Wien: Neue ökumenische Plattform gegen Altersarmut bei Frauen

Frauen sind in Österreich doppelt so häufig von Altersarmut betroffen als Männer. Foto: Fotolia/Sir Oliver
Frauen sind in Österreich doppelt so häufig von Altersarmut betroffen als Männer. Foto: Fotolia/Sir Oliver

Österreichweit mehr als 130.000 betroffen

Wien (epdÖ) – Mehr als jede zehnte Person in Österreich über 65 Jahre ist von Altersarmut gefährdet, zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Insgesamt sind damit 16 Prozent der Frauen im Pensionsalter gefährdet. Ihrer Unterstützung widmet sich nun eine neue ökumenische Plattform in Wien, die am Dienstag, 16. Jänner, der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Ziel der Initiative „alt – arm – weiblich: Altersarmut bei Frauen“ ist es, das Thema weibliche Altersarmut in der öffentlichen Wahrnehmung zu enttabuisieren und einen niederschwelligen Zugang zu Unterstützungsleistungen zu bieten.

Der Wiener katholische Weihbischof Franz Scharl bezeichnete es im Pressegespräch als „ureigenste Aufgabe der Kirchen, auf die Menschen zu schauen und die Option für die Armen zu leben“. Wichtig sei aber nicht nur der konkrete Einsatz für die Menschen, „sondern auch der Kampf gegen Ausgrenzung“. Was es brauche, sei eine „vorbeugende Caritas“. Scharl verwies dabei auch auf Positionen von Papst Franziskus, der im Vorjahr den 19. November zum Welttag der Armen ausgerufen hat.

Die Wiener evangelische Superintendentialkuratorin Inge Troch sprach von der Aufgabe, „die Wurzel des Übels anzupacken“. Frauen hätten in ihrem Berufsleben weniger Gelegenheit, Vollzeit zu arbeiten oder ihrer Ausbildung entsprechend eingesetzt zu werden. Das habe Folgen für das Leben und die Finanzen im Alter. „Leistung ist in unserer Gesellschaft ein wichtiger Begriff. Aber es kann dabei nicht nur um Erwerbstätigkeit gehen. Auch Leistungen für die Gesellschaft, wie zum Beispiel die Kindererziehung, müssen berücksichtigt werden.“

Jitka Zimmermann, Geschäftsführerin der Stadtdiakonie Wien, hat die Plattform inhaltlich mitentwickelt und verwies auf die ungleiche Entlohnung von Frauen und Männern: „Frauen verdienen bei gleicher Arbeit 23 Prozent weniger als Männer. Aber auch ihre Alterspensionen sind deutlich niedriger – das ist oft eine Folge von langjähriger Teilzeitbeschäftigung.“ Man wolle die neue Bundesregierung und die Stadt Wien dazu motivieren, dem isländischen Modell zu folgen, nach dem Löhne von Männern und Frauen bis 2020 angeglichen werden müssen.

Lukas Richter, Universitätslektor und in seiner Forschung stark mit dem Thema Altersarmut befasst, betonte: „Wir müssen weg vom Bittstellertum. Und wir müssen Unterstützungsangebote für die Menschen verständlich machen. Das ist heute noch nicht der Fall. Renate Moser von der Plattform WIGE für Geschiedene und Wiederverheiratete in der Kirche pflichtete ihm bei: „Heute ist es sogar noch für viele mit Scham besetzt, nur eine Informationsbroschüre anzuschauen oder sie auch mitzunehmen.“

Bei der Plattform „alt – arm – weiblich“ handelt es sich um eine Kooperation der Kategorialen Seelsorge der Erzdiözese Wien, der Stadtdiakonie Wien, der Katholischen Frauenbewegung, des Katholischen Familienverbandes, des Katholischen Bildungswerks und der Bildungsinitiative für Frauen „Anima“. Unterstützt wird die Initiative von prominenten Frauen wie der Schauspielerin Erika Pluhar oder der TV-Journalistin Barbara Stöckl.

Als armutsgefährdet gelten in Österreich jene Haushalte, deren Nettoeinkommen 60 Prozent des Medianeinkommens unterschreitet. In Österreich betrifft das rund 203.000 Personen über 65 Jahre, davon 136.000 Frauen und 67.000 Männer. In Wien sind es 35.000 der Generation 65 plus (24.000 Frauen, 11.000 Männer). Ein Hauptgrund für die starke Altersarmut sind Unterschiede in der Pension: Männer beziehen durchschnittlich 1.419 Euro, Frauen nur 842 Euro.

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ISSN 2222-2464