Weitere 100 Menschen von Obdachlosigkeit bedroht

Diakonie-Chef Chalupka kritisiert „Unbeweglichkeit“ des Innenministeriums

Wien, 11. Oktober 2002 (epd Ö) Der Direktor der evangelischen Diakonie, Michael Chalupka, macht das Innenministerium für das Scheitern der Gespräche über die Betreuung von Asylwerbern verantwortlich und kritisiert dessen „Unbeweglichkeit“. Wunsch der Hilfsorganisationen sei es gewesen, dass in den nächsten Tagen „keine Menschen auf die Straße gestellt werden“. Darauf habe man aber „keine Antwort“ erhalten. Seit Donnerstag stünden wieder 100 Personen auf der Liste zur Entlassung aus der Bundesbetreuung und man wisse nicht, wohin mit diesen Menschen, beklagte Chalupka.

Der Diakonie-Direktor bestätigte, dass die von den Hilfsorganisationen eingerichteten Notquartiere voll sind. Die Hilfsorganisationen hätten ihre Kapazitäten zur Problemlösung ausgereizt. „Unsere MitarbeiterInnen und freiwilligen HelferInnen sind mit ihren Kräften am Ende. Dass vom Innenministerium kein Zeichen der Hilfestellung kommt, ist mir unverständlich,“ so Chalupka. Er verwies darauf, dass das Flüchtlingslager Traiskirchen nach den Entlassungen der letzten Tage nun wieder Kapazitäten habe, derzeit seien dort nur noch 800 Personen untergebracht. Chalupka forderte von Innenminister Ernst Strasser (V) ein „Moratorium“ für die Entlassung von Asylwerbern aus der Bundesbetreuung.

Enttäuscht ist der Diakonie-Chef, dass Strasser selbst an den Verhandlungen Mittwochnacht wieder nicht teilgenommen hat. Es habe auch deshalb kein Ergebnis erzielt werden können, weil Sektionschef Wolf Szymanski „keine Entscheidungsbefugnis“ gehabt habe.

ISSN 2222-2464