UNHCR: Mehr Menschen auf der Flucht als jemals zuvor

Die Gesamtzahl der Flüchtlinge, Binnenvertriebenen und Asylsuchenden liegt weltweit bei rund 65 Millionen Menschen, so das UNHCR. (Foto: UNHCR)
Die Gesamtzahl der Flüchtlinge, Binnenvertriebenen und Asylsuchenden liegt weltweit bei rund 65 Millionen Menschen, so das UNHCR. (Foto: UNHCR)

Start der Kampagne #WithRefugees, breite Unterstützung aus Österreich

Genf/Wien (epdÖ) – Durch Konflikte und Verfolgung erreiche die Zahl der von Flucht und Vertreibung betroffenen Menschen ein trauriges Rekordniveau, so die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR in einer aktuellen Aussendung anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni. Ein drastischer Anstieg im letzten Jahr bringe die Gesamtzahl der Flüchtlinge, Binnenvertriebenen und Asylsuchenden weltweit auf rund 65 Millionen, wie der UNHCR-Jahresbericht belegt. Damit wurde erstmals die 60-Millionen-Marke überschritten.

Unter den insgesamt 65,3 Millionen Menschen auf der Flucht sind 3,2 Millionen, die Ende 2015 auf die Entscheidung über ihren Asylantrag warteten (die höchste bisher von UNHCR verzeichnete Zahl), 21,3 Millionen Flüchtlinge (1,8 Millionen mehr als im Jahr 2014 und die höchste Zahl seit den frühen 1990er Jahren) sowie 40,8 Millionen Menschen, die gezwungen waren, ihr Zuhause zu verlassen und innerhalb ihres Heimatlands auf der Flucht sind. Das bedeutet einen Anstieg von 2,6 Millionen Menschen  im Vergleich zu 2014 und ist ebenfalls die höchste Zahl seit Beginn der Erhebungen.

Gemessen an einer Weltbevölkerung von 7,349 Milliarden Menschen sei damit statistisch jeder 113. Mensch entweder asylsuchend, binnenvertrieben oder Flüchtling – ein noch nie dagewesener Höchststand. Insgesamt ist die globale Zahl der Menschen auf der Flucht damit in etwa so groß wie die Einwohnerzahlen von Großbritannien, Frankreich oder Italien.

Während im Jahr 2005 durchschnittlich sechs Menschen pro Minute entwurzelt wurden, sind es heute 24 Menschen pro Minute – das sind statistisch zwei Menschen pro Atemzug.

„Immer mehr Menschen müssen aufgrund von Krieg und Verfolgung ihre Heimat verlassen, und das allein ist höchst beunruhigend. Doch auch die Faktoren, die Flüchtlinge in Gefahr bringen, steigen um ein Vielfaches“, meint UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi. „Auf dem Meer verlieren erschreckend viele Menschen ihr Leben, der Landweg ist durch geschlossene Grenzen zunehmend blockiert, und in manchen Ländern wird gegen Asyl politisch Stimmung gemacht. Die Bereitschaft von Staaten, nicht nur für Flüchtlinge, sondern im gemeinsamen Interesse der Menschlichkeit zusammenzuarbeiten, wird momentan herausgefordert. Dabei ist es genau dieser einende Geist, der so dringend gebraucht wird.“

Die Bemühungen Europas bei der Aufnahme von rund einer Million Flüchtlinge und Migranten standen 2015 im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Der Bericht zeigt jedoch, dass sich die große Mehrheit der Flüchtlinge außerhalb Europas aufhält. 2015 war auch ein Rekordjahr, was die Zahl der gestellten Asylanträge in den Industriestaaten betrifft: Insgesamt wurden zwei Millionen Anträge registriert. Laut den dem UNHCR zugänglichen Daten waren 51 Prozent der Flüchtlinge weltweit jünger als 18 Jahre. Besonders beunruhigend ist die hohe Zahl an Kindern, die allein reisten oder von ihren Eltern getrennt waren. Trotz der traurigen Rekordzahlen bei Flucht und Vertreibung war die Zahl derer, die in ihre Heimat zurückkehren konnten oder für die eine andere dauerhafte Lösung gefunden werden konnte (lokale Integration im Erstaufnahmeland oder Resettlement), niedrig.

Die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR hat im Vorfeld des Weltflüchtlingstags eine globale Kampagne für Solidarität mit Flüchtlingen gestartet. Herzstück der #WithRefugees-Kampagne ist eine Petition, in der Menschen weltweit aufgefordert werden, mit Flüchtlingen zusammenzustehen. Mit der Kampagne soll Unterstützung für Flüchtlinge vor dem Hintergrund steigender Flüchtlingszahlen, Anti-Flüchtlingsrhetorik und Verschärfungen von Asylgesetzen gezeigt werden.

Die Petition richtet sich an Regierungen und fordert sie auf, sicherzustellen, dass jedes Flüchtlingskind eine Ausbildung erhält. Jede Flüchtlingsfamilie soll an einem sicheren Platz leben können und jeder Flüchtling die Möglichkeit haben, zu arbeiten oder einen Beruf zu erlernen. Die #WithRefugees-Petition wird am 19. September vor dem UN-Weltgipfel zu Flüchtlingen und Migranten an die UN-Zentrale in New York übergeben.
Unterstützung und Engagement kommt auch von vielen heimischen Schauspielerinnen und Schauspielern. Unter den ersten UnterzeichnerInnen waren zahlreiche Ensemble-Mitglieder des Theaters in der Josefstadt, wo die Petition auch am Weltflüchtlingstag zum Unterschreiben aufliegen wird.

Link zur deutschsprachigen Kampagne und Petition: www.fluechtlingstag.org

ISSN 2222-2464