Heiner Bielefeldt: Instrumentalisierung von Religion durchbrechen

Über das Thema Religionsfreiheit sprach der UN-Sonderberichterstatter Heiner Bielefeldt (links) beim Empfang des Ökumenischen Forums in Graz. Im Bild Vorsitzender Hermann Miklas (2. v.l.), Pastorin Anke Neuenfeldt, Bischof Wilhelm Krautwaschl und Botschafter Peter Launsky-Tieffenthal.
Über das Thema Religionsfreiheit sprach der UN-Sonderberichterstatter Heiner Bielefeldt (links) beim Empfang des Ökumenischen Forums in Graz. Im Bild Vorsitzender Hermann Miklas (2. v.l.), Pastorin Anke Neuenfeldt, Bischof Wilhelm Krautwaschl und Botschafter Peter Launsky-Tieffenthal.

Ökumenischer Jahresempfang 2015 in Graz zum Thema Religionsfreiheit

Graz (epdÖ) – Unter dem Thema „Religionsfreiheit – ein bedrohtes Menschenrecht?“ stand der traditionelle Jahresempfang des Ökumenischen Forums christlicher Kirchen in der Steiermark am Donnerstag, 19. November, im Grazer Landhaus. Der Vorsitzende des Ökumenischen Forums, Superintendent Hermann Miklas, ging in seiner Eröffnungsrede auf die Terroranschläge in Frankreich ein. Terrorismus habe mit den verfassten Religionsgemeinschaften nichts zu tun, dennoch müsse sich jede Religion fragen lassen, wo Ansätze dazu in ihrer Struktur stecken und wie es mit der Freiheit Andersdenkender aussehe, sagte Miklas.

Heiner Bielefeldt, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen über Religions- und Weltanschauungsfreiheit, gab in seinem Hauptreferat einen Überblick über Verletzungen der Religionsfreiheit weltweit. In allen Regionen der Welt gäbe es unterschiedliche Probleme wie Verfolgungen, strukturelle Diskriminierung oder Schikanen. Diese Menschenrechtsverletzungen, so Bielefeldt, geschehen aus unterschiedlichen Gründen, beispielsweise im Namen religiöser Wahrheit, staatlicher Interessen, aus säkularen Kontrollinteressen oder gar aus nihilistischem Hass, der sich einen religiösen Überbau suchen müsse. Am Beispiel Islam schilderte der Theologie, Philosoph und Historiker, der in Erlangen einen Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik innehat, wie eine Religion von innen und außen instrumentalisiert werden könne.

Derzeit gibt es laut Bielefeldt in über 50 Ländern der Welt Menschrechtsverletzungen. Was kann dagegen getan werden? Bielefeldt nannte als Beispiel Sierra Leone. Dort schließen sich Muslime und Christen zusammen, um den Staat wieder aufzubauen und um Extremismus zu verhindern. Wichtig sei es, die Instrumentalisierung von Religion zu durchbrechen. Dazu sei auch eine Säkularisierung des Staates wichtig. Religionsgemeinschaften sollten gemeinsam auftreten, verstärkt nach innen und nach außen kooperieren und kommunizieren, ist der Menschrechtsexperte überzeugt. Hilfreich sei ein institutionalisierter interreligiöser Dialog, dessen Ziel die Förderung der Religionsfreiheit und der Schutz religiöser Minderheiten sei.

Für den römisch-katholischen Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl ist „Religionsfreiheit immer an eine allgemeine sittliche Ordnung gebunden“, wie er in einem Grußwort erklärte.

ISSN 2222-2464