Hennefeld: Sorge um Situation in Nahost, Kritik an Trump

Zum verstärkten Einsatz für den Frieden hat der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen, Thomas Hennefeld aufgerufen. Hennefeld predigte in der Vesper, die dem traditionellen ökumenischen Empfang (Bild) voranging. Foto: epd/Uschmann
Zum verstärkten Einsatz für den Frieden hat der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen, Thomas Hennefeld aufgerufen. Hennefeld predigte in der Vesper, die dem traditionellen ökumenischen Empfang (Bild) voranging. Foto: epd/Uschmann

„Brauchen kleine Schritte auf dem Weg des Friedens, nicht Politiker, die den Kriegspfad beschreiten“

Wien (epdÖ) – Tief besorgt über die angespannte Situation im Nahen Osten hat sich der reformierte Landessuperintendent und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Thomas Hennefeld, gezeigt. In seiner Predigt bei einer ökumenischen Vesper am Mittwochabend, 1. Februar, in der reformierten Stadtkirche in Wien rief Hennefeld die Kirchen zum verstärkten gemeinsamen Friedenseinsatz auf und kritisierte zugleich die konfliktorientierte Außenpolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Die Vesper war der Auftakt des traditionellen Ökumenischen Empfangs, zu dem Kardinal Christoph Schönborn im Anschluss ins Erzbischöfliche Palais lud.

„Was die Region im Nahen Osten braucht, ist Frieden und Sicherheit für alle dort lebenden Menschen“ und kein Triumph des Einen über den Anderen, so Hennefeld in seiner Predigt: „Wer darüber frohlockt, dass das messianische Zeitalter mit dem Amtsantritt Donald Trumps nähergekommen ist, der braucht sich nicht wundern über künftigen Terror, den Ausbruch neuer Gewalt und Blutvergießen in dieser sowieso schon explosiven Region.“

Visionen seien in Mode gekommen, sagte Hennefeld. Diese könnten aber sehr unterschiedlich aussehen. „Die einen bauen darauf, ihr Land wieder großzumachen, was immer das heißen mag, dazu gehören anscheinend auch hohe Mauern; andere bauen lieber Brücken und treten dafür ein, Mauern niederzureißen.“ Es brauche „Visionen und kleine Schritte auf dem Weg des Friedens, nicht Politiker, die den Kriegspfad beschreiten“.

Auch wenn Kirche und Religion laut Hennefeld in der Gesellschaft eine immer geringere Rolle spielen und die Mitgliederzahl abnimmt, dürfe es keine Abkehr von der Gesellschaft geben. Die Kirche liege sicher nicht „in den letzten Zügen“, denn die Kirche sei letztlich „nicht von Menschenhand gemacht“. „Auch wenn es innerhalb der Institutionen sehr menschelt, so dürfen wir doch hoffen, dass Gott uns in eine gute Zukunft führt“, zeigte sich der ÖRKÖ-Vorsitzende optimistisch.

Deshalb gelte es, in erster Linie nicht die eigenen Befindlichkeiten, sondern „das Wohl des Ganzen“ im Blick zu haben. Hennefeld: „Nur so werden wir dazu beitragen, dass die Welt sich zum Guten verändert, werden wir überzeugt sein, dass Kriege keine Lösungen bringen, werden wir erkennen, dass Streit zwischen den Völkern noch immer die Gefahr der Auslöschung unseres Planeten in sich birgt und dass die hemmungslose Gier, dass einige nicht genug bekommen können, irgendwann auch bei uns zur sozialen Explosion führen könnte.“

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ISSN 2222-2464