„Solidarität in Gefühlen und Taten“

Die Erinnerung an die Opfer des „Massakers von Rechnitz“ bleibt aktuell

Rechnitz (epd Ö) – „Wir müssen unsere Einstellungen an der Heiligen Schrift überprüfen und sensibler werden dafür, dass alle Menschen gleiche Würde besitzen und gleiches Recht beanspruchen dürfen.“ Dies betonte der burgenländische Superintendent Manfred Koch bei einer Gedenkveranstaltung in Rechnitz, die den Opfern eines Massakers an ungarischen jüdischen Zwangsarbeitern von Ende März 1945 galt. Rassismus und eine „Sündenbockmentalität“ wendeten sich zwar heute nicht mehr gegen die Juden, „weil es die im Burgenland kaum noch gibt“, sondern gegen Roma, Asylanten und Migranten. Ohne auf die gegenwärtig schwebende „Bleiberecht“-Diskussion einzugehen, distanzierte sich der Superintendent jedoch ausdrücklich von menschenverachtenden Bezeichnungen und Einstellungen in Gesellschaft und Politik. Koch zitierte dabei aus einem Psalm des Alten Testaments: „Ich will Hilfe schaffen dem, der sich danach sehnt.“

An der seit 1994 alljährlich stattfindenden Gedenkfeier beim Rechnitzer „Kreuzstadl“ nahmen auch Bürgermeister, der römisch-katholische Ortspfarrer und mehrere Vertreter von jüdischen Kultusgemeinden in Österreich und Ungarn teil. In kurzen Ansprachen würdigten sie den bleibenden Sinn von Erinnerung und Trauerarbeit und plädierten für eine „Gewissens- und Herzensbildung“. Der Schriftsteller Martin Pollack meinte unter Hinweis auf das anhaltende „Schweigen der Rechnitzer Bevölkerung zu den Ereignissen in den letzten Kriegstagen“ und den nach wie vor ungeklärten Verbleib der Opfer eine „Angst vor Gespenstern der Vergangenheit“ ausmachen zu können, der nur durch Offenheit zu begegnen sei.

In diesem Sinne erfolge demnächst die Errichtung einer regulären Gedenkstätte neben dem „Kreuzstadl“. Das kündigte der Vorsitzende des Trägervereins RE.F.U.G.I.U.S., Paul Gulda, an. Der international renommierte Pianist hatte zuvor bei seiner Begrüßung zu „Solidarität in Gefühlen und Taten“ aufgerufen; sie „stützt den Einzelnen, der sich gegenüber einer Übermacht aus Unrecht, Bedrohung und Angst allein sieht“. Das Gedenkstätten-Projekt, für das bereits erhebliche Spenden vorliegen und das auch von der EU gefördert wird, ist als ein Dokumentationszentrum allen Opfern des so genannten Südostwallbaus von 1944/45 gewidmet. Die Suche nach den etwa 200 Opfern des „Rechnitzer Massakers“ vom 24./25.März 1945 geht unterdessen mit Unterstützung des österreichischen Innenministeriums systematisch weiter.

ISSN 2222-2464