumberger überzeugt. Die Ausstellung soll, so die Geschäftsführerin, auch eine gesellschaftspolitische Aussage transportieren und Geschichte „als Grundlage unseres Denkens, als Grundlage für morgen, als Grundlage für eine gesellschaftspolitischen Diskussion“ nützen.

„Migration hat das (Glaubens-)Leben der Kärntner und österreichischen ProtestantInnen über lange Zeit entscheidend mitbestimmt“, heißt es in einem Pressetext zur Ausstellung. Das Thema wolle deutlichmachen, „dass es auch in unserer Geschichte immer wieder schmerzliche Erfahrungen von Flucht und Vertreibung gegeben hat“, erklärt Superintendent Sauer gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. „Nach einer Welle der Hilfsbereitschaft erleben wir momentan Angst, Unsicherheit und Überforderung. Die Regierungsverantwortlichen in Österreich, aber auch in unseren Nachbarländern forcieren einen Kurs des Abschottens und Dichtmachens. Nach dem langen und mühsamen Weg der Öffnung werden nun neue Zäune und Mauern errichtet – damit können und dürfen wir uns nicht abfinden.“

Mit der Ausstellung möchte man Verständnis für Menschen auf der Flucht schaffen, so Sauer weiter. Darüber hinaus solle an den christlichen Auftrag erinnert werden, Menschen auf der Flucht zu helfen und mit ihnen zu teilen. Kritik übt der Superintendent an der europäischen Flüchtlingspolitik: „Die europäischen Staaten haben es bislang nicht geschafft, mit vereinten Kräften und solidarischem Handeln tausenden Menschen, die nach wie vor aus den Kriegsgebieten Syriens und aus anderen Regionen des Nahen Ostens vor Krieg und Terror fliehen, Aufnahme zu gewähren und eine Zukunftschance zu bieten.“

Im Pressetext zur Ausstellung wird daran erinnert, dass die Schau bereits vor vielen Jahren geplant worden sei. Die Aktualität und Brisanz der Sonderausstellung zum Thema Migration und Flüchtlinge habe keiner der Organisatoren voraussehen können. Neben der Sonderausstellung kann auch die Dauerausstellung „Evangelische Spuren – Protestantisches Leben in Kärnten“ besucht werden, die eindrucksvolle Zeugnisse des evangelischen Glaubenslebens von der Reformation bis in die Gegenwart präsentiert.

Weitere Informationen zur Ausstellung, die bis 31. Oktober 2016 zu sehen ist, finden Sie unter www.evangelischeskulturzentrum.at

ISSN 2222-2464