Kirchen: Sorgfältige Vorbereitung für muslimische Taufwerber

In der einjährigen Vorbereitungszeit werden den Taufwerbern wesentliche Glaubensinhalte vermittelt. Foto: epd/Uschmann
In der einjährigen Vorbereitungszeit werden den Taufwerbern wesentliche Glaubensinhalte vermittelt. Foto: epd/Uschmann

ÖRKÖ: Kirchen haben präzise Richtlinien

Wien (epdÖ) – Für Asylwerber, die aus islamisch geprägten Ländern nach Österreich kommen und sich taufen lassen wollen, haben die Kirchen in Österreich präzise Richtlinien für die Taufvorbereitung erarbeitet. Das hat der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) in einer Aussendung mitgeteilt. Bei der jüngsten ÖRKÖ-Vollversammlung in Wien berichteten der evangelische Oberkirchenrat Karl Schiefermair und die Leiterin des Koordinationsbüros der Österreichischen Bischofskonferenz für Katechumenat und Asyl, Friederike Dostal, über eine mindestens einjährige Vorbereitungszeit der Taufwerber.

Als wesentliche Teile des Taufunterrichts bezeichneten die beiden kirchlichen Experten die Einführung in die Glaubensinhalte und die Vermittlung des entsprechenden Wissens, die Hinführung zur persönlichen Umkehr und Neuorientierung der Lebensgestaltung, die Einübung in das Gebet und die Grundvollzüge von Kirche sowie die Integration in eine konkrete christliche Gemeinde. Von entscheidender Bedeutung sei die entsprechende fachliche und spirituelle Begleitung der Taufwerber.

Sowohl von Seiten der Österreichischen Bischofskonferenz als auch der evangelischen Generalsynode gibt es genaue Richtlinien, wie im Zusammenhang mit dem Taufunterricht von Asylbewerbern aus islamisch dominierten Ländern vorzugehen ist. Oberkirchenrat Schiefermair betonte, dass es sich bei den behördlichen Befragungen von Asylbewerbern über ihre Konversion um eine „staatskirchenrechtlich überaus sensible Frage“ handle. Die Behörde habe das Recht, vorgebrachte Asylgründe auf ihre Stichhaltigkeit zu untersuchen, aber es könne keine „Glaubensprüfung“ durch Richter oder Beamte geben.

Schiefermair und Dostal machten übereinstimmend auf zwei Problemzonen aufmerksam: Einerseits geht es um den Einsatz von Dolmetschern, die mit den christlichen Glaubensinhalten nicht vertraut sind. So habe etwa ein Dolmetscher für Farsi (Persisch) die Frage nach den „Sakramenten“ mit „Feste“ übersetzt, was sich naturgemäß in der Antwort des Befragten niederschlug, der Ostern, Weihnachten, Christi Himmelfahrt usw. aufzählte. Seit der Erhöhung der Flüchtlingszahlen kämen außerdem zunehmend nicht geprüfte Dolmetscher, sondern „Sprachkundige“ aller Art zum Einsatz. Dostal kündigte in diesem Zusammenhang an, dass ein Vokabularium erarbeitet wird, das die kirchlichen Fachausdrücke auf Farsi übersetzt. Andererseits zeigten sich aber auch Richter und Beamte immer wieder überfordert im Hinblick auf das Wissen über die konfessionellen Unterschiede innerhalb des Christentums.

Gesamteuropäische Solidarität in Flüchtlingsfrage

Der orthodoxe Metropolit von Austria, Arsenios Kardamakis, dankte in seinen Ausführungen bei der Vollversammlung dem Ökumenischen Rat der Kirchen für seine Haltung in der Flüchtlingsfrage. Die Mahnung des ÖRKÖ nach mehr europäischer Solidarität sei in Griechenland überaus positiv aufgenommen worden. Man habe diese Erklärung in Athen als Hinweis verstanden, dass die Kirchen in Österreich einen anderen Weg einschlagen als die Politik, so Kardamakis. Griechenland dürfe jetzt mit dem Flüchtlingsproblem nicht allein gelassen werden, „das wäre das Ende von Europa“, warnte der Metropolit. Trotz der humanitären Krise im Gefolge der wirtschaftlichen Probleme würden die Griechen den Flüchtlingen weiterhin helfen. Kardamakis: „Die Orthodoxe Kirche zeigt christliche Solidarität.“

Der Vorsitzende des Ökumenischen Rates, Superintendent Lothar Pöll, berichtete von großem Interesse für die neue Broschüre „Solidarische Gemeinde“. Mit der Broschüre will der ÖRKÖ den Pfarrgemeinden in Österreich Hintergrundinfos zu sozialen Fragen sowie konkrete Handlungsanregungen liefern, wie die Gemeinden ihr soziales Profil noch schärfen können. Die Broschüre ist auf der ÖRKÖ-Website unter www.oekumene.at als Download verfügbar oder kann beim Evangelischen Presseverband (, Tel. 01 712 54 61) bestellt werden.

ISSN 2222-2464