Reformationsjubiläum 2017 offen für ökumenische Dimension

Reformationsbotschafterin Margot Käßmann mit Josef Bruckmoser (Moderation) und dem römisch-katholischen Kirchenhistoriker Dietmar Winkler bei der Matinee in Salzburg. Foto: epd/Dasek
Reformationsbotschafterin Margot Käßmann mit Josef Bruckmoser (Moderation) und dem römisch-katholischen Kirchenhistoriker Dietmar Winkler bei der Matinee in Salzburg. Foto: epd/Dasek

Matinee mit Reformationsbotschafterin Margot Käßmann in Salzburg

Salzburg (epdÖ) – 2017 feiern die Evangelischen Kirchen 500 Jahre Reformation. Dieses Jubiläum sei kein „innerprotestantisches, sondern offen für die weltliche Beteiligung, die ökumenische Dimension und den internationalen Horizont“, sagte die Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum bei einer Matinee am Samstag, 5. Dezember, im Evangelischen Zentrum Salzburg-Christuskirche. Im Zuge ihres Österreichbesuchs ging Käßmann dort der Frage nach, ob es sich bei der Reformation um ein kirchentrennendes Ereignis gehandelt habe.

Martin Luther sei es nicht um Kirchenspaltung, sondern um eine notwendige Erneuerung von Kirche und Staat gegangen, unterstrich Käßmann. Die Reformationsepoche habe alle verändert, die abendländische Kirche nicht gespalten, sondern ausdifferenziert.

Heute sei die Römisch-katholische Kirche nicht dieselbe wie jene im 16. Jahrhundert, wenn auch reformatorische Anfragen etwa an Papsttum, Heiligenverehrung und Amtsverständnis bestehen blieben. Als wichtigen Schritt der Annäherung sieht Käßmann die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die 1999 von der Römisch-katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund unterzeichnet wurde. Dabei wurde festgehalten: So wie die beiden Kirchen ihre Lehre heute formulieren, werden sie von den Verwerfungen des 16. Jahrhunderts nicht getroffen. Bereits ein Jahr später habe jedoch die Römisch-katholische Kirche mit der Erklärung „Dominus Iesus“ ein klares Zeichen gesetzt, dass sie sich selbst trotz aller ökumenischer Fortschritte allein als die „eine, wahre, heilige Kirche“ sehe. Trotzdem sei ein Rückzug zu den klar getrennten Kirchen keine Option in einem gemeinsamen Europa, das für Christinnen und Christen Chance und Herausforderung darstelle. Käßmann: „Ich halte es für vollkommen falsch, in das große Lamento über die Säkularisierung einzustimmen und sich zurückzuziehen. Christinnen und Christen haben in Europa Werte gesetzt, die diesen Kontinent prägen.“

Käßmann erinnerte auch an Zeichen des Aufbruchs zwischen den Kirchen, etwa die 2001 beschlossene Charta Oecumenica oder auch die ökumenischen Kirchentage in Berlin und München. Von 2017 erhofft die Reformationsbotschafterin eine „gegenseitige Bereicherung“, es gelte, die „kreative Kraft der konfessionellen Differenz erfahrbar zu machen“. Dafür brauche es Zeichen und Symbole. „Der derzeitige Papst ist genial darin, sie zu finden.“ Käßmann kündigte an, dass der Rat der EKD gemeinsam mit der Deutschen Bischofskonferenz im Oktober 2016 nach Israel pilgern werde, zudem beteilige sich die Römisch-katholische Kirche am Europäischen Stationenweg und an der Weltausstellung Reformation in Wittenberg. „So besteht die Chance, dem Reformationsjubiläum auch eine deutlich ökumenische Dimension zu geben“, zeigte sich Margot Käßmann überzeugt. Denn: „Bei aller Differenz und dem je eigenen Profil verbindet uns mehr, als uns trennt.“

In einer säkularisierten Gesellschaft habe das gemeinsame Zeugnis der Christinnen und Christen großes Gewicht: „Je stärker wir gemeinsam auftreten, desto eher werden wir gehört.“ Zudem müsse der Dialog mit anderen Religionen im Blick bleiben, „damit Religion nicht Konflikte verschärft, sondern zum friedlichen Zusammenleben beiträgt“. Freilich, für Protestanten würden Papsttum, Marienverehrung oder Zölibat ebenso fremd bleiben wie Frauenordination, kirchenleitende Synoden und Stimmenvielfalt für römische Katholiken. Aber: „In einer säkularen Welt vom Glauben sprechen und den Dialog mit anderen Religionen führen sowie in der Gesellschaft Einspruch erheben gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, das ist eine gemeinsame Aufgabe.“

Kirchenhistorisch war das Reformationsanliegen berechtigt und die Reformation nicht als Kirchentrennung beabsichtigt, betonte der Salzburger römisch-katholische Kirchenhistoriker Dietmar Winkler bei der Matinee. Weil die Reformation für die Römisch-katholische Kirche ein „traumatisches Ereignis“ war, werde das Jahr 2017 eher als Gedenken denn als Jubiläum gesehen. Dieses sollte dazu führen, dass die katholische Kirche die theologischen Faktoren der Reformation losgelöst von der Kirchentrennung würdigen kann. Für 2017 wünscht sich Winkler, der seit kurzem Dekan der Katholisch-theologischen Fakultät in Salzburg ist, medienwirksame versöhnende Zeichen und Symbole zwischen den Kirchen und ein Anerkennen der theologischen Weiterentwicklung: „Wir haben nicht nur eine Trennungsgeschichte, sondern auch eine Versöhnungsgeschichte“, sagte Winkler.

Dass er seitens der Römisch-katholischen Kirche in Östereich nur ein „wohlwollendes, interessiertes und offenes“ Zugehen auf 2017 erlebe, hob Bischof Michael Bünker in der anschließenden Diskussion hervor. Den Pfarrgemeinden empfehle die Evangelische Kirche, das Reformationsfest 2017 „möglichst öffentlich und ökumenisch“ zu feiern.

Superintendent Olivier Dantine konnte zu der Veranstaltung, die das Evangelische Bildungswerk Salzburg organisiert hatte,  zahlreiche Interessierte aus evangelischen und katholischen Gemeinden begrüßen. Moderiert hat die Matinee Josef Bruckmoser von den Salzburger Nachrichten.

ISSN 2222-2464