ÖRKÖ-Gottesdienst mahnt zur Bewahrung der Schöpfung

In einer von apokalyptischen Ängsten geprägten Zeit haben die christlichen Kirchen die besondere Verpflichtung, Hoffnung zu geben, betonte der orthodoxe Bischof Andrej Ćilerdžić. Foto: pixnio
In einer von apokalyptischen Ängsten geprägten Zeit haben die christlichen Kirchen die besondere Verpflichtung, Hoffnung zu geben, betonte der orthodoxe Bischof Andrej Ćilerdžić. Foto: pixnio

Orthodoxer Bischof Ćilerdžić: Wächterfunktion der Kirchen

Wien (epdÖ) – Die Kirchen in Österreich bekräftigen ihren gemeinsamen Einsatz für den Klimaschutz und die Bewahrung der Schöpfung. Das war der Tenor des offiziellen Gottesdienstes des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) zur kirchlichen „Schöpfungszeit“ (1. September bis 4. Oktober) am Mittwoch, 11. September, in der Wiener Reformierten Stadtkirche. Den Gottesdienst feierten u.a. der ÖRKÖ-Vorsitzende Landessuperintendent Thomas Hennefeld und der orthodoxe Bischof Andrej Ćilerdžić.

Ćilerdžić bekundete in seiner Predigt seine Hochachtung vor der jungen Klimaaktivistin Greta Thunberg: „Man spürt die Resonanz und merkt, dass sich in der Welt etwas bewegt.“ Er habe sich einige Auftritte Thunbergs angesehen und sei beeindruckt, dass eine junge Frau, die selbst Asperger-Autismus habe, so stark auf die Zukunft der Jugend und noch nicht geborener Geschöpfe hinweist. „Man konnte sich das im Leben nicht vorstellen, dass da ein junges Mädchen in der europäischen Vollversammlung empfangen wird und vor hunderten Doktoren und Sachexperten spricht und alle hören artig zu“, so der Bischof. Er hoffe sehr, dass das Werk von Greta Thunberg Fr üchte trage. In einer von apokalyptischen Ängsten geprägten Zeit haben die christlichen Kirchen die besondere Verpflichtung, Hoffnung zu geben, betonte der Bischof weiter.

Die ökumenische Bewegung sei von Anbeginn an ökologischen Fragen interessiert gewesen. Auf die Zukunft ausgerichtet, befinde sich die ökumenische Bewegung immer auch in einer „Wächterfunktion“, sagte der Bischof und fügte hinzu: „Im Gebet wollen wir die Chancen für unseren Glauben erkennen, gerade angesichts menschlicher Verfehlungen, sozialer Übel und schwerwiegender ökologischer Schäden“.Es sei die Aufgabe der Christen, dem vereinten Europa eine Seele zu geben, die gemeinsamen geistigen und ethischen Werte zu vertreten und damit auch das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Bewahrung der Umwelt zu stärken, unterstrich Ćilerdžić. Ökumene bedeute in diesem Sinn für gläubige Christen, zu „Mitarbeitern Gottes“ zu werden und das Erbarmen Gottes für die gesamte Schöpfung deutlich zu machen.Die Ökumene in Österreich nehme ihren Friedensauftrag wahr und suche aktiv den Prozess des aktuellen geschichtlichen Wandels mitzugestalten, so der Bischof: „Im beschleunigten Prozess der Globalisierung mit all ihren Auswirkungen für den gefährdeten kulturellen und moralischen Zusammenhalt der Gesellschaft suchen gläubige Menschen nach umfassender Sinngebung und nachspiritueller Verwurzelung durch Gemeinschaft und Zusammenarbeit“.

Initiative „Klima-Kollekte“

Bei dem Gottesdienst stellte Diakonie-Eine-Welt-Rektor Michael Bubik die Initiative „Klima-Kollekte“ vor, die einem 2011 in Deutschland geschaffenen Vorbild folgt. Es handelt sich um einen Kohlenstoff-Dioxid-Kompensationsfonds der Kirchen, über den jeder Mensch, jede Organisation und jede christliche Gemeinde unvermeidliche Emissionen aus Strom – und Wärmeenergie, Reisen sowie Papier- und Druckerzeugnissen kompensieren kann. Die Ausgleichszahlungen werden gezieltan emissionsmindernde und zudem armutsreduzierende Projekte in den Ländern des „globalen Südens“ investiert. Der Ausgleich von Kohlenstoff-Dioxid-Emissionen geschieht dabei durch Klimaschutzprojekte kirchlicher Organisationen oder ihrer Partnergemeinschaften in „Entwicklungsländern“. Die „Klima-Kollekte“ profitiert von ihrer Anbindung an die Kirchen, weil langjährige gleichberechtigte Beziehungen zu Organisationen im „Süden“ entstehen können.

Seminarreihe „Klimagerechtigkeit

„ÖRKÖ-Vorsitzender Thomas Hennefeld verwies auf die neue Initiative „Klimagerechtigkeit“, eine Seminarreihe der Donau-Universität Krems über „Ethische Reflexion und transformatives Handeln“, bei der der Ökumenische Rat der Kirchen Kooperationspartner ist. Die Weiterbildungsreihe ermöglicht die Auseinandersetzung mit grundlegenden Aspekten des Phänomens Klimawandel. Dabei geht es auch um das Nachdenken über die globalen und lokalen Transformationspfade in Richtung Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit.

ISSN 2222-2464