Im Gespräch: „Fleisch, Klima, Zukunft“

"Nicht warten, bis uns politische Regelungen dazu quasi zwingen, sondern Verantwortung übernehmen für den eigenen ökologischen Fußabdruck, für die persönlichen CO2-Emissionen – und da ist eben der Fleischkonsum ein Faktor." Foto: pixabay
"Nicht warten, bis uns politische Regelungen dazu quasi zwingen, sondern Verantwortung übernehmen für den eigenen ökologischen Fußabdruck, für die persönlichen CO2-Emissionen – und da ist eben der Fleischkonsum ein Faktor." Foto: pixabay

Maria Katharina Moser darüber, was der Mensch essen soll

„Meine Enkelin Sophia ist unter die Vegetarier gegangen. Wegen dem Klima, sagt sie“, berichtet mir Erna und hebt etwas ratlos die Schultern. Erna fragt sich, ob das wirklich etwas bringt.

Diese Frage stellen sich viele, und sie wird auch in den Medien heftig diskutiert. Fest steht: Mit persönlicher Verhaltensänderung allein ist es nicht getan. „Klimaschädigende Subventionen müssen abgebaut und Treibhausgase besteuert werden“, so eine Forderung von Fridays for Future. Bei einer Pressekonferenz stellten sich dieser Tage führende Vertreter der Religionsgemeinschaften hinter Fridays for Future. „Die Bewahrung der Schöpfung ist eine Verantwortung, die uns allen gemeinsam und jedem und jeder einzelnen gegeben ist“, so der evangelische Bischof Michael Chalupka. „Persönliche Verhaltensänderung und politische Maßnahmen gegeneinander auszuspielen, bringt uns nicht weiter. Es braucht politische Maßnahmen, um die Überhitzung unserer Erde zu stoppen. Damit die Politik die nötigen Maßnahmen setzt, braucht es aber auch deutliche Signale der Bürger und Bürgerinnen: Wir wollen Klimagerechtigkeit, und wir sind bereit, dafür etwas zu tun und unsere Lebensweise zu ändern. Es entspricht der evangelischen Tradition, in Freiheit Verantwortung zu übernehmen.“

Das heißt auch: Nicht warten, bis uns politische Regelungen dazu quasi zwingen, sondern Verantwortung übernehmen für den eigenen ökologischen Fußabdruck, für die persönlichen CO2-Emissionen – und da ist eben der Fleischkonsum ein Faktor.

Die Frage „Was soll der Mensch essen?“ beschäftigt schon die Bibel. Am sechsten Tag der Schöpfungsgeschichte fordert Gott nicht nur die Menschen auf, sich zu vermehren und über Erde zu walten. Er sorgt sich auch um ihre leibliches Wohl und übergibt ihnen „alle Pflanzen zu eurer Speise.“ Die paradiesische Nahrung war rein pflanzlich. Fleisch zu essen, erlaubte Gott den Menschen erst nach der Sintflut: „Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise.“ Allerdings gab es für die meisten Menschen in biblischen Zeiten selten Fleisch. Wenn, dann zu Festen. Nur eine kleine Oberschicht konnte sich regelmäßigen Fleischkonsum leisten. Und so findet Erna keinen eindeutigen Hinweis in der Bibel, ob es nun falsch oder richtig ist, Fleisch zu essen.

Aber Erna beschäftigt schon eine andere Frage: In welchem vegetarischen Kochbuch finde ich einen guten Ersatz für das Schnitzl? Kein Fleisch soll ja schließlich nicht heißen, dass sie ihrer Enkeltochter kein Festessen zum nächsten Geburtstag kocht. Wenn ihre Enkeltochter sagt, Verzicht auf Fleisch sei wichtig für das Klima und es gehe um ihre Zukunft, dann will Erna das unterstützen. Sie will ja eine gute Zukunft für Sophia.

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ISSN 2222-2464