Philippinen: Noch immer vier Millionen Menschen obdachlos

Trümmer säumten die Straßen der Stadt Tacloban auf der Insel Leyte nach dem Taifun Haiyan. (Foto: Wikimedia/Eoghan Rice - Trócaire/Caritas)
Trümmer säumten die Straßen der Stadt Tacloban auf der Insel Leyte nach dem Taifun Haiyan. (Foto: Wikimedia/Eoghan Rice - Trócaire/Caritas)

Rastl-Kircher: „Die Philippinos sind richtige Stehaufmandln“

Wien (epdÖ) – Er war einer der stärksten tropischen Wirbelstürme, die seit Aufzeichnung des Wetters jemals beobachtet wurden: der Taifun Haiyan beziehungsweise Yolanda, der im November 2013 über Mikronesien, Vietnam und China zog. Die größten Schäden richtete der Taifun aber auf den Philippinen an, wo er auf den Inseln Leyte und Samar rund 10.000 Menschen tötete und 4,3 Millionen Menschen innerhalb kürzester Zeit obdachlos machte. Schon wenige Stunden nachdem der Wirbelsturm abgezogen war, begannen internationale Organisationen mit der Hilfe vor Ort. Auch die Diakonie Katastrophenhilfe organisierte Unterstützung für die philippinische Bevölkerung.

Ein halbes Jahr nach der Taifun-Katastrophe reiste Roberta Rastl-Kircher von der Diakonie Österreich in die Hauptstadt der Provinz Leyte, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen. In einem exklusiven Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst berichtet sie von ihren Eindrücken.

„Die Menschen auf den Philippinen sind sehr offen. Die Geschichten, die sie über den Taifun erzählt haben, sind sehr wild und schlimm. Ich war sehr berührt von den Begegnungen“, erzählt Rastl-Kircher nach ihrer Rückkehr und zeigt sich beeindruckt von der Mentalität der Menschen: „Das sind richtige Stehaufmandeln. Sie sind sehr widerstandsfähig, irrsinnig fleißig und vor allem: Es gibt dort die Kultur des gegenseitigen Helfens. Man schließt sich zusammen, dann bekommt die eine Familie, was sie braucht, und danach kommt die nächste Familie dran.“ Diese Einstellung würde die Arbeit der Helferinnen und Helfer wesentlich erleichtern, weiß Rastl-Kircher aus Gesprächen mit Partnerorganisationen.

Auf den Philippinen gebe es eine breite Zivilgesellschaft, man wisse sich zu helfen und unterstütze sich gegenseitig. Nach dem Taifun habe es lange gedauert, bis der ganze Schutt weggeräumt werden konnte. Nun beginne man langsam damit, neue Häuser zu bauen. „Das Problem ist die ungeklärte Landfrage. Heute sind in der Region noch vier Millionen Menschen obdachlos. Es gibt kaum freie Grundstücke, auf denen die Menschen ihr Haus bauen können. Das ist ein riesiges Problem.“Der Taifun habe deutlich gezeigt, wie wichtig ein Vorsorgeplan für die Menschen ist. Dort, wo dieser bereits vorhanden ist, habe etwa die Evakuierung besser funktioniert. „Dieser Vorsorgeplan ist verankert in der Bevölkerung. Sehr viele Leute sind an der Umsetzung beteiligt. Sie haben gelernt, wohin man am besten flüchtet, sie haben bereits im Vorfeld Häuser ausgemacht, die als Evakuierungsgebäude taugen.“ Diese Pläne seien etwas Besonderes, nun sollen auch für die restlichen Dörfer solche Pläne entwickelt werden.

Derzeit versuche die Diakonie mit Hilfe ihrer Partner im Katastrophengebiet vor allem Randgruppen zu helfen und jenen, „die wirklich nichts haben“. Die Auswahl der Empfänger sei aber sehr schwierig, räumt Rastl-Kircher ein. Der Schwerpunkt der Arbeit liege jedenfalls auf den Dörfern, in denen bisher nur wenig Hilfe ankam.

Hilfe für die Menschen auf den Philippinen bitte an: Erste Bank, Kennwort: Wiederaufbau Philippinen, IBAN: AT85 2011 1287 1196 6333, BIC: GIBAATWWXXX

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ISSN 2222-2464