Bauherrenpreis der österreichischen Architekten für Kirche in Mitterbach

Die Namen der ersten evangelischen "Bekenner" von 1782 finden sich in den Brüstungen der Mitterbacher Kirche wieder. Foto: Konrad Neubauer
Die Namen der ersten evangelischen "Bekenner" von 1782 finden sich in den Brüstungen der Mitterbacher Kirche wieder. Foto: Konrad Neubauer

Pfarrerin Birgit Lusche: „Verborgenes aus dem Verdeckten geholt“

Wien (epdÖ) – Mit dem Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs ist Pfarrerin Birgit Lusche für die Neugestaltung der evangelischen Kirche in Mitterbach ausgezeichnet worden. Bei der Verleihung des Preises am Freitag, 17. November im Wiener Odeon-Theater würdigte die Fachjury die Arbeit des Wiener Architektenduos Anja Fischer und Ernst Beneder, das unter der Ägide von Bauherrin Lusche die Toleranzkirche aus dem 18. Jahrhundert renoviert hatte. Durch die Renovierung sollte der ursprüngliche Charakter des Kirchenbaus im Bethausstil wieder besser zur Geltung kommen.

„Ich sehe diesen Preis als Würdigung der Geschichte der ersten Evangelischen in Österreich und als Anerkennung des Engagements und Miteinanders der Pfarrgemeinde Mitterbach“, sagte Pfarrerin Lusche in ihren Dankesworten. „Wir sind auch immer wieder überrascht, mit welchem Einfühlungsvermögen die PlanerInnen Verborgenes aus dem Gegebenen und Verdeckten herausholen konnten.“ Für die Erneuerung der Kirche hatten Lusche und das Architektenteam erst im Oktober die Auszeichnung für vorbildliche Bauten des Landes Niederösterreich erhalten.

Bei der Preisverleihung im Wiener Odeontheater: der Mitterbacher Bürgermeister Alfred Hinterecker, Architektin Anja Fischer, Architekt Ernst Beneder, Pfarrerin Birgit Lusche, Kuratorin Beate Namesnig und Gemeindemitglieder (v.r.). Foto: Siegfried Größbacher
Bei der Preisverleihung im Wiener Odeon-Theater: der Mitterbacher Bürgermeister Alfred Hinterecker, Architektin Anja Fischer, Architekt Ernst Beneder, Pfarrerin Birgit Lusche, Kuratorin Beate Namesnig und Gemeindemitglieder (v.r.). Foto: Siegfried Größbacher

In der Begründung der Jury für die Verleihung heißt es: „Im Zusammenspiel aller Maßnahmen und beteiligten Akteure entstand eine raumplastische Komposition, in der Bestehendes und Neues wie selbstverständlich verschmelzen; mit hoher Sorgfalt, bis ins kleinste Detail überlegt und gestaltet.“ In der Kirche in der Ötscherregion sind heute noch deutliche Spuren aus der Zeit ihrer Errichtung durch Holzarbeiterfamilien zu sehen: In den Brüstungen finden sich die Namen der ersten evangelischen „Bekenner“, die sich nach dem Toleranzpatent von 1781 und dem Ende des jahrhundertelangen Geheimprotestantismus offen als Evangelische äußerten.

Der Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs wird seit 1967 vergeben und gilt als renommiertester Architekturpreis in Österreich. Der Preis geht alljährlich an „Persönlichkeiten oder Personenkreise, die sich in besonderer Weise für die Baukultur in Österreich verdient gemacht haben.“ Im Fokus stehen dabei „die architektonische Gestaltung sowie der innovative Charakter“. Gemeinsam mit der evangelischen Kirche in Mitterbach wurden fünf weitere Projekte ausgezeichnet: der Catering Pavillon Wolke 7 in Grafenegg (NÖ), die Basilika und das Geistliche Haus in Mariazell (Stmk), der Erste Campus in Wien, die Kapelle Salgenreuthe in Krumbach (V) und die Sägerbrücke in Dornbirn (V). Insgesamt waren 82 Projekte eingereicht worden, 23 davon kamen auf die Shortlist, aus der die Sieger gewählt wurden. Die ausgezeichneten Projekte werden gemeinsam mit allen nominierten Projekten von 7. Dezember bis 12. Jänner im Wiener Ringturm ausgestellt.

 

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ISSN 2222-2464