Peschke: Migration beginnt mit der Vertreibung aus dem Paradies

Pfarrerinnen und Pfarrer aus ganz Österreich tagen in St. Pölten zum Thema „Migration“

St. Pölten (epd Ö) – Für Doris Peschke beginnt Migration mit der Vertreibung aus dem Paradies. Bei der gesamtösterreichischen PfarrerInnentagung zum Thema Migration in St. Pölten erinnerte die Generalsekretärin der Kommission der Kirchen für Migranten in Europa (KKME) an die zahlreichen biblischen Motive für Migration. Mit dem Europäischen Jahr „Kirchen antworten auf Migration“, das auch die Evangelischen Kirchen in Österreich 2010 als Themenschwerpunkt gewählt haben, sollen das Engagement der Kirchen für Fremde herausgestrichen, Ängste verringert und positive Seiten von Migration betont werden, sagte Peschke.

 

Drastische Zunahme der Anzahl an Toten an Europas Grenzen

 

Die aus Deutschland stammende Theologin definierte Integration als „gelungenes Zusammenleben von Menschen“. Kirchen erkennen, dass „Migration Realität in allen Gesellschaften Europas“ ist. Wichtig sei hier laut Peschke das Verständnis, „dass alle Menschen Wandernde sind“. Kirchen, denen aufgetragen sei, „den Fremden aufzunehmen“, leisten „viel an guter Arbeit vor Ort“. Kirchenasyl, Seelsorge in Schubhaft, medizinische Hilfe für AslywerberInnen oder Rechtsberatung seien unverzichtbare Elemente kirchlichen Engagements. Peschke forderte einen „genauen Blick auf Realitäten“ statt auf Ängste schürende Schlagzeilen: So sei weltweit keine Steigerung der Anzahl an MigrantInnen zu beobachten, allerdings steige der Anteil an Frauen. „Drastisch“ sei jedoch die Zunahme von Toten an den Grenzen Europas, „hier müsste es einen Aufschrei geben“. Im letzten Jahr habe es EU-weit mehr Auswanderung als Einwanderung gegeben, wobei auch Österreich das Problem habe, Talente im Land zu halten. Einige Länder wie etwa Griechenland seien besonders betroffen, dennoch gebe es insgesamt „drastisch weniger Asylgesuche“ innerhalb der EU, die Zahlen liegen laut Peschke auf dem Niveau der 1980er Jahre. Im Vergleich zu afrikanischen Ländern nehme Europa viel weniger Flüchtlinge auf, stattdessen gebe es mehr Abschiebungen.

 

„Wir sind weit entfernt von dem geplanten und notwendigen gemeinsamen europäischen Asylsystem“, konstatierte die Migrationsexpertin. Auf der anderen Seite hätten sich die EU-Länder rasch auf weitreichende gemeinsame Maßnahmen etwa bei Abschiebungen einigen können. Als besondere Herausforderungen sieht Peschke die zunehmende Kriminalisierung von Asylwerbenden, die Haftbedingungen in der Schubhaft, den schwierigen Zugang zu medizinischer Versorgung und Bildung sowie die gesellschaftliche Partizipation von MigrantInnen. Kirchen stehen hier, so Peschke, vor der Aufgabe, „in Verschiedenheiten zu vereinen“.

ISSN 2222-2464