Superintendent Miklas: Außenorientierung der Kirche gerade in Zeiten der Krise

Steirische Superintendentialversammlung tagte in Kapfenberg

Kapfenberg (epd Ö) – „Die Welt ist eine andere geworden seit unserer letzten Superintendentialversammlung. Dieses Jahr wird wohl einen Platz in den Geschichtsbüchern unserer Enkelkinder bekommen“, sagte Superintendent Hermann Miklas in seinem Bericht bei der Superintendentialversammlung am vergangenen Samstag, 21. März, in Kapfenberg. Derzeit sei in der Gesellschaft und in der Kirche aber nach wie vor „business as usual“ angesagt, „jedenfalls an der Oberfläche“. Es gehe aber darum, „während der Krise schon das Neue zu denken“. So sei eine Verknüpfung herzustellen zwischen den Merkmalen der Krise und der kirchlichen Alltagswirklichkeit: „Der Glaube an die Unbesiegbarkeit des westlichen Gesellschafts- und Wirtschaftssystems ist nachhaltig erschüttert. Eine ganze Reihe von Menschen ist bereits auf Kurzarbeit gesetzt und muss zittern, dass sie nicht ganz ‚freigesetzt‘ wird.“ Auf die heutigen Jugendlichen warte niemand. Es sei logisch, „wenn sie sich weigern, erwachsen zu werden“. Er rede nicht von Menschen, so Miklas, „die wir zufällig im Fernsehen gesehen haben, sondern ich rede von unseren Gemeindegliedern, von den Menschen, die uns anvertraut sind“. Die Frage sei, wie die Kirche mit diesen Menschen, „wie wir mit ihnen umgehen“. Der Vergleich mit der Krankenhausseelsorge zeige, dass „wir die Menschen bekanntlich nicht heilen können, wohl aber gezielt ihre Sinnkrise ansprechen und mit ihnen und für sie beten“. Dieser Dienst am „Patienten Gesellschaft“ dürfte vielen Menschen „mehr bedeuten, als wir ahnen“. Damit dies gelinge, müsse die Außenorientierung verstärkt werden. Eine Möglichkeit sei es etwa, die anstehenden Karfreitags-Gottesdienste „in besonderer Weise auch existenziell berührend und thematisch aktuell zu gestalten“. Die zentrale Frage laute, „wie wir den Menschen unserer Zeit am besten zum Nächsten werden können“. Derartige thematische Gottesdienste könnten auch einmal im Quartal angeboten werden: „Wäre das nicht evangelisches Profil?“

Oberkirchenrätin Reiner: Dank an alle Pfarrfamilien

Die in der gesamtösterreichischen Kirchenleitung für Personalfragen zuständige Oberkirchenrätin Hannelore Reiner dankte bei der Superintendentialversammlung „allen Pfarrfamilien, die auch in Partnerschaft und Familie ihre Berufung und ihr Zeugnis leben als fröhliche Christen, mit allen Schwierigkeiten, die eben auch dazugehören“. Deutlich wandte sich Reiner gegen die „Seitenhiebe“ des früheren evangelischen Pfarrers und nunmehrigen katholischen Priesters Gerhard Höberth, der in Interviews evangelische Pfarrer als „Funktionäre“ abqualifiziert hatte und von einer angeblich besonders hohen Scheidungsrate unter evangelischen PfarrerInnen gesprochen hatte. „Beides entspricht nicht der Wahrheit. Im Gegenteil: Die Scheidungsrate liegt mit knapp 14 Prozent weit unter dem gesamtösterreichischen Durchschnitt“, sagte die Oberkirchenrätin. Reiner, die auch dem Zentralausschuss der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) angehört, erinnerte vor den steirischen Delegierten an die kommende Vollversammlung der Kirchenplattform, die im Juli in Lyon stattfinden wird. Die Unterschiedlichkeit der einzelnen Kirchen droht mitunter die Gemeinschaft „fast zu sprengen. Aber genau das scheint mir eine Bestätigung zu sein, wie wichtig die KEK ist als ein Konferenztisch, um den sich alle doch wieder versammeln, um einander zu hören und zu verstehen versuchen und um voneinander zu lernen“, so die Oberkirchenrätin.

Auf der Tagesordnung der Superintendentialversammlung standen unter anderem Investitionen für das Flüchtlingsheim in Deutschfeistritz, die Vorbereitung der 100. Superintenden-tialversammlung am 10. Oktober in Leoben und der Diözesanschwerpunkt des Jahres 2010/11, das den KonfirmandInnen gewidmet ist.

ISSN 2222-2464