Protestantische Kirchen in Europa wollen verbindlicher zusammenarbeiten

Sekretariat soll nach Wien verlegt werden

Kopenhagen/Hannover, 2. November 2005 (epd Ö) – Zu mehr Verbindlichkeit in der Zusammenarbeit und zu verstärkten gemeinsamen Anstrengungen gegen den religiösen Traditionsabbruch hat die Präsidentin der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), Prof. Dr. Elisabeth Parmentier (Straßburg), alle Kirchen aufgerufen. Vor dem Exekutivausschuss der GEKE, der vom 28. bis 30. Oktober in Kopenhagen tagte, sagte Parmentier, nicht Uniformität sei das Ziel, sondern die Bereitstellung einer Basis, die allen Kirchen helfe, ihrem Auftrag gerecht zu werden. Zudem unterstrich sie die Notwendigkeit, die theologische Arbeit innerhalb der Leuenberger Kirchengemeinschaft weiter zu entwickeln. Der Exekutivausschuss, dem aus Österreich der lutherische Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker angehört, führt zwischen den Vollversammlungen der GEKE die Geschäfte. Fortgesetzt werden soll auch der Dialog mit den in der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) zusammengeschlossenen orthodoxen Kirchen. So wird es vom 27. bis 30. April 2006 in Konstantinopel zu einer 3. Konsultation kommen, bei der Fragen der Lehre von der Kirche im Mittelpunkt stehen werden. Als Ziel des Dialogs nannte Parmentier die gegenseitige Anerkennung der Taufe. In der Reihe der informellen Gespräche mit den anglikanischen Kirchen ist nach zwei Begegnungen das nächste Treffen für 2007 geplant.

Der Exekutivausschuss verständigte sich darauf, der 6. Vollversammlung der GEKE, die vom 12. bis 18. September 2006 in Budapest stattfinden wird, zu empfehlen, das Angebot der Evangelischen Kirche A.B. und H.B. in Österreich anzunehmen, das Sekretariat der GEKE im Anschluss an die Vollversammlung nach Wien zu verlagern. Die Suche nach einem neuen Standort ist die Folge von Strukturveränderungen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland. Diese sehen etwa die Integration der Kirchenkanzlei der Union Evangelischer Kirchen (UEK) – sie beherbergte achtzehn Jahre das Sekretariat der GEKE – in das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vor. In der mehr als dreißigjährigen Geschichte der Leuenberger Kirchengemeinschaft war das Büro zuvor in Straßburg sowie in Wuppertal untergebracht. Wie Parmentier erläuterte, will die GEKE mit dem Umzug ihres Sekretariates nach Wien stärker in Mittelosteuropa präsent sein, wo protestantische Kirchen in der Minderheit sind und sich ein großer Teil ihrer Mitgliedskirchen befindet. Zudem habe man in Österreich eine Mitgliedskirche, in der Lutheraner und Reformierte aufs Engste zusammenarbeiteten.

ISSN 2222-2464