Ökumenischer Empfang im Zeichen des interreligiösen Dialogs

Bischof Michael Bünker, Kardinal Christoph Schönborn und Metropolit Michael Staikos (von li)
Bischof Michael Bünker, Kardinal Christoph Schönborn und Metropolit Michael Staikos (von li)

Kardinal Schönborn: Säkularisierung als positive Herausforderung

Wien (epd Ö) – Informationen über interreligiöse Projekte prägten den diesjährigen „Ökumenischen Empfang“, zu dem Kardinal Christoph Schönborn am Montagabend, 18. Jänner, Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen in das Erzbischöfliche Palais geladen hatte. Die Tendenzen, „Religion insgesamt kritisch zu betrachten und gesellschaftlich zu marginalisieren“ sieht der Kardinal als positive Herausforderung für die Kirchen und als „Stachel“, der zu einer stärkeren Besinnung auf den christlichen Auftrag führen könnte. Schönborn bekräftigte sein „fundamentales Ja zu dieser Gesellschaft in dieser Zeit“. Es brauche das Vertrauen, „dass Gott dort am Werk ist, wo wir ihn noch nicht sehen“. Zur ökumenischen Situation sagte Schönborn, „viel Gutes“ geschehe „im täglichen, gemeinsamen Glauben“. Trotz der immer wieder geäußerten Zweifel und Rückschrittsbefunde – Schönborn erwähnte in diesem Zusammenhang die Versuche des Vatikans, die Piusbrüder „zurückzugewinnen“ oder auch die „Antwort auf die Bitte der Anglikaner, ihnen Möglichkeiten in der römisch-katholischen Kirche zu eröffnen“ – habe Papst Benedikt „deutlich gemacht, dass er die ökumenischen Bemühungen nicht hinter das Zweite Vatikanische Konzil zurückdrehen“ wolle.

Im dem von Univ.-Prof. Rudolf Prokschi moderierten Empfang berichtete die Leiterin des Schulzentrums Friesgasse, Sr. Beatrix Mayerhofer, vom interreligiösen Konzept der römisch-katholischen Privatschule in Wien. Dabei gehe es darum, „mit Respekt jeder einzelnen Religion ihren Freiraum zu geben“. So könne die Schule dazu beitragen, „dass die Weichen des Lebens in eine gute Richtung gestellt werden“.

Der Leiter des St. Georgs-Kollegs in Istanbul, Franz Kangler, erläuterte die Situation der unterschiedlichen Religionen im türkischen Staat. Obwohl die Türkei vor allem im Zusammenhang mit dem Islam gesehen werde, habe „das Christentum viel mit der Türkei zu tun“. Trotz der oft „mühevollen Zeiten“ für die christliche Minderheit bemerkt Kangler, der seit 30 Jahren in Istanbul lebt, eine größere Offenheit: Eine Diskussion in einer offenen Zivilgesellschaft über religiöse Fragen und etwa auch die Rolle des Christentums sei nun möglich, „vor 30 Jahren war das undenkbar“. Zudem führe die Minderheitensituation der Kirchen im Land zu unerwarteten ökumenischen Impulsen. So berichtete Kangler, dass er vom Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Istanbul gebeten worden sei, dessen zwei Buben zu taufen, damit dieser als Vater an der Feier teilnehmen konnte. Damit habe er als katholischer Geistlicher in einer evangelischen Kirche zwei Buben im katholischen Ritus für die evangelische Kirche getauft, erzählte der Leiter des St. Georgs-Kollegs.

Erstmals präsentierte sich beim Ökumenischen Empfang das „Ökumenische Forum Christlicher Frauen“. Gemeinsam stellten die Vorsitzende der Evangelischen Frauenarbeit, Evelyn Martin, und die römisch-katholische Theologin Veronika Prüller-Jagenteufel die Arbeitsweisen, Ziele und die europäische Vernetzung des Frauenforums dar. Neben der Basisvernetzung will das Forum auch Sprachrohr für die Anliegen von Frauen sein. Der Impuls für die europäische Vernetzung kam, so Martin, von der ersten reformierten Pfarrerin, Ruth Epting. Ein wichtiger Punkt auf dem Weg zur europäischen Struktur sei auch die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung in Graz (1997) gewesen. Heute ist die Arbeit des Forums von starken sozialen Interessen geprägt, was sich etwa auch an der Mitarbeit am ökumenischen Sozialwort gezeigt habe. Auch heuer wird das Forum wieder bei der „Langen Nacht der Kirchen“ mit einem eigenen Angebot präsent sein, kündigte Martin an.

ISSN 2222-2464