Wien: Denkmal für Verfolgte der NS-Justiz feierlich enthüllt

Spätes Gedenken: Das Deserteursdenkmal am Wiener Ballhausplatz. Foto: epd/T. Dasek
Spätes Gedenken: Das Deserteursdenkmal am Wiener Ballhausplatz. Foto: epd/T. Dasek

Bünker: „Deserteure setzten deutliches Zeichen für Menschenwürde und Freiheit“

Wien (epdÖ) – Rund 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs hat nun auch Wien ein Deserteursdenkmal. Am Freitag, 24. Oktober wurde um 11 Uhr am Wiener Ballhausplatz das Denkmal für die Verfolgten der NS-Justiz unter dem Beisein von Bundespräsident Heinz Fischer feierlich enthüllt.

Bei dem Festakt wurde auf die Bedeutung des Denkmals hingewiesen, ohne die langwierige Entstehungsgeschichte auszublenden. Erst 2009 sind Wehrmachtsdeserteure vom Gesetzgeber als Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz anerkannt worden. Die rot-grüne Wiener Stadtregierung hat sich 2010 in ihrem Koalitionspakt zur Errichtung eines derartigen Denkmals verpflichtet. Vor dem Bau, mit dem im Frühjahr dieses Jahres begonnen wurde, gab es lange Diskussionen um den Standort. Im Herbst 2012 fiel die Wahl dann auf den Ballhausplatz. Entworfen wurde das Mahnmal von Olaf Nicolai. Es stellt ein auf dem Boden liegendes X dar und ist eine dreistufige, blaue Treppenskulptur. In die Oberfläche wurde eine Inschrift eingelassen, die nur aus den Worten „all“ und „alone“ besteht und ein Gedicht des schottischen Lyrikers Ian Hamilton Finlay zitiert. Der Widerstand des Einzelnen gegen die Masse soll dadurch besonders hervorgehoben und gewürdigt werden.

Für die Errichtung des Denkmals setzte sich von Anfang an ein breites zivilgesellschaftliches Personenkomitee ein, dem auch der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker angehört. „2009 – 70 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs – hat Österreich durch ein Gesetz beschlossen, die Urteile der NS-Militärjustiz aufzuheben und die Verurteilten endlich zu rehabilitieren. Deserteure und Wehrdienstverweigerer haben beim Krieg des verbrecherischen NS-Regimes nicht mitgemacht und dafür ihr eigenes Leben riskiert. Damit haben sie ein deutliches Zeichen gesetzt für Menschenwürde und Freiheit des Gewissens. Für sie und ihre Hinterbliebenen freue ich mich über die Errichtung eines Denkmals auf dem Ballhausplatz“, betont der Bischof gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Er habe diese Initiative von Anfang an „gerne persönlich unterstützt, auch die Evangelische Kirche hat sich durch ihre Erklärung zum 8. Mai 2012 dafür ausgesprochen“, sagt der Bischof, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist.

Zu der Eröffnungsfeier kamen zahlreiche Gäste aus den Bereichen Religion, Politik und Kultur. Die Eröffnungsrede hielt die Schriftstellerin Kathrin Röggla.

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ISSN 2222-2464