Frauen der Reformationszeit bekannter machen

Katharina von Bora - eine der zentralen Frauengestalten der Reformation.
Katharina von Bora - eine der zentralen Frauengestalten der Reformation.

Symposium zum Thema „Frauen – Reformation – Bildung“

Wien (epdÖ) – Den Blick auf die weibliche Identität des Protestantismus werfen, auch und gerade im Hinblick auf das Reformationsjubiläum 2017, war Ziel eines internationalen Symposiums in Wien zum Thema „Frauen-Reformation-Bildung“, das im Rahmen der diesjährigen Evangelischen Woche in Wien stattfand. Vom 19. bis zum 20. September trafen sich im Wiener Albert Schweitzer Haus international renommierte Vortragende aus Theologie sowie Geistes- und Naturwissenschaften, um sich bei Vorträgen, Diskussionen sowie Workshops auszutauschen.

Für eine intensivere Reflexion des Begriffs Bildung an sich sprach sich die Bildungswissenschafterin Elisabeth Sattler in ihrem Vortrag zum Thema „Bildung. Von historischen Rückbindungen und aktuellen Perspektiven“ aus. Schon Luther hätte niemals den Terminus Bildung verwendet, sondern immer nur von Erziehung gesprochen, wodurch er eine gewisse Zweckorientiertheit erzeugt hätte. Durch die Folgen der Reformation hätte zwar eine deutlich breitere Bevölkerungsschicht Zugang zu Bildung erhalten, Frauen aber nicht im selben Ausmaß wie Männer, konstatierte Sattler.

Auch die deutsche Philosophin Cornelia Klinger ortete in ihrem Vortrag mit dem Titel „Freiheit-Liebe-Bildung. Die drei Säulen moderner Individualität und ihre Herkunft aus der protestantischen Ethik“ einen deutlichen Paradigmenwechsel. Durch die Reformation wäre mit der freien Wahl der Religion oder Konfession die erste bürgerliche Freiheit geschaffen worden, wenn auch das Prinzip „cuius regio“ natürlich noch lange Zeit vorherrschend blieb. Auf den heutigen Zustand des Bildungswesens angesprochen zeigte sich Klinger skeptisch. Der neoliberale Bildungsbegriff definiere Bildung nicht als Privileg, sondern als Verpflichtung. Dies sei per se zwar nichts Schlechtes, wer allerdings aus verschiedenen Umständen, seien sie sozialer oder anderer Natur, nicht ausreichend am Bildungswesen partizipieren könne, würde schnell durch die Maschen des Arbeitsmarktes fallen.

Das Symposium wurde von der Evangelischen Akademie Wien veranstaltet. Mit dem Projekt Frauen und Reformation möchte die Evangelische Akademie prozesshaft bis 2017, dem 500. Jubiläum des Beginns der kirchlichen Erneuerungsbewegung, einerseits wenig bekannte Frauen der Reformationszeit einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen und andererseits Fragen der Gegenwart und Zukunft diskutieren, betonte Akademie-Direktorin Kirsten Beuth. Die nächste Tagung findet 2016 zum Thema „Staat – Kirche – Gesellschaft“ statt.

Weitere Informationen zum Projekt „Frauen und Reformation“ finden Sie auf der Website: www.frauenundreformation2017.at

ISSN 2222-2464