Kärnten: Früherer Superintendent Joachim Rathke verstorben

Joachim Rathke, Kärntner Superintendent von 1996 bis 2001, war über viele Jahre Pfarrer in Villach. Im Bild rechts die Evangelische Kirche am Stadtpark. Foto: epd/Uschmann - Raul de Chissota/wikimedia
Joachim Rathke, Kärntner Superintendent von 1996 bis 2001, war über viele Jahre Pfarrer in Villach. Im Bild rechts die Evangelische Kirche am Stadtpark. Foto: epd/Uschmann - Raul de Chissota/wikimedia

Superintendent Sauer und Bischof Bünker würdigen den „leidenschaftlichen Theologen und begnadeten Prediger“

Villach (epdÖ) Der frühere Superintendent der evangelischen Diözese Kärnten-Osttirol, Joachim Rathke, ist am Sonntag, 25. Februar, im 82. Lebensjahr verstorben. Vor seinem Amt als Superintendent (1996-2001) wirkte Rathke viele Jahre als Pfarrer in Villach. Die Trauerfeier findet am kommenden Freitag, 2. März, um 13.00 Uhr in der Evangelischen Kirche in St. Ruprecht statt.

Rathkes Nachfolger als Superintendent, Manfred Sauer, und Bischof Michael Bünker würdigen Rathkes theologische Kompetenz. „Er war nicht nur ein begnadeter Prediger und leidenschaftlicher Theologe, sondern er war auch historisch und kunstgeschichtlich interessiert und versiert“, schreibt Manfred Sauer in einem Nachruf. Bischof Michael Bünker hebt in einer ersten Reaktion Rathkes Engagement für die jungen Menschen in der Gemeinde und Schule hervor. Der „leidenschaftliche Pfarrer und Theologe“, sei immer „mit Herzblut“ dabei gewesen, so der Bischof, „streitbar und offen, immer getragen von der Botschaft der Bibel, die ihn auch in seinem Ruhestand beschäftigt hat“.

Der „Pfarrer mit Leib und Seele“ habe junge Menschen „in ihrem kritischen Geist sehr ernstgenommen“, erinnert Superintendent Manfred Sauer, und sie im Unterricht wie in der Jugendarbeit „zum eigenständigen Denken, zur kritischen Wachsamkeit und zum aufrechten Gang“ animiert. Die Evangelische Kirche habe Joachim Rathke von der Basisarbeit der Pfarrgemeinde über die Diözese bis hin zur Synode „mit seinem Temperament, mit seiner theologischen Weite und seinen besonderen Begabungen wesentlich nachhaltig mitgeprägt und mitgestaltet“, betont Sauer. Als Visionär habe Rathke sich nicht gescheut, gegen Widerstände theologisch und gesellschaftspolitisch Position zu beziehen. In Kärnten habe sich Rathke immer wieder für Minderheiten eingesetzt und sei für die Gleichberechtigung und Gleichstellung der slowenischen Volksgruppe eingetreten. Auch in der Flüchtlingsarbeit habe sich Rathke engagiert und sich dabei, so Sauer, „in eindrucksvoller Weise für die Schwächsten und Ärmsten“ stark gemacht.

Bünker und Sauer würdigen auch Rathkes ökumenisches Wirken. „Er war ökumenisch offen, sowohl im Blick auf die römisch-katholische Kirche wie auf die Orthodoxie. Zeit seines Lebens hat ihn die Frage bewegt, wer Jesus Christus für uns heute ist. Das war der rote Faden seines Wirkens in der Gemeinde und in der Kirche“, fasst Bischof Michael Bünker Rathkes breites Tätigkeitsfeld zusammen. Für Superintendent Sauer war Rathke in der Ökumene „Vorreiter und Brückenbauer“. Bereits als Pfarrer in Villach habe er wegweisende ökumenische Initiativen und Impulse gesetzt. Sauer abschließend: „Joachim Rathke war ein „glaubwürdiger Zeuge und Verkünder des Evangeliums, der auch in Krisenzeiten immer auf die Gnade und Barmherzigkeit Gottes und die liebevolle Zuwendung durch Christus vertraut hat. Er war vielen ein Vorbild.“

Joachim Rathke wurde 1936 in Ostpreußen geboren. Sein Vater war brandenburgischer Pfarrer und seine Mutter Kärntnerin. Als das sechste von acht Kindern kam er als Kleinkind nach Pommern und floh mit seiner Familie als Achtjähriger vor den herannahenden Russen nach Villach. Nach seinem Theologiestudium war er Lehrvikar in Villach, später dann Pfarrer in Fresach und ab 1969 amtsführender Pfarrer in Villach. Über viele Jahre wirkte Rathke in der Synode und Generalsynode mit, wo er auch Obmann des theologischen Ausschusses war. Am 20. Jänner 1996 wurde er zum Superintendenten der Evangelischen Diözese Kärnten-Osttirol gewählt, das Amt hatte er bis zu seiner Pensionierung am 31. Dezember 2001 inne.

Joachim Rathke war seit 1961 verheiratet mit Hildgunde Leopoldine, geborene Kiesling. Dem Ehepaar wurden drei Kinder geschenkt. 1984 erhielt Rathke das silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 2001 den Berufstitel „Hofrat“.

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ISSN 2222-2464