Bünker und Hennefeld verurteilen atomares Wettrüsten

Das Friedensdenkmal in Hiroshima erinnert an den Atombombenabwurf am 6. August 1945. (Foto: Pixabay)
Das Friedensdenkmal in Hiroshima erinnert an den Atombombenabwurf am 6. August 1945. (Foto: Pixabay)

Hiroshima-Gedenken im Zeichen einer neuen UN-Konvention gegen Atomwaffen

Wien (epdÖ) – Mit Gedenkveranstaltungen wird rund um den 6. August der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945 gedacht. Bei den Abwürfen der Atombomben auf die beiden japanischen Städte starben am 6. und 9. August 1945 rund 300.000 Menschen. Zahlreiche Persönlichkeiten, darunter auch kirchliche Vertreter, wandten sich bereits im Vorfeld in Grußadressen an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkveranstaltungen.

„Atomwaffen müssen endlich geächtet und verboten werden!“, schreibt Bischof Michael Bünker in seinem Grußwort. Und erinnert an einen historischen Beschluss, der vor wenigen Wochen gefällt wurde: „122 Staaten haben Anfang Juli den ersten Schritt gesetzt: Sie haben im Rahmen der UNO ein umfassendes Atomwaffenverbot beschlossen, dem die Staaten ab dem 20. September beitreten können. Ab dem 50. Staat, der das Abkommen ratifiziert, tritt er völkerrechtlich verbindlich in Kraft.“ Dass dieses Abkommen zustandegekommen sei, sei unter anderem ein Verdienst der österreichischen Außenpolitik, die als Initiatorin federführend gewesen sei. Bedauerlich sei es hingegen, dass Atommächte wie die USA, Großbritannien, Frankreich oder Russland an den Verhandlungen erst gar nicht teilgenommen haben.

„Besonders enttäuschend ist, dass manche NATO-Mitglieder, etwa Deutschland, diese Position übernommen haben. Damit haben sie eine wichtige Chance verpasst, ein deutliches Zeichen zu setzen. So kritisierte die Evangelische Kirche in Deutschland die eigene Regierung. Der Weltkirchenrat in Genf hat den Abschluss des Vertrages mit großer Überzeugung begrüßt“, betont Bünker, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist. Aufgabe der Kirche sei es jedenfalls, gegen atomares Wettrüsten die Stimme zu erheben. „Wir sind es den Opfern von Hiroshima und Nagasaki schuldig, den Menschen in den ärmeren Ländern, die die Folgen des neuen Wettrüstens jetzt schon zu spüren bekommen, und vor allem unseren Nachkommen. Sie haben ein Recht auf eine Welt ohne biologische, chemische und atomare Waffen“, so Bünker.

„Es ist ein Irrglaube zu meinen, dass es verantwortungsbewusste und verantwortungslose Atommächte gibt. Sie alle sind potentielle Massenmörder. Als Christen können wir die atomare Nutzung nur entschieden ablehnen“, unterstreicht Landessuperintendent Thomas Hennefeld in seinem Grußwort. „Während Regierungen fieberhaft daran arbeiten, die Sicherheit zu erhöhen, und dabei demokratische Strukturen immer weiter aushöhlen, bleibt die Sicherheitslage in Bezug auf militärische, aber auch zivile Atomnutzung prekär.“ Deutliche Kritik übt Hennefeld, der auch Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) ist, am Verhalten der Atommächte beim Zustandekommen der UNO-Konvention.

„Als Christen können wir die atomare Nutzung nur entschieden ablehnen. Es ist allen Organisationen zu danken, die sich unermüdlich für eine atomwaffenfreie Welt einsetzen. Es kann gar nicht oft genug wiederholt werden, dass durch Atomwaffen die gesamte Menschheit, ja der ganze Planet Erde bedroht ist und in wenigen Sekunden ausgelöscht werden kann. Diese Warnung soll sich ins Gedächtnis der Menschheit einbrennen“, schreibt Landessuperintendent Hennefeld.

Die Zivilgesellschaft, die Friedensbewegung, die Hiroshima-Gruppe, die „MedizinerInnen gegen den Atomkrieg“ und das Rote Kreuz gedenken am Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima, Sonntag 6. August, ab 18 Uhr in Wien am Graben/Ecke Kohlmarkt der Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Wegen der Umbauarbeiten am Stephansplatz findet die Aktion heuer ausnahmsweise am Graben statt.

Um ca. 20.30 Uhr findet ein Laternenzug vom Graben zum Teich vor der Karlskirche statt. Dort werden die Laternen in japanischer Tradition auf das Wasser des Teiches aufgesetzt, um an die brennenden Menschen zu erinnern, die im Wasser Erleichterung von ihrem Leiden suchten. Bei der Aktion werden auch wieder Grußadressen zur Unterstützung des Engagements für eine Welt ohne Atomwaffen, ohne Atomkraftwerke und ohne Krieg veröffentlicht. Ernst Toman von der „Friedensinitiative 22“ singt Friedenslieder, und VertreterInnen von Friedensgruppen nehmen Stellung.

Am Samstag, 12. August, gibt es von 10 bis 13 Uhr in der Fußgängerzone in Melk vor dem Rathaus eine Gedenkaktion zu Hiroshima und Nagasaki.

ISSN 2222-2464