Mehr als 350 000 Menschen bei Langer Nacht der Kirchen

Die Lange Nacht der Kirchen wurde heuer mit einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelisch-methodistischen Kirche im 15. Wiener Bezirk eröffnet. Foto: Ben Nausner
Die Lange Nacht der Kirchen wurde heuer mit einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelisch-methodistischen Kirche im 15. Wiener Bezirk eröffnet. Foto: Ben Nausner

Methodistischer Bischof Streiff ruft bei ökumenischem Eröffnungsgottesdienst Christen zum gesellschaftlichen Engagement auf

Wien (epdÖ) Mit einem österreichweiten Glockengeläut ist am Freitagabend kurz vor 18 Uhr die „Lange Nacht der Kirchen“ gestartet worden. Mehr als 740 Kirchen in ganz Österreich zwischen dem Bodensee und dem Neusiedlersee öffneten ihre Türen und luden zu mehr als 3.000 Programmpunkten, die laut Veranstalter von mehr als 350 000 Menschen besucht wurden. Allein in Wien wurden 140 000 Besucher gezählt. Es ist bereits die elfte von den christlichen Kirchen in Österreich gemeinsam veranstaltete „Lange Nacht“.

Der ökumenische Eröffnungsgottesdienst fand heuer in der evangelisch-methodistischen Kirche im 15. Wiener Bezirk statt. An dem Gottesdienst nahmen Vertreter zahlreicher christlichen Kirchen teil, unter ihnen der evangelisch-methodistische Superintendent und derzeitige Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich Lothar Pöll, der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld, der katholische Bischofsvikar Dariusz Schutzki, der altkatholische Bischof John Okoro und der anglikanische Erzdiakon Patrick Curran sowie weitere evangelische und orthodoxe Kirchenvertreter. Der methodistische Bischof Patrick Streiff, der aus der Schweiz angereist war, hielt die Predigt.

Streiff beklagte in seiner Predigt die weltweiten humanitären Katastrophen. Zugleich rief er die Christen dazu auf, sich in Verbundenheit mit Christus für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Der Bischof erinnerte an die „unzähligen Bilder und Kurznachrichten von Leid und Zerstörung, die tagtäglich zu sehen und hören sind, Bootsflüchtlinge im Mittelmeer, Bürgerkrieg in Syrien, Gewaltorgien des selbst ernannten Islamischen Staates, verheerende Erdbeben in Nepal.“ An manchen Orten seien es schreckliche Naturkatastrophen, „aber meist kommt die schrecklichste Finsternis verursacht von Menschen über andere Menschen“.

Gott sei den Menschen jedoch stets nahe. Streiff: „In seinem Tod hat Jesus die finstersten Seiten menschlicher Ablehnung und Gewalt ertragen bis hinein in die Finsternis der Gottverlassenheit. In seiner völlig unerwarteten Auferweckung hat Gott bezeugt, dass keine Finsternis zu finster bleibt für ihn.“ Wo immer der auferstandene Christus seinen Jüngern begegnete, habe er ihnen den Friedensgruß zugesprochen. In der inneren Verbundenheit mit dem auferstandenen Herrn hätten seine Jünger Barmherzigkeit gelebt und Frieden gestiftet, „sie haben nach Gerechtigkeit getrachtet und mit Trauernden getrauert“. Diesem Beispiel müssten die Christen auch heute folgen, appellierte der methodistische Bischof.

Streiff erinnerte zudem auch an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren: „Die Erinnerung an den vor 70 Jahren beendeten Zweiten Weltkrieg hat hoffentlich da und dort auch zum Nachdenken über die Rolle des eigenen Landes und Volkes in diesem langen, grausamen Krieg geführt.“

ISSN 2222-2464