Vor 70 Jahren warfen die USA Atombomben auf Japan

Der Atomic Bomb Dome in Hiroshima, eine ehemalige und beim Bombenangriff im August 1945 stark beschädigte Ausstellungshalle, ist heute Friedensdenkmal und Gedenkstätte (Foto: FlyingToaster/wikimedia)
Der Atomic Bomb Dome in Hiroshima, eine ehemalige und beim Bombenangriff im August 1945 stark beschädigte Ausstellungshalle, ist heute Friedensdenkmal und Gedenkstätte (Foto: FlyingToaster/wikimedia)

Hennefeld: „Eine gerechte, lebenswerte Welt kann es nur ohne Atomwaffen geben“

Wien (epdÖ) – Heuer jähren sich zum 70. Mal die Atombombenabwürfe der USA auf die japanischen Städte Hiroshima (6. August) und Nagasaki (9. August). Acht Vertreter und Vertreterinnen von christlichen Kirchen aus aller Welt werden aus diesem Anlass Anfang August im Auftrag des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) zu einer Pilgerreise in die beiden japanischen Städte aufbrechen, die vor 70 Jahren durch Atombomben zerstört wurden. Die Delegierten aus Deutschland, den USA, Japan, Korea, Norwegen, den Niederlanden und Pakistan nehmen am 6. und 9. August in Hiroshima und Nagasaki an den Gedenkfeiern für die Opfer der Atombombenabwürfe teil. Zu der Gruppe gehört auch der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm.

In Japan wolle die Gruppe mit Überlebenden der Atomangriffe, Religions- und Regierungsvertretern zusammentreffen und „internationale Aufrufe zum Handeln“ mitnehmen, hieß es weiter. Ziel sei es, die eigenen Regierungen zu einem offiziellen Atomwaffenverbot zu bewegen. Die beteiligten Länder stünden derzeit vor „historischen Entscheidungen für oder gegen die Ächtung von Atomwaffen“.

„Ja zum Leben und daher Nein zu Atomwaffen“

In einer Botschaft zum Hiroshimatag am 6. August betont Bischof Michael Bünker die ablehnende Haltung der Kirchen zu Atomwaffen. „Religiöse Überzeugung und humanitäre Gesinnung sagen entschieden Ja zum Leben und daher Nein zu Atomwaffen“, schreibt der evangelisch-lutherische Bischof anlässlich des Gedenkens. Mit der Pilgerfahrt nach Japan wollen die Kirchen ein Zeichen setzen und auch dem Ruf der Überlebenden von 1945 Gehör verschaffen. Solange Regierungen bereit seien, mit der tödlichsten aller Waffen unendliches Leid über die Menschen zu bringen, könnten Kirchen nicht wegschauen. Deswegen gehöre der unermüdliche und aktive Einsatz gegen Atomwaffen zum Auftrag aller Religionsgemeinschaften. Atomwaffen sind mit den Werten der christlichen, jüdischen, muslimischen und buddhistischen Glaubenstraditionen unvereinbar, so Bischof Bünker.

Für die betroffenen Menschen war der Atombombenabwurf ein „wahrhaft apokalyptisches Ereignis und ein Verbrechen ungeheuren Ausmaßes“, schreibt Thomas Hennefeld, Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich. „Anstatt dass die Welt von dieser teuflischen Vernichtungswaffe Abstand nahm, legten vor allem die Großmächte riesige Lager von Massenvernichtungswaffen an. Die Welt hat sich daran gewöhnt, mit dieser Vernichtungsdrohung zu leben, aber nach wie vor kann durch den Einsatz dieser Waffen die ganze bewohnte Erde mehrmals ausgelöscht werden. Deshalb müssen alle Atomwaffen ohne Wenn und Aber verschrottet werden.“ Wer Atomwaffen besitze oder auch nur mit dem Einsatz drohe, sei „nicht weniger barbarisch als jene, die auf altmodische Weise anderen Menschen die Kehlen durchschneiden oder die Köpfe abhacken. Es ist ein beispielloser und unvergleichlicher Terror, der von Atommächten ausgeht.“ Gott habe diese Welt gut geschaffen, so der Landessuperintendent, und sie dem Menschen zur Gestaltung überantwortet. „Daher haben wir die Verantwortung, diese Erde zu bewahren: Eine gerechte, lebenswerte Welt kann es aber nur ohne Atomwaffen geben.“

„Die Welt ist leider auch 70 Jahre nach Hiroshima und Nagasaki nicht friedlicher geworden“, bedauert der steirische Superintendent Hermann Miklas in einem Schreiben anlässlich des Jahrestages. „Die letzten zwölf Monate waren weltweit wahrscheinlich die blutigsten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs“, unterstreicht Miklas, der in diesem Umstand die „fehlende Kunst der Diplomatie“ und eine „zunehmenden Visionslosigkeit der internationalen Politik“ als Gründe ortet. Als Folge dieses internationalen Versagens gebe die täglich ansteigende Zahl der Menschen, die sich auf der Flucht befinden, ein „beredtes Zeugnis“, erklärt der Superintendent.

Geleitet wird die Delegation nach Japan von der Vize-Vorsitzenden des ÖRK-Zentralausschusses, der US-amerikanischen methodistischen Bischöfin Mary-Ann Swenson. „Wir werden in Hiroshima und Nagasaki sein, um an die Schrecken der Atombombe zu erinnern und zu bekräftigen, was immer größere Mehrheiten der UN-Generalversammlung heute sagen: Es ist im Interesse des Überlebens der Menschheit, dass Kernwaffen unter keinen Umständen jemals wieder eingesetzt werden“, sagt Swenson.

Der Ökumenische Rat der Kirchen hat derzeit 349 Mitgliedskirchen mit insgesamt mehr als 500 Millionen Mitgliedern. Die katholische Kirche ist nicht Vollmitglied, kooperiert aber in verschiedenen Gruppen und Kommissionen. Die Mitgliedskirchen kommen heute aus rund 110 Ländern auf allen Kontinenten und schließen orthodoxe, anglikanische, protestantische, vereinigte und andere Kirchen ein.

ISSN 2222-2464