Rückzug auf Nation hat keine Zukunft

Die Bedeutung der Römischen Verträge für den europäischen Integrationsprozess hat die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa unterstrichen. Foto: wikimedia/Mayhew and Simmon
Die Bedeutung der Römischen Verträge für den europäischen Integrationsprozess hat die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa unterstrichen. Foto: wikimedia/Mayhew and Simmon

GEKE: Für die anstehenden Herausforderungen braucht es europäische Lösungen

Wien/Wittenberg (epdÖ) Vor dem 60. Jahrestag der Unterzeichnung der „Römischen Verträge“ (25.3.) hat die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) dazu aufgerufen, für die anstehenden Herausforderungen europäische Lösungen zu suchen. Ein Rückzug allein auf eine wie auch immer definierte Nation habe keine Zukunft für ein friedliches und förderliches Zusammenleben in Europa und darüber hinaus, heißt es in einer Erklärung des Rates der GEKE, der am 18. März in Wittenberg tagte.

Darin unterstreicht die GEKE, die ihren Sitz in Wien hat, die Bedeutung der Römischen Verträge für den europäischen Integrationsprozess. Die Verträge haben, so die GEKE, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft geschaffen, aber ihre Präambel habe übergeordnete Ziele hervorgehoben, die heute noch relevant seien, wie z.B. „den Rückstand weniger begünstigter Gebiete [zu] verringern“ sowie „durch diesen Zusammenschluss ihrer Wirtschaftskräfte Frieden und Freiheit zu wahren und zu festigen“. In den 60 Jahren seit der Unterzeichnung seien mit der Weiterentwicklung zur Europäischen Union viele dieser Ziele erreicht worden.

Besorgt zeigt sich der Rat der GEKE, dass die Brüche, Gräben und Unterschiede unter den EU-Mitgliedstaaten, aber auch in den europäischen Gesellschaften in den letzten Jahren wieder dramatisch gewachsen sind. So konnte bislang keine Gemeinsamkeit gefunden werden, wie mit Flüchtlingen und Migrantinnen und Migranten rechtmäßig und auf dem Boden gemeinsamer europäischer Werte umzugehen sei. Die wirtschaftliche und soziale Lage sei nach fast zehn Jahren Krise in manchen Ländern und Gesellschaften nach wie vor bedrückend und besorgniserregend. „Menschen wenden sich von dem Einigungsprojekt ab“, heißt ist in der Erklärung mit Blick auf Großbritannien. Politische Parteien, so die Ratsmitglieder, „werben damit und erhalten dafür Zuspruch, dass die Lösung der Probleme im eigenen nationalen Raum und in der Abwendung von der EU zu finden ist“.

Dagegen bekräftigt die Kirchengemeinschaft, „dass wir uns evangelisches Kirchesein in Europa nicht mehr ohne unsere Gemeinschaft der Kirchen aus ganz Europa denken und vorstellen wollen. Das Evangelium ruft uns zu, keine Angst zu haben und uns für ein friedliches Zusammenleben einzusetzen“. „Einheit in versöhnter Vielfalt“ sei zum Selbstverständnis der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa geworden. Diese theologische und geistliche Einsicht habe in ihrer Praxis aber auch gesellschaftspolitische Bedeutung. Die anstehenden Herausforderungen – ob Klimaschutz, die Nachbarschaft zu anderen Kontinenten und deren Entwicklung, ob der Umgang mit der Globalisierung und anderes mehr – verlangten nach europäischen Lösungen.

 

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ISSN 2222-2464