Theologen kritisieren „Flüchtlingspolitik der Inhumanität“

50 Theologen aus ganz Österreich, darunter der Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien Martin Rothgangel haben in einer gemeinsamen Erklärung zu einer humanen Flüchtlingspolitik aufgerufen. (Im Bild: Universität Wien, Foto: Universität Wien)
50 Theologen aus ganz Österreich, darunter der Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien Martin Rothgangel haben in einer gemeinsamen Erklärung zu einer humanen Flüchtlingspolitik aufgerufen. (Im Bild: Universität Wien, Foto: Universität Wien)

Gemeinsame Erklärung für humane Flüchtlingspolitik und gegen Politik der Angst

Wien (epdÖ) – Rund 50 namhafte Theologen aus ganz Österreich, darunter der Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien Martin Rothgangel, die Spitzen der Ordensgemeinschaften sowie hochrangige Vertreter katholischer Einrichtungen haben in einer gemeinsamen Erklärung zu einer humanen Flüchtlingspolitik aufgerufen. Eine „kalkulierte Politik der Angst und Inhumanität“ lehnen die Unterzeichner entschieden ab.

Bei allen legitimen Auffassungsunterschieden, wie mit der derzeitigen Flüchtlingskrise umgegangen werden kann, müsse der Schutz von Menschen in Not, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung auf der Flucht sind, außer Streit stehen. Dieses ethische Prinzip bilde ein Kernelement des Christentums, der Humanität und der modernen Menschenrechtskultur. Es greife schon lange vor dem Bereich der völkerrechtlichen Verpflichtungen, die sich aus der Genfer Flüchtlingskonvention ergeben.

Wie es in der Erklärung weiter heißt, sollten nun alle politischen Anstrengungen darauf gerichtet sein, einen gemeinsamen europäischen Weg bei der Bewältigung der humanitären Herausforderung durch die Fluchtbewegungen zu finden. Eine weitblickende Politik müsse bei gemeinsamen Lösungen der Europäischen Union ansetzen, nicht zuletzt was die Fluchtursachen und die Lage der Flüchtlinge in den Nachbarländern der Bürgerkriegsgebiete betrifft. Eine „Politik kurzfristiger, nationaler Interessen und einseitiger Maßnahmen, die eine Schwächung der EU und eine Destabilisierung anderer Mitgliedsländer riskiert“ sei hingegen nicht zukunftsfähig.
Nur ein sachbezogener, verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema Flucht und Asyl entspreche europäischen Werten, heißt es, und weiter wörtlich: „Im Gegensatz dazu sehen wir Akteure, die fremdenfeindliche Ressentiments schüren, missgünstige Gerüchte über Flüchtlinge verbreiten und offen gegen AsylbewerberInnen und ihre Unterbringung in Österreich auftreten – nicht zuletzt um davon im politischen Wettbewerb zu profitieren. Eine solche kalkulierte Politik der Angst und der Inhumanität lehnen wir mit aller Entschiedenheit ab.“

ISSN 2222-2464