Fresacher Toleranzgespräche 2016 weiten Programm aus

"Wenn wir uns nicht um die Bedingungen jenseits der Grenzen kümmern, werden die Menschen zu uns kommen", sagte Hannes Swoboda, Präsident des Kuratoriums Denk.Raum.Fresach bei der Programmpräsentation in Wien. (Foto: Michael Jeuter)
„Wenn wir uns nicht um die Bedingungen jenseits der Grenzen kümmern, werden die Menschen zu uns kommen“, sagte Hannes Swoboda, Präsident des Kuratoriums Denk.Raum.Fresach bei der Programmpräsentation in Wien. (Foto: Michael Jeuter)

Grenzen Europas und Folgen des Klimawandels im Mittelpunkt

Wien/Fresach (epdÖ) – Die Grenzen Europas, Menschenrechte und die Folgen des Klimawandels stehen im Mittelpunkt der Europäischen Toleranzgespräche 2016 im Kärntner Bergdorf Fresach. „Grenzen sind auch Orte des Willkommens“, sagte Hannes Swoboda, Präsident des Kuratoriums Denk.Raum.Fresach bei der Programmpräsentation am Dienstagabend, 3. November, in Wien. Beim erfolgreichen Start im Mai dieses Jahres sei klar geworden, dass „Toleranz mehr bedeutet als tolerieren“, nämlich „einen Dialog eingehen, durchaus auch Differenzen sehen und den Anderen anzuerkennen“, so der Europapolitiker. Die Toleranzgespräche wollen die „Debatte zu den Menschen vor Ort bringen“ und die Region einbeziehen. Zur Flüchtlingskrise erklärte Swoboda: „Wenn wir uns nicht um die Bedingungen jenseits der Grenzen kümmern, werden die Menschen zu uns kommen.“ Wenn etwa durch den Klimawandel ganze Regionen im Wasser verschwinden, werde es genauso zu Wanderungen kommen wie bei Kriegen. Der Wohlstand in Europa lasse sich nur halten, „wenn wir mehr dafür sorgen, dass in unserer Nachbarschaft ähnliche Bedingungen herrschen“.

Der Klimawandel sei Teil des globalen Wandels, „wir bewegen uns längst schon an den Grenzen des Machbaren“, meinte Verena Winiwarter von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Krieg sei „der größte Ressourcenfresser“, ohne Frieden gebe es keine Nachhaltigkeit. Voraussetzung für den Frieden sei Toleranz, wenn man etwa Lebensformen, die „nicht im Mainstream sind“ mit Toleranz begegne, stärke dies eine Gesellschaft. Generell sieht Winiwarter „Toleranz als wesentlich unterschätzte Ressource“. Am Denkraum Fresach überzeugt sie, „dass wir nicht über andere, sondern miteinander sprechen“.

Beeindruckt vom deutlich erweiterten Programm – 2016 werden etwa 30 statt zuletzt 15 AutorInnen nach Fresach kommen – zeigte sich auch der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker. Der für die Geschichte der Protestanten so wichtige Ort Fresach bekomme durch die Toleranzgespräche „zentrale Bedeutung“. Spannende Diskurse und bereichernde Begegnungen erwartet auch der Kärntner Superintendent Manfred Sauer, der die Toleranzgespräche mitinitiiert hatte. „Mit dem Rückenwind der ersten Veranstaltung haben wir uns fast nahtlos an die Planung für 2016 gemacht und mit dem Schwerpunkt Klimawandel und Migration ein Thema festgelegt, das uns im Augenblick alle fordert und beschäftigt“, betont er gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Durch die anhaltende Flüchtlingsbewegung werde der Begriff Klimawandel weiter gefasst, so werde das Programm auch die Auswirkungen verstärkter Zuwanderung auf Kultur und Religiosität thematisieren. Die Liste der ReferentInnen, die bereits zugesagt haben, verheiße „Horizonterweiterung und wichtige Erkenntnisse“, ist Sauer überzeugt.

Die Europäischen Toleranzgespräche 2016 werden in der Pfingstwoche vom 11. bis 14. Mai stattfinden. Die Eröffnung zu Ehren der Schriftsteller und Wissenschafter erfolgt am Vorabend in Villach in Anwesenheit des Bundespräsidenten und zahlreicher europäischer Spitzenpolitiker. Das Eröffnungsreferat hält am 12. Mai in Fresach der frühere deutsche Umweltminister und langjährige Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Klaus Töpfer.

ISSN 2222-2464