Bad Hofgastein: Gedenkstein erinnert an Vertreibung

Bis ins Jahr 1731 wurden Salzburger Protestanten regelmäßig zur Emigration gezwungen. Ein neuer Gedenkstein erinnert an das Schicksal der Evangelischen. Foto: Karl Heinz Karpf
Bis ins Jahr 1731 wurden Salzburger Protestanten regelmäßig zur Emigration gezwungen. Ein neuer Gedenkstein erinnert an das Schicksal der Evangelischen. Foto: Karl Heinz Karpf

Superintendent Dantine: „Versöhnungsarbeit ermöglicht gemeinsames Gedenken“

Bad Hofgastein (epdÖ) – An die bis ins Jahr 1732 dauernde Vertreibung der Protestanten aus Gastein erinnert ein neuer Gedenkstein im Kurpark von Bad Hofgastein, der am Samstag, 24. Juni, im Rahmen einer Gedenkfeier enthüllt wurde. „Ohne die Vergangenheit bleibt uns die Gegenwart ein Buch mit sieben Siegeln, unverständlich und verschlossen. Umso mehr können wir dankbar sein, dass hier dieser besondere Ort des Gedenkens geschaffen wurde“, erklärte Bischof Michael Bünker bei der Gedenkfeier. „Das ist ein beeindruckendes Zeichen im 500. Jahr der Reformation hier in Gastein, ein Zeichen, das weit über die Grenzen des Ortes und Tales hinaus wahrgenommen wird. Dieser Gedenkort hilft uns, die Gegenwart zumindest ansatzweise zu verstehen, und die Zukunftsaufgaben, vor die wir gestellt sind, mutig anzupacken.“

Knappen, Kaufleute und Handwerker brachten im 16. Jahrhundert reformatorisches Gedankengut und die Lehre Martin Luthers nach Gastein. Die lutherische Lehre fand immer mehr Anhänger, ein im Jahr 1588 herausgegebenes Emigrationspatent zwang viele Familien in Salzburg aber zur Auswanderung. In Gastein sah man vorerst von größeren Ausweisungen ab, denn dadurch wären der Bergbau und damit die Erträge für den Erzbischof gefährdet gewesen. Bis zum Jahr 1615 war die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Gasteins evangelisch. 1615 gab Erzbischof Markus Sittikus einen Befehl zur Gesinnungsänderung heraus, viele Gasteiner verließen daraufhin das Tal. Am 31. Oktober 1731 erließ Erzbischof Firmian das Emigrationsedikt, wonach alle Lutheraner innerhalb von acht Tagen das Land verlassen mussten. Das Land Salzburg verlor bis 1732 ein Siebtel der Gesamtbevölkerung. Damit war die Verfolgung nicht zu Ende. 1733 wurde eine strenge Inquisition angeordnet, 1743/44 fand der letzte große Religionsprozess statt.

v.r.: Bürgermeister Fritz Zettinig, Pfarrer Andreas Domby, Generalvikar Roland Rasser, Bischof Michael Bünker, Pfarrerin Maria Biro, Superintendent Olivier Dantine, Florian Schwaiger von der katholischen Pfarrgemeinde, Kurator Dietmar Magler und Schatzmeister Karl Heinz Karpf. Foto: Hans Kofler
v.r.: Bürgermeister Fritz Zettinig, Pfarrer Andreas Domby, Generalvikar Roland Rasser, Bischof Michael Bünker, Pfarrerin Maria Biro, Superintendent Olivier Dantine, Florian Schwaiger von der katholischen Pfarrgemeinde, Kurator Dietmar Magler und Schatzmeister Karl Heinz Karpf. Foto: Hans Kofler

1966 hat der damalige Salzburger Erzbischof Rohracher die evangelischen Christinnen und Christen um Vergebung für die Protestantenvertreibung von 1731/32 gebeten. Anlass für die Vergebungsbitte des Erzbischofs war die Amtseinführung des ersten evangelischen Superintendenten der neu eingerichteten Superintendenz Salzburg und Tirol am 27. März 1966. Im März 2016 erfolgte die offizielle Annahme der Vergebungsbitte durch die Evangelische Kirche.

„Wenn wir 500 Jahre Reformation feiern, dann gehört es zum Gedenken dieser 500 Jahre auch dazu, an eine konfliktreiche Geschichte des Verhältnisses der Konfessionen zu denken. Auch wenn immer wieder zu Recht betont wird, dass Martin Luther 1517 sicher nicht die Spaltung der Kirche im Sinn hatte, ein Ergebnis der Reformation war der Verlust der Kircheneinheit der westlichen Christenheit und auch eine Reihe von Konflikten, der weit über einen theologischen akademischen Disput hinausging“, betonte Superintendent Olivier Dantine bei der Gedenkfeier. Der Superintendent erinnerte in seiner Ansprache an die vielfältige Versöhnungsarbeit, die zwischen den Evangelischen Kirchen und der Römisch-katholischen Kirche in den vergangenen Monaten, Jahren und Jahrzehnten geleistet wurde. Diese Arbeit sei nur möglich gewesen, weil es auf beiden Seiten Dialogbereitschaft gegeben habe und nach wie vor gebe. Die Vergebungsbitte von Erzbischof Rohracher habe viel Beachtung gefunden, sie war, so Dantinte, „ein wichtiger Baustein für das gute ökumenische Miteinander in Salzburg und in Österreich“ und habe auch die Versöhnung zwischen den Konfessionen entscheidend vorangebracht. Letztlich sei es nur auf dieser Grundlage möglich, dass heute Protestanten und Katholiken gemeinsam der Vertreibung gedenken können.

Die ökumenische Andacht gestaltete Pfarrerin Maria Biro, seitens der römisch-katholischen Kirche wirkte Dompfarrer Roland Rasser mit.

ISSN 2222-2464