Körtner warnt vor Forschung an Mensch-Tier-Mischwesen

Kritisch zur Forschung an Mensch-Tier-Mischwesen äußert sich der evangelische Theologe und Bioethiker Ulrich Körtner. Foto: wikimedia/John Crafword
Kritisch zur Forschung an Mensch-Tier-Mischwesen äußert sich der evangelische Theologe und Bioethiker Ulrich Körtner. Foto: wikimedia/John Crafword

Nicht nur Frage der Menschenwürde, sondern auch des Tierschutzes

Wien (epdÖ) – Starke Bedenken gegenüber der so genannten Chimärenforschung – also der Forschung an Mensch-Tier-Mischwesen, die in den USA schon bald staatlich gefördert werden könnte – äußert der Bioethiker und evangelische Theologe Ulrich H.J. Körtner in einem Beitrag auf science.orf.at. Das Kreuzen von menschlichen und tierischen Zellen, etwa zur Bekämpfung von Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Parkinson, beurteilten manche vom Standpunkt der Menschenwürde aus kritisch, weil beispielsweise Embryonen, die nicht zum Zweck der Fortpflanzung erzeugt werden, nach wenigen Tagen vernichtet werden. Das Thema berühre jedoch auch elementare Fragen der Tierethik, wenn etwa menschliche Krebszellen lebenden Tieren implantiert werden.

Es sei zu befürchten, dass die Chimärenforschung die Tür zu neuen, belastenden Tierexperimenten weiter öffne. Dabei sei der Nutzen solcher Experimente nicht einmal erwiesen, zumal sich viele Ergebnisse nicht von Tieren auf Menschen übertragen ließen. Auch wenn über die Forschung in den USA ein Kontrollgremium, dem auch Ethiker angehören, „wachen“ soll, sei die Frage der Chimärenforschung eine grundsätzliche: nämlich die, ob die Hoffnung auf neue Durchbrüche in der Forschung tatsächlich jedes erdenkliche Mittel heilige, so Körtner. Die beabsichtigte Aufhebung des Moratoriums für Chimärenforschung in den USA läuft für Körtner jedenfalls in die falsche Richtung. Der zweifelhafte Nutzen solcher Experimente wiege die ethischen Bedenken und Risiken nicht auf, zeigt sich der Ethiker überzeugt.

ISSN 2222-2464