Sumaya Farhat-Naser: Kreislauf der Gewalt beenden

Offener Brief an George Bush – Palästinensische Friedens- und Menschenrechtsaktivistin besucht evangelische Gemeinden in Österreich

Wien, 26. September 2001 (epd Ö) Die Palästinensische

Friedens- und Menschenrechtsaktivistin Sumaya Farhat-Naser hat in einem offenen Brief an den amerikanischen Präsidenten George Bush appelliert, „ein Ende für den Kreislauf der Gewalt zu suchen und lautstark gegen hass-bewirkende Klischees aufzutreten.“ In ihrem Brief an George

Bush warnt die evangelische Palästinenserin, die derzeit evangelische Gemeinden und Einrichtungen in Österreich besucht, eindringlich vor Verallgemeinerungen und Angriffen „gegen alle Araber“.

Trotz der Bilder von einzelnen Gruppen jubelnder Palästinenser wüssten die meisten, was Leiden und Schmerz bedeuteten, besonders für unschuldige Opfer und deren Familien. „Während mehr als drei Jahrzehnten Besetzung ihres Landes und ihrer Wohnstätten durch Israel haben die Palästinenser eine Unterjochung ihres Volkes erfahren, die mit der Werteordnung eines

anständigen Volkes nirgendwo in Einklang steht“, schreibt die graduierte Biologin, die sich seit 1997 ausschließlich der Friedensarbeit widmet. Die Vereinigten Staaten hätten dieser Unterjochung durch ihr Stillschweigen beigestimmt und sogar militärische Hilfe geleistet.

Farhat-Naser: „Und trotzdem haben viele von uns an offiziellen und privaten

Solidaritätskundgebungen teilgenommen, die in der ganzen Region stattgefunden haben, um das Verbrechen gegen das amerikanische Volk zu verdammen und unser Mitgefühl auszudrücken. Für den Weltfrieden arbeiten heißt fähig sein, hinter die aktuellen Ereignisse zu schauen, ein Ende für den Kreislauf der Gewalt zu suchen und lautstark gegen hass-bewirkende Klischees

aufzutreten.“ Die Gewalttäter müssen gefunden und vor Gericht gebracht werden, fordert die Menschenrechtsaktivisten, „aber sie zu töten schafft Märtyrer, bringt neue Terroristen hervor und gefährdet das Leben unschuldiger Unbeteiligter.“

ISSN 2222-2464