„Wichtig, Geschichte in die heutige Zeit zu übersetzen“

„Eine Aufforderung, Religionsfreiheit als Stütze der Menschenrechte zu stärken.“ GAW-Deutschland-Generalsekretär Enno Haaks über den Weg des Buches. Foto: epd/M. Uschmann
„Eine Aufforderung, Religionsfreiheit als Stütze der Menschenrechte zu stärken.“ GAW-Deutschland-Generalsekretär Enno Haaks über den Weg des Buches. Foto: epd/M. Uschmann

Mit dem deutschen GAW-Generalsekretär Enno Haaks am Weg des Buches

Afritz/Most na Soči (epdÖ) Seit zehn Jahren führt der „Weg des Buches“ Wanderinnen und Wanderer durch das evangelische Österreich. In 29 Tagesetappen – 24 zu Fuß und fünf am Rad – werden Interessierte auf den Pfaden der Bibelschmuggler aus der Zeit des Geheimprotestantismus von Ortenburg in Bayern über das Hausruckviertel und das Salzkammergut nach Kärnten geführt. Seit 2017 führt der nach der Stifterin und Namensgeberin der Diakonie de La Tour benannte „Elvine-de-La-Tour-Weg“ als Verlängerung des ursprünglichen Wegs des Buches in 18 weiteren Tagesetappen von Arnoldstein nach Triest. Für Enno Haaks, Generalsekretär des Gustav Adolf Werks in Deutschland, ist der Weg jedoch nicht nur eine Gelegenheit zur Erholung, sondern auch „eine Aufforderung, Religionsfreiheit als Stütze der Menschenrechte zu stärken.“

Der Weg, auf dem Evangelische während der Gegenreformation die Bibel aus Deutschland durch das römisch-katholische Habsburgerreich geschmuggelt haben, erinnere „an eine sehr bewegende Geschichte“, wie Haaks im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst meint. „Es war ja vor allem in Österreich für Protestantinnen und Protestanten eine sehr schwierige Zeit bis zum Toleranzpatent von 1781“, so Haaks, der gerade als Urlauberseelsorger in der kärntnerischen Pfarrgemeinde Afritz/Feld am See lebt und in seiner Funktion viel mit Diasporakirchen weltweit zu tun hat. „Menschen wurden verfolgt, weil sie Bibeln hatten, da es gleichbedeutend war mit protestantisch sein – das war gefährlich.“ Diese Geschichte mit Projekten wie dem Weg des Buches in die heutige Zeit zu übersetzen sei sehr wichtig, sagt Haaks. Er selbst habe einen tunesischen Freund, der wegen seiner Konversion zum Christentum in seiner Heimat verfolgt wurde. Es sei unvorstellbar, dass er in Tunesien mit einer Bibel auf der Straße spazieren gehe: „Diese Geschichten gehören zusammen. Das ist eine Erinnerung daran, wie mit dem Recht auf Religionsfreiheit umgegangen wird.“

Dennoch wünscht sich Haaks, der seine Wanderungen am Weg des Buches in einem Videoblog auf Twitter (twitter.com/glaubeverbindet) begleitet, noch mehr Resonanz für den länderübergreifenden Weitwanderweg: „Als ich vor zwei Jahren hier war hatte ich den Eindruck, dass noch mehr Leute verbeigekommen sind. Ich habe hier in Afritz mit der Mesnerin gesprochen, die sieht das genauso.“ Anklang gefunden hat der Weg jedenfalls bei einer Wandergruppe aus Wien Floridsdorf: 17 Gemeindemitglieder sind erst vor kurzem von einer einwöchigen Tour am slowenischen Teil des Weges entlang der Soča (Isonzo) zurückgekehrt.

Alle Informationen zum Weg des Buches sowie eine interaktive Wanderkarte gibt es unter www.wegdesbuches.eu.

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ISSN 2222-2464