Was glauben Menschen mit Behinderung?

Neben Veronika Grün (im Bild) lasen auch die SchriftstellerInnen Brigitte Koxeder, Ruth Oberhuber und Stefan Mann aus ihren Texten. Foto: Diakonie Österreich/Roberta Rastl-Kircher
Neben Veronika Grün (im Bild) lasen auch die SchriftstellerInnen Brigitte Koxeder, Ruth Oberhuber und Stefan Mann aus ihren Texten. Foto: Diakonie Österreich/Roberta Rastl-Kircher

Lesung aus der Literaturwerkstatt des Diakoniewerks Gallneukirchen

Wien (epdÖ) – Glaubensfragen von Menschen mit Behinderung standen am vergangenen Freitag, dem 18. Mai, im Mittelpunkt einer Lesung in den Evangelischen Schulen am Wiener Karlsplatz. Vier Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus der Literaturwerkstatt des Diakoniewerks Gallneukirchen trugen aus eigenen Texten vor, die auf unterschiedliche Art den persönlichen Zugang der AutorInnen zum Glauben thematisieren.

Vom Verlieren und Wiederfinden der Geborgenheit erzählte Veronika Grün in ihrem Text „Suche Beziehungsgeschichte“: „Es waren einmal zwei Menschen, die haben ihre Höhlen verloren. Sie sind allein und sie wissen nicht, wie es weiter gehen soll.“ Erst durch die Körpersprache gelingt es, das Trennende, das die Geborgenheit verhindert, zu überwinden.

In „Die Wunder in/zu der Menschheit die Worte Jesu“ verdichtete Ruth Oberhuber Grundfragen des Lebens in fünf Visionen. Am Ende stand ihr persönlicher, auf  dem Gefühl beruhender Zugang zum Glauben: „Der Glaube. Die meisten glauben mit Kopf aber nicht mit Herz. Ich glaube, vertraue und lebe in der Freiheit.“

Brigitte Koxeder thematisierte in ihren Texten eindrücklich Fragen der Toleranz, die sie anderen entgegenbringe, aber auch für sich selbst einfordere: „Bin ich ein Mensch wie du? Hat das wohl einen Sinn? Hat das einen Sinn, wenn ich dann ein Model bin?“

In seiner Abwesenheit wurden von der Leiterin der seit 2003 bestehenden Literaturwerkstatt im oberösterreichischen Gallneukirchen, Iris Hanousek-Mader, auch Texte von Stefan Mann verlesen. Seine Texte kehrten immer wieder zum Thema Tod und Trauer zurück: „Es ist schwer  loszulassen. Ich tu mir selber weh. Diese Trauer dauert sehr lange. Ich brauche jemanden, der mir hilft, selbst kann ich es nicht, da ich so tief trauere, wenn ich Menschen in mein Herz geschlossen habe.“

Der von Pfarrerin Maria Katharina Moser vom Institut für öffentliche Theologie und Ethik der Diakonie moderierte Abend bildete den Abschluss der fünfteiligen Gesprächsreihe „Was ich glaube“. Organisatorin Charlotte Matthias zeigte sich im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst beeindruckt von der Qualität der Gesprächsabende, hätte sich aber an einzelnen Abenden „mehr Resonanz“ erhofft. Die zahlreichen Veranstaltungen im Reformationsjahr hätten eine breitere Positionierung erschwert. Für die hochkarätig besetzten Abende waren unter anderem die damalige Grünenchefin Eva Glawischnig, Ö1-Journalistin Renata Schmidtkunz, News-Redakteurin Julia Schnizlein, Schriftstellerin Julya Rabinowich oder Menschenrechtsaktivist Elias Bierdel gewonnen worden.

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ISSN 2222-2464