Wien: Kongress zu Christentum und Europa

"Wir stehen in Europa vor entscheidenden Herausforderungen, zu denen sich Kirchen und Theologen mit einer eigenen Stimme einbringen müssen", sagte Albrecht Beutel, Kirchenhistoriker in Münster, am Rande des Europäischen Kongresses für Theologie in Wien. Foto: epd/Windisch
"Wir stehen in Europa vor entscheidenden Herausforderungen, zu denen sich Kirchen und Theologen mit einer eigenen Stimme einbringen müssen", sagte Albrecht Beutel, Kirchenhistoriker in Münster, am Rande des Europäischen Kongresses für Theologie in Wien. Foto: epd/Windisch

Theologinnen und Theologen sprachen über Selbstverständnis des Kontinents

Wien (epdÖ) – „Wir sehen, das Europathema ist in unserer Gesellschaft virulent. Zugleich erleben wir Europa immer in irgendeiner Weise christlich imprägniert. Wir wollen der Frage nachgehen, wie wir diese christlichen Impulse für Europa konfessionsübergreifend bestimmen können.“ Das sagte Albrecht Beutel, stellvertretender Vorsitzender der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie, in einem Pressgespräch am Rande des XVI. Europäischen Kongresses für Theologie in Wien. Unter dem Leitthema „Christentum und Europa“ diskutierten von Sonntag, dem 10. bis Mittwoch, dem 13. September, Wissenschaftler aus ganz Europa und Nordamerika.

„Wir stehen in Europa vor entscheidenden Herausforderungen, zu denen sich Kirchen und Theologen mit einer eigenen Stimme einbringen müssen. Historische Fragen sind da nur die Basis“ erläuterte Beutel, der selbst in Münster Kirchengeschichte lehrt, vor Journalisten die Intention des Kongresses. Das Tagungsprogramm gliederte sich dementsprechend in die Themenblöcke „Das Christentum in der europäischen Geschichte“, „Das Christentum in der europäischen Pluralität“ und „Das Christentum in der europäischen Wissenskultur“.

Als Zeichen der Pluralität laden die Veranstalter zu den Kongressen der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie auch immer Vertreter anderer Religionen. So hielt diesmal Carl S. Ehrlich, jüdischer Professor für Hebräische Bibel und Biblische Archäologie in Toronto, einen der Hauptvorträge. Markus Öhler, Professor für Neues Testament in Wien, kann sich für die Zukunft sogar eine noch weitere Öffnung für nichtchristliche Theologie vorstellen. „Die Fragen, die wir uns stellen, sind nicht nur Fragen der christlichen Theologie“, sagt Öhler, der den Kongress vor Ort in Wien mitorganisiert hatte, mit Blick auf den Islam.

Das politische Tagesgeschehen und die häufige Instrumentalisierung der Begriffe Christentum und Europa wollen die Wissenschaftler jedoch nicht kommentieren. Dennoch sehen sie den Wirkbereich der Theologie nicht nur in einem akademischen Rahmen, sondern betonen deren Funktion in Öffentlichkeit und Kirche.

Bereits am Beginn des Kongresses hatte Bischof Michael Bünker in einem Grußwort für Offenheit plädiert: „Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts verlangen nach einem freien und geeinten Europa, dessen Bereitschaft zur Solidarität nicht an den Grenzen einzelner Staaten endet und über die Grenzen Europas hinausreicht.“

Die 1973 gegründete Wissenschaftliche Gesellschaft für Theologie versteht sich als Forum, in dem theologische Fragen fächerübergreifend diskutiert werden können. Anfänglich evangelisch orientiert, finden sich unter den 750 Mitgliedern heute auch viele katholische Forscher und Forscherinnen. Kongresse finden alle drei Jahre wechselweise in Berlin, Wien oder Zürich statt.

ISSN 2222-2464