Wien: Gedenktafel in Lutherischer Stadtkirche enthüllt

Die neue Gedenktafel in der Wiener Innenstadtkirche (Foto: Istler)
Die neue Gedenktafel in der Wiener Innenstadtkirche (Foto: Istler)

Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus

Wien (epdÖ) – „Wir müssen uns als Kirche unserer eigenen Verantwortung und Schuld in Bezug auf das Unrecht, das während der NS-Zeit geschehen ist, bewusst werden“, betont der Kurator der Lutherischen Stadtkirche Ernst Istler im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst nach der Enthüllung einer Gedenktafel in der Wiener Innenstadtkirche in der Dorotheergasse am Sonntag, 9. November. Man wolle aber nicht nur beim passiven Mahnen bleiben. Daher sei auch ein Projekt zur Aufarbeitung der Rolle der Gemeinde während der NS-Zeit geplant. Dabei wolle man sich wie vom Oberkirchenrat angeregt auf die eigene dunkle Vergangenheit besinnen, zum anderen aber auch zeigen, dass die Kirche heute für Verfolgte und Benachteiligte einstehe, so Istler.

Die von Steinmetzkünstler Arnold Reinthaler entworfene Tafel beinhaltet ein Bibelzitat aus dem ersten Johannesbrief, in dem von Hass und Verblendung die Rede ist. Darunter heißt es: „Wir lassen uns mahnen für alle Zeiten der Verblendung“. Der Gedanke der Verblendung sei der Gemeinde besonders wichtig gewesen, da er die Irrungen, denen die Evangelische Kirche in der Zeit der NS-Herrschaft erlegen war, in den Vordergrund stelle. Mithilfe eines historischen Projekts will die Gemeinde diesen „Irrungen“ nachgehen, kündigt Istler an. Geplant ist, HistorikerInnen und TheologInnen zu gewinnen, um das Datenmaterial aus der NS-Zeit auszuheben und zu analysieren. Dazu soll auch eine Publikation erscheinen. Das Datum der Enthüllung sei mit dem 9. November, also dem 76. Jahrestag der Novemberpogrome 1938, bewusst gewählt worden, berichtet Istler.

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ISSN 2222-2464