Präsidentschaftswahlkampf: Kirchen sehen „Alarmzeichen“

Im April 2016 wird ein neuer Bundespräsident bzw. eine neue Bundespräsidentin gewählt. Kritik am bisherigen Wahlkampf übt der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich. (Im Bild: Der Leopoldinische Trakt, wo die Amtsräume des Bundespräsidenten untergebracht sind. Foto: Wikipedia/Digon)
Im April 2016 wird ein neuer Bundespräsident bzw. eine neue Bundespräsidentin gewählt. Kritik am bisherigen Wahlkampf übt der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich. (Im Bild: Der Leopoldinische Trakt, wo die Amtsräume des Bundespräsidenten untergebracht sind. Foto: Wikipedia/Digon)

ÖRKÖ plädiert für eine „Abrüstung der Sprache“ und warnt vor „Instrumentalisierung“

Wien (epdÖ) – Die christlichen Kirchen dürfen sich nicht mit der entstandenen Trennung abfinden, die den Charakter von Skandal und Schuld hat. Das betonte der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej Cilerdzic beim offiziellen Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) im Rahmen der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen. Gleichzeitig bekräftigte der Bischof in seiner Predigt am Freitagabend in der evangelischen Lutherkirche in Wien-Währing die Bereitschaft der Orthodoxie zur Ökumene. Die ökumenische Bewegung habe eine nüchterne Betrachtung der Gegensätze ermöglicht und das Gespräch zwischen den Konfessionen auf eine neue Basis gestellt.
Es sei wichtig, darüber nachzudenken, ob die Kirchen zum Wohle der zukünftigen Generationen „Orientierungshilfe leisten können, anstatt Verwirrung zu stiften“, so Cilerdzic, der konkret eine „gemeinsame Kirchengeschichtsschreibung“ anregte. Das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Gläubigen in Österreich erinnerte an die Stärken der Kirche in ihrer Anfangszeit. So konnte sich das Christentum im Mittelmeerraum durchsetzen, „weil es im Unterschied zu den alten Religionen einiges zu bieten hatte“. Das Christentum entwickelte eine unverwechselbare Identität, eine Gottesdienstgemeinschaft, die sich versammelte, Familie und Nach-barschaft ergänzte und sozial-fürsorgliche Lebenszentren bildete.
Im Blick auf die Orthodoxie sei die Teilnahme an der ökumenischen Bewegung „keine Revolution, sondern eine natürliche Konsequenz des ständigen Betens für die Einheit aller, so wie wir das heute tun“, sagte Cilerdzic. Die Gründung der ökumenischen Strukturen vor 70 Jahren sei das Ergebnis einer bewussten Neugestaltung unter dem Druck der geschichtlichen Situation gewesen. „Wir stehen heute vor der Aufgabe einer vergleichbaren Neugestaltung. Die Ökumene soll den Herausforderungen unserer Zeit begegnen können.“
Die evangelische Pfarrerin der Lutherkirche, Elke Kunert, verwies auf die Bedeutung des ÖRKÖ: Er sei „die Stimme, mit der die Kirchen sprechen, wenn zum Ausdruck kommen soll, dass alle christlichen Kirchen durch eine tragfähige Basis verbunden sind“. Die Kollekte des Gottesdienstes kam dem Caritas-Projekt „Irak – Hilfe für verfolgte Familien“ zu Gute. Der Gottesdienst stand unter dem Leitthema „Berufen, die großen Taten Gottes zu tun“.
Von 18. bis 25. Jänner fand die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen statt. Weltweit kamen Christen aus unterschiedlichen Konfessionen zusammen, um gemeinsam für die Einheit der Christen zu beten. Auch in Österreich wurden an verschiedenen Orten zahlreiche ökumenische Gottesdienste gefeiert. Die liturgischen Texte und Unterlagen zur Weltgebetswoche wurden von den Kirchen in Lettland erarbeitet, wo jeweils etwa ein Drittel der Bevölkerung protestantisch, katholisch oder orthodox ist.

ISSN 2222-2464