Bischof Bünker: „Karfreitag ist Tag der Besinnung auf das Leiden in der Welt“

Der Karfreitag sei wichtig, „weil er den Weg Gottes bis ans Kreuz zeigt“, so Bischof Michael Bünker. Foto: pexels/David Lopez
Der Karfreitag sei wichtig, „weil er den Weg Gottes bis ans Kreuz zeigt“, so Bischof Michael Bünker. Foto: pexels/David Lopez

Persönlicher Feiertag „privatisiert öffentliche Religionsausübung“

Wien (epdÖ) – Als „Tag der Besinnung auf das Leiden in der Welt“ versteht der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker den bevorstehenden Karfreitag. Für Evangelische gilt er als zentraler Feiertag, „weil er den Blick schärfen kann für Menschen, die ohnmächtig sind, die unter Gewalt oder Krieg leiden.“ Der ganzen Gesellschaft, so Bünker gegenüber dem Evangelischen Pressedienst, würde ein solcher Tag guttun. Für Christinnen und Christen sei der Blick auf den Karfreitag wichtig, „weil er den Weg Gottes bis ans Kreuz zeigt“ und ihn als einen ausweise, der sich mit den Leidenden identifiziere und solidarisiere. Der Abschaffung des Karfreitags als Feiertag für Evangelische und Altkatholiken kann der Bischof daher nicht zustimmen. Kritik äußert er insbesondere daran, dass Angehörige der betroffenen Kirchen nun einen Urlaubstag heranziehen müssten, um den Karfreitagsgottesdienst am Vormittag zu besuchen.

„Braucht Debatte über Feiertage in Österreich“

Durch die Streichung des Feiertags und die Einführung eines „persönlichen Feiertags“ für alle, der als Urlaubstag zu nehmen ist, werde „die öffentliche Religionsausübung radikal individualisiert und privatisiert“, gibt Bünker zu bedenken. Es brauche unter den Bedingungen einer zunehmend religiös pluralen und säkularen Gesellschaft eine weitreichende Debatte darüber, wie mit Feiertagen in Österreich insgesamt umzugehen sei. Ein zusätzlicher, flexibel einsetzbarer Feiertag etwa würde diese Pluralität und die Bedürfnisse religiöser Minderheiten berücksichtigen.

Die Äußerung des Bundeskanzlers, wonach sich für 96 Prozent der Bevölkerung durch die neue Regelung nichts ändere, habe bei Evangelischen für Empörung gesorgt. „Nicht alles, was man einer Minderheit zuerkannt hat, ist eine Diskriminierung, sondern eine Anerkennung der besonderen Situation dieser Gruppe“, sagt Bünker. Dass die Evangelischen in Österreich eine Minderheit sind, sei Folge der Geschichte der Gegenformation mit einer weitgehenden Rekatholisierung des Landes, erinnert der Bischof.

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ISSN 2222-2464