Graz: Starkes interreligiöses Zeichen bei Gedenkfeier

Zur Gedenkfeier in Graz kamen die Spitzen der Republik Österreich. Die Evangelische Kirche wurde durch Superintendent Hermann Miklas (3.v.l.) vertreten. (Foto: Rainer Juriatti)
Zur Gedenkfeier in Graz kamen die Spitzen der Republik Österreich. Die Evangelische Kirche wurde durch Superintendent Hermann Miklas (3.v.l.) vertreten. (Foto: Rainer Juriatti)

Aufruf der Religionsvertreter für mehr Miteinander

Graz (epdÖ) – Mit einem stillen Trauerzug und einer Gedenkveranstaltung am Grazer Hauptplatz am 28. Juni haben Tausende Menschen ein deutliches Zeichen der Verbundenheit mit den Opfern der Amokfahrt vor einer Woche und ein Bekenntnis zum friedlichen Zusammenleben gesetzt. Ein interreligiöser Text, verlesen von Bischof Wilhelm Krautwaschl, Superintendent Hermann Miklas und Ali Kurtgöz von der Islamischen Glaubensgemeinschaft, brachte dabei die Fassungslosigkeit und Trauer nach den tragischen Ereignissen genauso ins Wort wie das Mitgefühl und das Gebet für die Opfer und deren Angehörige. Bei der Veranstaltung am Sonntagnachmittag waren mit Bundespräsident Heinz Fischer, Nationalratspräsidentin Doris Bures, Bundeskanzler Werner Faymann sowie Hermann Schützenhöfer und Siegfried Nagl die Spitzen von Staat, Land und Stadt anwesend.

Eindringlich sprachen die Religionsvertreter davon, dass die Tat vor einer Woche „eine ganze Stadt verletzt“ und eine „tiefe Wunde geschlagen“ hat, „die noch offen ist und erst heilen muss“. In dieser Situation gelte es „zusammenzurücken im gemeinsamen Gedenken vereint in Trauer ohne Hass“. Im Vertrauen auf Gott „möge aus Trauer Hoffnung, aus Rache Barmherzigkeit werden“, bat der Vertreter der Islamischen Glaubensgemeinschaft und sagte: „Beschütze unser Land vor Rassismus, Gewalt und Feindseligkeiten. Schenke uns Frieden im Diesseits und im Jenseits!“ Superintendent Miklas erinnerte an die spontane Hilfsbereitschaft: „Diese Mitmenschlichkeit haben spontan viele Menschen im Umfeld der Opfer gezeigt, als sie hinliefen, anpackten und einfach sich gegenseitig stützten, diese Mitmenschlichkeit zeigten auch die professionellen Helferinnen und Helfer, die Großartiges seit diesem Samstag geleistet haben. Danke an sie alle, möge Gott sie weiterhin stärken.“

Der von den drei religiösen Amtsträgern verlesene Text endete mit dem Aufruf, zusammenzustehen, auf die Menschen im eigenen Umfeld zuzugehen und dem Wunsch: „Weniger ich, mehr wir. Das können wir leisten. Ganz einfach und sofort und jeden Tag aufs Neue.“ Unter den Repräsentanten der Religionen war auch der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister. Die Bundesregierung war zusätzlich durch Vizekanzler Reinhold Mitterlehner und Familienministerin Sophie Kamarsin vertreten.

ISSN 2222-2464