60 Jahre Weltgebetstag der Frauen in Österreich

In der Wiener Donaucity-Kirche wurde der 60. Weltgebetstag der Frauen in Österreich gefeiert. Foto:Weltgebetstag der Frauen
In der Wiener Donaucity-Kirche wurde der 60. Weltgebetstag der Frauen in Österreich gefeiert. Foto:Weltgebetstag der Frauen

Feier in der Donaucity-Kirche mit Zeitzeuginnen

Wien (epdÖ) – Durch den Weltgebetstag der Frauen wurden „festgefügte Mauern überwunden, Misstrauen und Vorurteile abgebaut, Gemeinschaft wurde ermöglicht“: Dies betonten die Vorsitzende des Ökumenischen Nationalkomitees für den Weltgebetstag in Österreich, Eva-Maria Schaffer (katholisch), und ihre Stellvertreterin Marianne Domby (evangelisch-lutherisch), am Wochenende bei einer Feier in der Wiener Donaucity-Kirche. Anlass war das 60-Jahr-Jubiläum des österreichischen Zweigs dieser ältesten und größten ökumenischen Basisbewegung.

Beim Festakt kamen zwei „Zeitzeuginnen“ zu Wort, die wesentlichen Anteil an der Ausbreitung der Weltgebetstagsbewegung in Österreich hatten: Oberin Christine Gleixner und Inge Schintlmeister, langjährige Direktorin der Evangelischen Frauenarbeit. Christine Gleixner, selbst mehrere Jahre Vorsitzende des Ökumenischen Nationalkomitees für den Weltgebetstag der Frauen (und 1970 die erste katholische Predigerin in einer lutherischen Kirche), verwies darauf, dass die römisch-katholische Kirche beim Zweiten Vatikanischen Konzil die ökumenische Bewegung, der sie sich zuvor „verweigert“ hatte, als „Gnade des Heiligen Geistes“ erkannt habe. Dem damaligen Wiener Erzbischof, Kardinal Franz König, sei es ein „Herzensanliegen“ gewesen, der Ökumene Raum zu geben, erinnerte Gleixner, die von 2000 bis 2005 auch dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich vorstand. Die Frauen der verschiedenen Konfessionen hätten damals die ersten Schritte gesetzt; so sei aus „Fremdheit“ allmählich „Vertrautheit“ geworden. Dies sei umso bemerkenswerter vor dem Hintergrund der „historischen Belastung“ durch die österreichische Gegenreformation. Der Weltgebetstag der Frauen habe wesentlichen Anteil daran, dass der Gedanke der Ökumene in die Gemeinden hineingetragen wurde, betonte die Oberin.

Inge Schintlmeister erinnerte daran, dass nach dem Zweiten Weltkrieg, als „vieles in Trümmern lag“, der Wunsch nach Versöhnung stark ausgeprägt war. So sei 1948 auch die Gründung des Weltkirchenrats (ÖRK) zustande gekommen, in diesem Geist habe sich auch die Weltgebetstagsbewegung ausgebreitet. Der erste ökumenische Gottesdienst zum Weltgebetstag der Frauen 1952 in der Lutherischen Stadtkirche in der Wiener Dorotheergasse sei dann wesentlich von den Frauen der methodistischen Kirche, den Schweizer „Friedensdiensten“ und der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern inspiriert worden. Im Verlauf der Entwicklung sei es dann immer wieder darum gegangen, die konfessionellen Unterschiede „wahrzunehmen und zu respektieren“.

Frauen verbinden Klage mit Gotteslob

Als Vertreterin der vielen Frauen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten in den Pfarrgemeinden aller Konfessionen für den Weltgebetstag einsetzten, kam Annemarie Grohmann von der evangelischen Pfarrgemeinde Wien-Liesing zu Wort. Sie betonte, wie sehr sich die Anliegen der Frauen aus den alljährlich wechselnden Schwerpunktländern des Weltgebetstags gleichen: Es gehe immer um Widerstand gegen Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Gewalt, Umweltzerstörung. Zugleich sei bemerkenswert, wie die Frauen aus diesen Ländern die Klage mit dem Gotteslob verbinden. „Da können wir viel lernen“, meinte Grohmann.

Beim Festakt wurden Grußbotschaften aus aller Welt überbracht; persönlich u.a. von Corinna Harbig aus Slowenien, der Vorsitzenden des internationalen Exekutivkomitees der Weltgebetsbewegung und Europa-Verantwortlichen. Zuvor hatte in der Donaucity-Kirche eine eindrucksvolle Frauenliturgie stattgefunden, die im Zeichen des Mottos „Hoffnung in Christus – Quelle des Lebens“ stand. Die Kollekte galt einem Frauenzentrum in Dersim in Anatolien, über das die Politikwissenschaftlerin Mary Kreuzer im Detail berichtete. Dersim ist ein Zentralort der Zaza-sprechenden, alevitischen kurdischen Bevölkerung in Anatolien. Das mit aktiver Unterstützung der ersten Bürgermeisterin in der Türkei – Songül Abdil – begründete Frauenzentrum hilft Frauen durch rechtliche und psychosoziale Beratung und Gewaltprävention.

ISSN 2222-2464