Evangelische Synoden in St. Pölten mit Gottesdienst eröffnet

Oberkirchenrätin Reiner bei der Predigt im Synodeneröffnungsgottesdienst. Foto: epd/Uschmann
Oberkirchenrätin Reiner bei der Predigt im Synodeneröffnungsgottesdienst. Foto: epd/Uschmann

Oberkirchenrätin Reiner: „Krankenhaus-SeelsorgerInnen nehmen sich für andere Zeit“

St. Pölten (epdÖ) – Mit einem feierlichen Gottesdienst in der neu renovierten Kirche von St. Pölten wurden am Sonntag, 7. Dezember, die Synoden der Evangelischen Kirchen eröffnet. Bis zum 10. Dezember beraten rund 70 Delegierte aus ganz Österreich in der niederösterreichischen Landeshauptstadt und wählen am Montag neue Mitglieder in das Leitungsgremium des Oberkirchenrates.

In ihrer Predigt zum Synodengottesdienst ging Oberkirchenrätin Hannelore Reiner auf den Schwerpunkt zum Thema Krankenhaus- und Geriatrieseelsorge ein. Am Mittwoch, 10. Dezember, beschäftigt sich die Generalsynode in einem Studientag mit diesem wichtigen Thema. So wie Jesus sich der Menschen angenommen hat, so hätten auch KrankenhausseelsorgerInnen das Wohl der Menschen im Auge: „Menschen werden gesehen, ihre Geschichten, auch die leidvollen, werden gehört. Seelsorger und Seelsorgerinnen nehmen sich für andere Zeit – viele darunter ehrenamtlich – und suchen gerade jene, die es vielleicht nie mehr gewagt hätten, ins Pfarramt oder in eine Kirche zu kommen. In der Anonymität einer Großklinik oder eines Pensionistenheims können Menschen leicht verstummen“, so Oberkirchenrätin Reiner.

Trotz zahlreicher Aufgaben und Herausforderungen, die den Alltag in Kirche und Pfarrgemeinde prägen, dürfe der Nächste nicht vergessen werden, betonte Reiner. „Manchmal fürchte ich, dass die Aufrechterhaltung unseres ganzen Kirchenbetriebs, vom Gottesdienst am Sonntag angefangen über den Jahresabschluss und die Bildungsfragen bis zum sozialen Engagement und der regen Bautätigkeit uns so in Anspruch nimmt, dass wir das Nächstliegende übersehen, den oft stummen Menschen neben uns.“ Hier gelte es, sich ein Beispiel an Jesus zu nehmen, der auch jene Menschen sah, die an den Rand gedrängt wurden. Die Heilungsgeschichten des Neuen Testaments „ermutigen uns, als adventliche Menschen aufeinanderzuzugehen, im Vertrauen auf die Nähe Gottes und auf den Segen, den er in unsere Hände gelegt hat“. Gottesdienste sollen Orte sein, „wo Menschen gesehen und berührt werden, auch spürbar und begreifbar“, sagte die Oberkirchenrätin in dem Gottesdienst, in dem auch eine persönliche Segnung angeboten wurde.

Im Anschluss an den Gottesdienst gab Landeshauptmann Erwin Pröll einen Empfang für die Mitglieder der Synode. In einem Grußwort, das vom niederösterreichischen Superintendenten Paul Weiland verlesen wurde, unterstrich der Landeshauptmann die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Kirchen und Land und dankte der Evangelischen Kirche für ihren Beitrag. Gerade in der heutigen Zeit brauche es, so Pröll, Institutionen wie die Evangelische Kirche, die für Menschen als „Begleiter, Tröster und Sinnspender“ wirken sowie Halt und Werte vermitteln.

Der St. Pöltner Bürgermeister Matthias Stadler hob in seinem Grußwort im Anschluss an den Gottesdienst den Gedanken der Toleranz hervor. Er sei froh, in einer Zeit zu leben, in der es „größtmögliche Toleranz“ zwischen den Kirchen gebe. Stadler erwähnte in diesem Zusammenhang auch die protestantischen Wurzeln des St. Pöltner Rathauses, die dessen Aussehen prägten. In einer Zeit, in der Verunsicherung und Werteverlust herrschten, brauche es Kirchen und Religionsgemeinschaften, die „festen Halt“ geben.

„Wir haben es gerade noch geschafft, rechtzeitig mit den Renovierungsarbeiten fertig zu werden“, sagte der Kurator der Pfarrgemeinde und Präsident der Synode Peter Krömer angesichts des großen Bauprojekts der letzten Monate. Bürgermeister Stadler ist sicher, dass die „gelungene Renovierung“ der Kirche und des Gemeindezentrums das Stadtbild bereichere. Gestaltet wurde der Gottesdienst von Birgit Meindl-Dröthandl, Rainer Gottas und Friedrich Rössler. An der Orgel war Marcus Hufnagel zu hören.

Bilder vom Gottesdienst finden sie im Internet unter foto.evang.at

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ISSN 2222-2464