Schlusserklärung der EÖV3 in Sibiu verabschiedet

„Christen wollen Europa mitgestalten“

Sibiu (epd Ö) „Als Christen teilen wir die Verantwortung, Europa zu einem Kontinent des Friedens, der Solidarität, der Partizipation und der Nachhaltigkeit zu formen“: Mit diesem Satz haben die Teilnehmer an der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV3) in Sibiu in ihrer Schlusserklärung den Anspruch der Kirchen untermauert, die Welt im Sinn des Evangeliums mitzugestalten. Das Treffen unter dem Motto „Das Licht Christi scheint auf alle“ endete am Sonntag mit einer Schlussandacht.

In der am Samstagabend nach zähem Ringen beschlossenen Schlusserklärung wird der Verantwortung für die Schöpfung, den Migranten und der Globalisierung besondere Aufmerksamkeit gezollt. Im Blick auf die Ökumene heißt es in dem fünfseitigen Text, das Zeugnis der Kirchen für Erneuerung und Einheit werde nur dann glaubwürdig sein, „wenn wir unsere Reise in Richtung auf eine sichtbare Einheit fortsetzen“. In Sibiu sei die „schmerzhafte Wunde der Trennung der Kirchen“ erneut spürbar geworden. Tiefer als diese Trennungen seien aber die „gemeinsamen Wurzeln“. Es gebe keine Alternative zum ökumenischen Dialog, die Empfehlungen der „Charta Oecumenica“ von 2001 als einer „ermutigenden Richtschnur“ sollten dafür noch weiterentwickelt werden.

Die europäischen Staaten werden in der EÖV3-Schlusserklärung aufgefordert, ungerechtfertigte Festnahmen gegenüber Migranten zu stoppen und geordnete Zuwanderung zu gewährleisten und für die Integration von Zuwanderern, Flüchtlingen und Asylwerbern zu sorgen. Die Kirchen werden aufgerufen, ihre seelsorglichen Bemühungen um Migranten zu verstärken und auch für die Rechte ethnischer Minderheiten wie der Roma einzutreten.

Kritische Worte fand die Versammlung in Sibiu für den gegenwärtigen Prozess marktwirtschaftlicher Globalisierung, der die Teilung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer verstärke, die Würde zahlloser Menschen verletze und „katastrophale ökologische Folgen“ habe. Ungerechte Handelsbarrieren zwischen Europa und dem „Süden“ müssten beseitigt werden. Die UN-Millenniumsziele und die „Versöhnung zwischen Menschheit und Natur“ sollten von den Christen in Europa bestmöglich unterstützt werden.

Die Kirchen fordern gewaltfreie Formen der Konfliktlösung, man sei besorgt über die militärische Wiederaufrüstung. „Gewalt und Terrorismus im Namen Gottes sind eine Verleugung von Religion“, so die Schlusserklärung. Die EÖV3 rief die Verpflichtungen in Erinnerung, zu denen sich die Kirchen bereits bei den vorangegangenen Versammlungen in Basel (1989) und Graz (1997) bekannt hatten: „Wir bedauern, dass einige davon bis heute nicht erfüllt wurden“.

„Wir sind sehr glücklich, dass wir nach Sibiu gekommen sind“, sagte der Vorsitzende der „Konferenz Europäischer Kirchen“ (CEC), Jean-Arnold de Clermont, am Samstag in der rumänischen Gastgeberstadt des Treffens bei der Abschlusspressekonferenz der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV3). Der französische Kardinal Jean-Pierre Ricard, Vizepräsident des „Rates Europäischer Bischofskonferenzen“ (CCEE), betonte, die Einheit der Christen beginne immer wieder von neuem.

Den Wortlaut der Schlusserklärung finden Sie auf: www.evang.at/themen/a-bis-z/oekumene/

ISSN 2222-2464